Kolumne

Jedem seine eigene Welt

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Einst hatte jeder Fussballplatz seine feste Bandenwerbung. Mit dem Aufkommen des Fernsehens wurde diese bei Länderspielen ergänzt oder sogar überdeckt. Mangelte es an Werbekunden, brachte man unauffällige Füller an. Plötzlich war im Londoner Wembley-Stadion «Herisau – das Tor zur Ostschweiz» zu lesen. Besser als ein Loch in der Bande! Bei einem Länderspiel gegen Italien gab es in der Schweiz erstmals eine Doppel-Übertragung. Das Schweizer Fernsehen stellte seine Kameras auf der Haupttribüne auf, das italienische Fernsehen auf der Gegenseite. Hüben wurde für Ovomaltine, Migros und Kleider Frey geworben, drüben für Alfa Romeo, Gorgonzola und Barilla. Beim Umschalten von SRF auf RAI wurde einem schwindlig: Auf dem einen Kanal spielten die Schweizer von links nach rechts, auf dem anderen in der genau umgekehrten Richtung.

Wieder etwas später erschienen die virtuellen Banden. Neben den Toren standen scheinbar grosse Kartons mit Werbebotschaften. Doch wenn ein Spieler nicht mehr bremsen konnte, lief er einfach durch die Wand durch! Da war in der Realität nämlich gar keine, sondern nur ein perspektivisch gekonnt verzierter Boden, der am Bildschirm dreidimensional wirkte. Dann begannen sich die Banden um die eigene Achse zu drehen, es waren eigentlich drei, die sich immer abwechselten. Dreimal so viel Reklame war nun möglich!

Inner Kürze soll nun aber eine neue Dimension erreicht werden: Je nachdem, auf welchem Fernsehapparat man sich ein Fussballspiel anschaut, soll auf den Werbebanden Unterschiedliches aufscheinen: Beim Public Viewing wird für Coca Cola und McDonalds geworben, im noblen Golf-Club für Mercedes und Heliskiing, im Jugendhaus für Lego und Red Bull, im Altersheim wahrscheinlich für Rollatoren und Kukident... Wahnsinn!

Wann folgt wohl der nächste Schritt? Zum Beispiel Kommentatoren für jedes Publikumssegment: Der eine redet total pro FCB, der zweite total pro GC, ein Dritter versucht neutral zu bleiben. Einer spricht im jugendlichen Slang, ein anderer für die Alten besonders laut und deutlich. Und eigentlich müsste, damit das Publikumsinteresse hoch und die Werbung wirksam bleibt, am Schluss auch immer die eigene Mannschaft gewinnen. Man könnte also gefallene Tore für ein bestimmtes Zielpublikum annullieren. Die eingeblendete Resultatanzeige entsprechend anzupassen dürfte technisch kein Problem sein.

Am Ende der Saison würde es heissen: Schweizermeister ist Basel (in Basel), Zürich (in Zürich), Sion (in Sion). Alle wären glücklich und zufrieden. Das wären alles bloss «Fake News»? Die Werbung wird es bestimmt schaffen, dass wir dem stattdessen schon bald «Individual News» sagen werden. Wer will denn immer gleich so negativ sein! (Landbote)

Erstellt: 14.07.2017, 13:12 Uhr

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