Kolumne

Mit Konfuzius und Einstein unterwegs

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Endlich haben es die Temperaturen wieder über 20 Grad geschafft. Und wenn es nachhaltig aufgehört hat zu regnen, dann lohnt es sich auch wieder, den Drahtesel aus dem Stall zu holen und übers Land zu radeln. Beeilen sollte man sich aber. Denn schon bald ist die ausgewaschene Luft wieder mit Gräserpollen gesättigt, die Hitze zu gross und die Ozonwerte zu hoch.

Wer Fahrradtouren aber nicht mag, für den sind das willkommene Ausreden. Auch eine Ausrede ist für gewöhnlich das Sprichwort «Der Weg ist das Ziel», das von Konfuzius stammen soll. Damit kann sich zum Beispiel der Pilzsammler, der stundenlang im Zickzack durch den Wald streicht, seinen leeren Korb im Nachhinein schönreden.

Oder der Autofahrer, der sich auf seiner Reise von A nach B verfährt. Oder die Studienabbrecher, die nach 20 Semestern an der Uni keinen Abschluss machen. Wer sein Ziel nicht erreicht, der verhüllt sein Scheitern elegant mit Konfuzius.

Hetzen ist nichts anderes als die Angst vor dem Altwerden.

Selbst die Koordinationsstelle Veloverkehr der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion setzt auf den chinesischen Philosophen. Bei der Velonetzplanung, also bei der Planung von Fahrradwegen, unterscheidet sie nämlich zwischen Radeln im Alltag und in der Freizeit: «Während beim Freizeitverkehr der Weg das Ziel ist, stellt eine Alltagsverbindung primär den Weg zum Ziel dar und verbindet den Ausgangspunkt direkt und sicher mit dem Endpunkt.»

Oder anders ausgedrückt: Freizeitrouten für Velofahrer führen im Zickzack über Feldwege und mit viel Umwegen ans Ziel – das eben nichts mehr ist als das Ende des Weges, der das eigentliche Ziel darstellt. Von dieser tiefen Einsicht sollten auch die gehetzten Autofahrer erfahren. So sollte jede orange Umleitungstafel mit dem Satz «Der Weg ist das Ziel» ergänzt werden.

Bei so viel Gemächlichkeit stellt sich aber die Frage, wieso vor allem ältere Menschen immer häufiger mit schnellen E-Bikes unterwegs sind. Die Antwort liefert Einsteins Relativitätstheorie: Die Zeit vergeht umso langsamer, je schneller man sich bewegt. Hetzen ist also nichts anderes als die Angst vor dem Altwerden. (Der Landbote)

Erstellt: 11.05.2017, 14:23 Uhr

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