Kolumne

In dulci trubelio

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Flocken fallen, die Lichtlein glänzen, in der Luft hängt der Duft von Zimt: Besinnlichkeit ist angesagt. Ich möchte ja auch so gern besinnlich sein in den Wochen vor Weihnachten, jedes mal nehme ich es mir vor. Aber dumm ist nur, dass Weihnachten immer auch mit dem Jahresende zusammenfällt.

Wie soll Besinnlichkeit einkehren, wenn jetzt noch alles fertig gemacht werden muss, was schon das ganze Jahr auf dem Stapel der Pendenzen lag? Texte müssen geschrieben und abgegeben, Noten eingetragen, Rechnungen verschickt und andere gezahlt werden. Advent, Advent, der Vater rennt.

Advent, Advent, der Vater rennt. 

Erst eine Sache, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Wer schon seit dem Sommer mich mal treffen wollte, lässt sich jetzt endgültig nicht mehr vertrösten und drängt auf einen Punsch am Nachmittag, Stichwort: gemütlich! Auf dem Weg dorthin werd ich die Gelegenheit nutzen, um dem Hinz noch rasch was zu bringen und bei Kunz etwas abholen. Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, Kommet, das unselige Gehetze von mir euch anzuschauen.

Letzte Geschenke gilt es ja auch noch zu besorgen. Kling, Portmonnaie, klingelingeling, kling, Kreditkarte, kling. Jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an, diese Rechnungen zahl ich dann definitiv erst im neuen Jahr. Woran hätte der Fredi wohl Freude? Herbei, oh ihr Ideen, singet Jubellieder und kommet und kommet mit ins Grand Café.

Da fällt mir ein, dass auch kulinarisch natürlich vorgesorgt werden muss. Ochs und Lämmelein liegen beisammen in der Gefreiertruhe. Während ich mir am Punsch die Zunge verbrenne, notiere ich im Geiste schon mal den Einkaufszettel, den ich dann hinterher abarbeiten muss, sofern mir der Punsch-Schwips nicht wieder die Hälfte aus dem Hirn löscht.

Im Kaufhaus merk ich, dass ich nicht der einzige bin, der Glühwein-gedopt und Advents-hysterisch auf Einkaufstour geht. Maria durch die Charcuterie-Abteilung ging, die hat in sieben Gestellen keine Fondue-chinoise-Packung mehr getragen. Dann halt doch nochmal Raclette. Auch abzunehmen werde ich erst im neuen Jahr wieder versuchen. Mit dem zusammenramisierten Käse und vier Gläsern Cornichon in der Umhängetasche, mach ich mich auf dem Heimweg.

Eine Hand hab ich ja noch frei, dort passt der Weihnachtsbaum auch noch rein. O Tannenbaum, o Tannenbaum, du bist mir auf dem Trottoir umgefallen! Und zuhause dann rufen die Kinder: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Papa, ebenso zerzaust wie unser Baum. Endlich Weihnachten! Ich bin bereit! Für Besinnlichkeit und Sauerstoffzelt.

(Der Landbote)

Erstellt: 19.12.2017, 15:43 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!