Kolumne

Dinge verlieren richtig gemacht

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Flaach hat eine Glocke verlegt. Sie war kaputt, man hat sie zwischengelagert, dann jemandem mitgegeben und schliesslich vergessen – wem und wohin und überhaupt. Dass etwas vorübergehend verloren geht, kann passieren. 40 Jahre sind allerdings eine beeindruckend lange Zeit.

Da können nicht einmal die Eheringe mithalten, die beim Jäten verschwinden und Jahre später an einem Rüebli festgewachsen geerntet werden. Die Zahnarztrechnung nach dem Draufbeissen würde man aber vielleicht gerne gleich wieder verlieren.

Wenigstens gestaltet sich die Suche nach einer Glocke einigermassen simpel

Wenigstens gestaltet sich die Suche nach einer Glocke, hat man denn den Verlust festgestellt, einigermassen simpel: Schranktür auf – reinschauen – Schranktür zu.

Geht Immaterielles verloren, sind die Spuren schwieriger zu verfolgen. Wie etwa in Ellikon an der Thur, wo fast sieben Jahre lang diverse Rechnungen vergessen gingen. Tief ins Papier eintauchen muss da, wer das Geld finden will.

An Grundstücksgewinnsteuern lassen sich auch nur schwer GPS-Sender befestigen. Für vieles andere kann das durchaus hilfreich sein. So kennt jeder Brillenträger die Situation, dass er sich nicht mehr an den Ablageort seiner Sehhilfe erinnert und dieselbige ohne sie selber auch nicht wiederfindet. Die Brille per Sender an- oder am Bildschirm aufrufen zu können, wäre von Vorteil.

Diese Methode könnte sich auch in Gemeinden etablieren. Führt die Verwaltung ihre jähr­liche Inventur durch, müssten die Angestellten, nebst Kopierpapierstapel zu zählen, nur kurz am Bildschirm die Standorte weiterer kommunaler Besitztümer überprüfen.

Die nächste historische Glocke müsste so nicht erst jahrelang im Aargau warten – kein schönes Schicksal. Aber auch analoge Methoden können durchaus effizient funktionieren. Wäre die Flaacher Glocke in Dorf verloren gegangen, dann hätte sie die Gemeinde im Mitteilungsblatt unter den Fundsachen aufgeführt. Die wahre Schwierigkeit ist also nicht das Finden, sondern das am richtigen Ort Verlieren.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.10.2017, 16:15 Uhr

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