Kolumne

Oh Glühwein, du Unheilbringer

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Es gibt da ja diesen Witz: «Ihre Freundin hat einen interessanten Akzent, wo kommt sie her?» «Vom Glühweinstand.»

Es ist die Zeit, in der parallel zu jedem neuen Türchen im Kalender auch ein neuer Adventsmarkt aufgeht. Im Büro verabredet man sich nicht mehr zum Feierabendbier, sondern zu alkoholhaltigen Heissgetränken mit weihnachtlichem Bouquet.

Adventsmärkte dienen lediglich der Tarnung von Glühweinständen.

Dank Handschuhen und Styroporbecher sind die Finger gut geschützt, dafür kann man die Temperatur des gewürzten Weins nicht richtig einschätzen und ferbrennt fich jedef Mal die Funge. Das macht aber nichts, so schmeckt man weniger von der angebrannten Chässchnitte.

Meine Theorie: Adventsmärkte dienen lediglich der Tarnung von Glühweinständen. Mit viel Aufwand versucht man, die Offensichtlichkeit des vorweihnächtlichen Besäufnisses zu vertuschen. Die wohlige Angetrunkenheit verleitet die Besucher spätestens nach dem zweiten Becher zu nicht sehr wohlüberlegten Käufen, sodass sich die Friererei für die Marktfahrer zum Schluss doch auszahlt.

Auch der Trinker selbst rechtfertigt mit den erstandenen Handwerksprodukten die wochentägliche Sauferei. Win-win für alle, könnte man meinen. Doch halt.

Es gibt auch Opfer. Niemand spricht darüber und die Beweise verschwinden in den untersten Schubladen und auf den staubigsten Dachböden. Sie leiden im Stillen: die Beschenkten. Das Paket sieht harmlos genug aus, nicht zu gross, zu schwer oder zu hässlich, aber es enthält das fünfte Paar handgelismete Pulswärmer. Ein Rechtfertigungskauf des letzten Glühweinexzesses äh, Adventsmarktbesuchs.

Die Wolle löst schon beim Anschauen einen Allergieschub aus. Schlimm auch Duftkerzen. Das künstliche Vanillearoma lässt Räucherstäbchen weit hinter sich. Besucher erfinden fadenscheinige Ausreden und fliehen. Die Katze faucht. In einem Coop springen Vanilleschoten aus den Regalen in den sicheren Tod.

Zuhause versucht der Schenker vergeblich, Glühweinflecken aus seinem Wintermantel zu waschen.

(Der Landbote)

Erstellt: 07.12.2017, 16:30 Uhr

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