Kolumne

Hackt Moskau Winterthur?

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Seit Donald Trumps Wahl ins Weisse Haus wird bei jeder Regierungswahl spekuliert, ob nicht vielleicht russische Hacker ihre Finger im Spiel hatten. Ist auch Winterthur im Visier von Moskau? Auch hier ist der Stadtratswahlkampf eröffnet, spätestens seit eine Kandidatin, die sich «bgm» nennt, ihre Wahlflyer an nichts ahnende Feuerwehrleute schickte.

Zuoberst auf Moskaus Abschussliste stünde wohl der Grüne Jürg Altwegg. Denn Russland möchte weiterhin viel Erdgas verkaufen, am besten auch nach Gotzenwil. Und tatsächlich brachte ja eine Intervention aus dem Osten Altweggs Vorgänger zu Fall (allerdings erschienen die ersten Wärmering-Berichte nicht auf Wikileaks, sondern in der «Thurgauer Zeitung»).

Altwegg ist allerdings schwer angreifbar: Erstens hat er bereits im Wahlkampf freiwillig die Hosen runtergelassen. Zweitens hat er es bisher erfolgreich vermieden, sein Amt überhaupt anzutreten.

Die Winterthurer tun und glauben eh, was sie wollen

Putins Hacker sollten sich also besser den SP-Mailserver vorknöpfen und dort nach verfänglichem Material wühlen. Vielleicht finden sie endlich den Beweis, dass in Nicolas Galladés Alterszentren das WC-Papier rationiert wird (wie eine aufgeregte Bewohnerin einst klagte). Noch besser wäre es, sie fänden ein geheimes Offshore-Konto von Finanzdirektorin Yvonne Beutler, angelegt in stillem Protest gegen ihren eigenen Steuerfuss.

Sehr wahrscheinlich ist das alles nicht. Aber vielleicht werden Wahlen auch überschätzt. SVP-Präsident Simon Büchi lamentiert jedenfalls über die laufende Legislatur: «Man hätte wohl ­keinen Unterschied gemerkt, wenn die Mehrheit links gewesen wäre.»

Tatsächlich keinen Unterschied bemerkt haben die Kommentarschreiber auf den Gratiszeitungsportalen. Sie ­wettern bei jeder Winterthur-Meldung unerschütterlich und faktenresistent gegen die «rot-grüne» Stadtregierung, als wäre nichts gewesen.

Hacken Sie also ruhig, Herr ­Putin! Die Winterthurer tun und glauben eh, was sie wollen. (Der Landbote)

Erstellt: 22.06.2017, 10:18 Uhr

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