Kolumne

No Fake für 2018!

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Wenn Sie diese Zeilen lesen, eröffnet vielleicht gerade wieder jemand ein Fake-Profil mit Patricks* Gesicht. Patrick, ein attraktiver Bartträger mit gewinnendem Lachen und erfolgreicher Position in einer internationalen Firma. Ich lag bereits im Bett, als Patrick vor einigen Wochen in mein Leben trat.

Auf meinem Smartphone poppte via Facebook eine Freundschaftsanfrage auf: von Erik, einem attraktiven Bartträger mit gewinnendem Lachen. «Woher kennen wir uns?», schrieb ich ihn an.

Die Antwort kam postwendend und war entlarvend: Zwar kennten wir uns nicht, aber mein Lachen sei so bezaubernd, dass er mich unbedingt kennen lernen wolle. Charme-Attacken via soziale Medien – eine alte Masche. Die Google-Bild-Suche brachte den Beweis: Wer auch immer sich da als Erik ausgab, tat dies mit einem geklauten Foto von Patrick.

Wie geht Patrick damit um, dass andere mit seinem Gesicht naive Frauen betrügen?

Also machte ich Patrick ausfindig und informierte ihn über die Schindluderei. So erfuhr ich, dass bereits während fast eines Jahres Fake-Profile mit Patricks Konterfei wie Pilze aus dem digitalen Boden schiessen. Fake-Patrick sucht auf Single-Plattformen Frauen, Fake-Patrick tummelt sich mit unzähligen Konten auf Twitter, Fake-Patrick ist mit diversen verschiedenen Namen auf Facebook zu finden.

Das Ziel: Den Frauen, die sich auf die Kontakte einlassen, nach einer ersten Phase der Vertrauensbildung Geld aus der Tasche ziehen. Wie er damit lebe, dass andere mit seinem Gesicht naive Frauen betrügen, fragte ich Patrick. «Ich würde gerne sagen, es sei mir egal», antwortete er. «Nur: Es ist nicht so.»

Tagtäglich würden sich bei ihm geprellte Opfer melden, Frauen, die sich in seine Fake-Identitäten verliebt hätten und ihm ihre Geschichte erzählten. «Ich habe gelernt, dass diese Frauen die Wahrheit oft nicht wahrhaben wollen», erzählte er weiter. «Sie wollen nicht erkennen, dass die Gefühle des anderen gespielt waren.» Stunde für Stunde verbringe er, der mit einem Mann verheiratet ist, mit den Schicksalen und Tränen der Frauen.

Um mir das Ausmass zu zeigen, nahm er mich in eine geheime Gruppe auf, die er als Austauschplattform für Fake-Patrick-Opfer gegründet hatte. 337 Mitglieder zählt sie derzeit – es dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Warum erzähle ich Ihnen das ausgerechnet am zweitletzten Tag des Jahres? Weil ich Ihnen für das neue Jahr ganz viel Wahrhaftigkeit statt Fake wünsche – und alle Komplimente dieser Erde; auch für Ihr bezauberndes Lachen.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.12.2017, 18:01 Uhr

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