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Gruss von der Friedhofsgärtnerei

Wann ist es Zeit, über den Tod zu sprechen? Die katholische Theologin Monika Schmid denkt über ein wichtiges Thema nach.

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei St. Martin/Illnau-Effretikon.
Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei St. Martin/Illnau-Effretikon.
Johanna Bossart

Mein Vater ist dieses Jahr neunzig Jahre alt geworden. Dankbar sind wir, dass er gesund ist und noch allerlei unternimmt. Er hat zu seinem Neunzigsten sogar ein Buch geschrieben . . . Unter den Gratulanten war auch eine Delegation seiner Wohngemeinde samt Blumenschale, darin eine kleine Karte «Mit freundlichem Gruss, die Friedhofsgärtnerei». Schallendes Gelächter unter uns. War das ein Wink mit dem Zaunpfahl? Mit neunzig ist es dann mal Zeit . . . oder so.

Was so eine Karte für Gespräche und Fragen auslösen kann: Wann ist es Zeit, über den Tod nachzudenken, zu reden? Patientenverfügung? Wie möchtest du sterben? Angst vor dem Sterben oder Angst vor dem Tod? Erdbestattung oder Kremation? Was sind lebensverlängernde Massnahmen? Palliative Betreuung bis zum letzten Atemzug oder selbstbestimmtes Sterben? Fragen über Fragen bis hin zu: Was kommt nach dem Tod? Auferstehung, nichts oder doch eher Reinkarnation? Und: Friedhof oder Friedwald, Asche verstreuen am Lieblingsplätzchen? In meinen dreissig Jahren in der Seelsorge habe ich viele Menschen beerdigt und Familien auf diesem Weg begleitet. Ältere und jüngere Menschen, Jugendliche und Kinder. Jedes Sterben ist anders, weil jeder Mensch seinen Tod stirbt. Geboren werden und Sterben sind die Eckpunkte unseres Lebens. Und in beidem liegt das Geheimnis des Schweigens: Was war vorher und was wird nachher sein? Es gibt keine Worte, nur Spekulationen oder Glauben. Ars moriendi, das war im Mittelalter das grosse Wort – die Kunst des Sterbens, das heisst, es ging vor allem um das Gebet für einen guten Tod. Der Angst vor dem Tod ist seither die Angst vor dem Sterben gewichen. Das Sterben braucht seinen Platz im Alltag, weil Leben und Sterben zusammengehören. Als kleines Kind, ich war ein unendliches Sändelikind, habe ich mich manchmal im Sandkasten ganz eingebuddelt und für ein paar Sekunden die Luft angehalten und mir vorgestellt, ich wäre tot. Vielleicht würde man mich heute in psychiatrische Behandlung schicken. Ist doch nicht normal, dass sich ein Vorschulkind so mit dem Tod beschäftigt. Mir jedenfalls ist die Auseinandersetzung mit dem Sterben geblieben. Es ist gut, dass dieses Thema Raum gewinnt und viele ermutigt werden, offen darüber zu sprechen. Wichtig dabei: nichts zum Tabu zu erklären. Ich für mich versuche mich mehr und mehr ins Loslassen einzuüben. Uff! Mega schwierig. Und mein Abendgebet ist meist ultrakurz: Dein bin ich, göttliches Du, im Leben und im Tod!

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