Kolumne

Josefs ­glattrasiertes Face

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Zur unabdingbaren Pflichtlektüre eines Stadtbeobachters zählt die People-Spalte der «Winterthurer Zeitung». Kürzlich hiess es dort: «Der Winterthurer Bau-Stadtrat Josef Lisibach läuft künftig ­wieder mit glattrasiertem Face durch die Eulachstadt.» So bahnbrechend die Neuigkeiten an sich sind, blieb der Stadtverbesserer vor allem am «Face» hängen. Sagt man das heute noch? «Du hast da etwas im Face»?

Für den Sprachpuristen mag es eine Erleichterung sein, zu wissen, dass auch Anglizismen aussterben können. Kurztest: Gebrauchen Sie noch die Worte a) Tearoom, b) Pocketcam und c) Slomo? In den 60ern war es üblich, die simpelsten Worte ins Englische zu übertragen – das kam wohl irgendwie jugendlich rüber. In meiner Plattenkiste finden sich noch die Schlager «Einsamer Boy» (Wencke ­Myhre) und «Sieben Girls» ­(Lesley Gore). Da hätte gewiss auch ­«Josefs Face» gut gepasst.

Hoffentlich legt man mir diese ­Betrachtung nicht als Kritik ­aus. Nichts läge dem Stadtverbesserer ferner, als den Sprachgebrauch von People-Journalisten zu tadeln. Ganz im Gegenteil: Antizyklisches Verhalten ist sympathisch! Der Stadtverbesserer macht es sich darum zur Aufgabe, die schönsten Ausdrücke aus Grossmutters Zeiten wiederzubeleben. Eine Auswahl aus den Redaktionsfavoriten: Grüezi­wohl (unbedingt in der Vollversion mit . . .wohl), äxgüsi und ohalätz. Purlimunter, Pfüderi, Plagööri (oder wahlweise auch: Shower). Gwaggli, Galööri, Globivogel. Streut man noch ­gelegentlich die Worte schampar und schüüli zur Steigerung ein, wirkt man glatt 30 Jahre älter.

Kurzum, nichts für ungut,mein lieber Kollege von der «WiZe»: Bitte kein saures Face machen. (Landbote)

Erstellt: 13.07.2017, 12:58 Uhr

Der Stadtverbesserer: Die Winterthur-Kolumne des Landboten.

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