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Ja, war geil!

Oskar ist für Gleichberechtigung von Mann und Frau. Er, der kürzlich ­seinen 35. Geburtstag feiern konnte, ist Vater geworden. Aus diesem Grund sucht er einen Teilzeitjob. 60% maximal. Oskar denkt nicht im Traum daran, ein Wochenendvater zu werden. Viel lieber will er reichlich Zeit mit dem Nachwuchs verbringen. Wie sein älterer Bruder und wie sein Vater damals, als sie noch klein waren.

Privilegiert sei er, sagt sein Nachbar. Oskar ist sich dessen bewusst. In vielen Familien müssen beide Partner von morgens bis abends arbeiten, um ihre Existenz zu sichern. Um alle Rechnungen zu bezahlen. Doch er und seine Lebensgefährtin wollen mit zwei Teilzeitjobs über die Runden kommen. Sie verdienen gut und leben bescheiden: ohne Auto, teuren Ausgang oder Ferien in der Karibik. Die kleine Wohnung behalten sie erst einmal. So lange es geht. Hauptsache Kinderzeit, Freiheit und Zeit für sich selbst.

Wer entscheidet, wie Männer zu leben haben?

Sein Vater entschied sich bereits vor 40 Jahren für Teilzeitarbeit. Er war selbstständig tätig. Genauso wie einige seiner Kollegen. Damals brauchte es noch Mut, um als Mann gegen das Rollendiktat aufzubegehren – und ein sehr gutes Selbstvertrauen. Von Familie, Nachbarn und Chefs wurden nur politisches Engagement oder Gebrechen als Grund für eine Teilzeitstelle akzeptiert. Ein Teilzeit-Hausmann hingegen wurde rasch einmal als «Weichei» abgestempelt. Nicht allen war das egal. Doch Oskars Vorbildmänner liessen sich nicht fremdbestimmen und zogen ihr Ding durch. Beim gefürchteten Spruch «Sie haben da eine Lücke im ­Lebenslauf» hätten sie – ohne mit der Wimper zu zucken –geantwortet: «Ja, war geil!»

Oskar wuchs unter Freigeistern und starken Frauen auf. Er machte eine KV-Lehre, bildete sich weiter im Marketingbereich und arbeitete zu 100%. Seine Welt war immer in Ordnung. Bis jetzt. «In deiner Position arbeiten bei uns alle Vollzeit», meint sein Chef. Und fügt hinzu: «Das ist Firmenpolitik und nicht gegen dich persönlich gerichtet.» Wer für die Firmenpolitik zuständig sei, will Oskar wissen. Der Vorgesetzte zuckt mit den Schultern. Er weiss es nicht. Das wird irgendjemand «ganz oben» sein.

Oskar stellt sich viele Fragen: Wer entscheidet, wie Männer zu leben haben? Wer diktiert die Rollen­teilung? Sind es die Konzerne? Und wenn ja, welche Person in welcher Position? Wer entscheidet über Arbeitszeiten? Muss der Lohnsoldat sich anpassen? Arbeiten bis zum Herzinfarkt oder bis zum Burn-out? Dafür soll seine Frau, die als Kinderärztin tätig ist, zu Hause versauern? Das wäre ziemlich hirn­verbrannt.

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