Angerichtet

Schnitzel statt Wasabi

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Im Dorf sind die Restaurants noch Beizen: Steak statt ­saisonal, gemütlich statt Gastropreis. Man mag das bieder finden, uns gefällts. Wer eine Dorfbeiz sucht, liegt mit dem «Hirschen» richtig. Zehnmal besuchte der «Land­bote» diesen im letzten Jahrzehnt: in Stammheim (zweimal), Trüllikon (dreimal), Wiesen­dangen, Kyburg, Hettlingen, Lufingen und Rorbas («Al cervo»). Wir nehmen den in Wülflingen.

Sogleich schlägt das Dorfbeiz­ometer aus: Holz. Pendeluhr. Bier und Kreuzworträtsel. Neue Gäste grüssen die anwesenden, wer geht, verabschiedet sich. Hier kann man auch allein essen, ohne aufzufallen. Der frühere Wirt – heute Koch – gesellt sich zu uns und erzählt aus der Familiengeschichte: Die Gemälde und Bronzefiguren stammen von seinem Vater, Emil Perret senior, mittlerweile führt Sohn Andreas den Betrieb, zu dem auch ein grosser Saal im Obergeschoss samt Vereinspokalen gehört.

Hier kann man auch allein essen, ohne aufzufallen.

Anders als im Stammheimer «Hirschen» ist die Küche nicht ­­ge­hoben: Tuna-Pralinées an Sesam­sojasauce und Avocado­tatar mit Wasabi und Ingwer (sic!) kommen hier nicht auf den Tisch, stattdessen Steak oder Schnitzel, bei mir zusammen mit Pommes frites und Gemüse (26.50 Fr.). Das Entrecôte mit Salat für die Begleiterin figuriert als «Energieteller» (29 Fr.). Die Kellnerin warnt diese, als sie noch eine Vorspeise bestellt: «grosse Portionen», und wirklich bleibt am Ende einiges auf dem Glasteller liegen, obwohl das ­Essen schmackhaft ist.

Als Hauswein wird ein hiesiger Pinot noir ausgeschenkt (4.10 Fr./dl), die Wasser­karaffe wird vom aufmerksamen Personal stets neu gefüllt. Etwas schade finden wir, dass ­alle Salate mit der gleichen Einheitssauce serviert werden.

Zöge man als Kriterium der ­Gemütlichkeit die Aufenthaltsdauer heran, gäbe es in dieser Kategorie locker Bestnoten. Als wir nach Stunden die Dorfbeiz verlassen, fällt uns auf, dass wir nicht die einzigen sind, die so lange durchgehalten ­haben.

Taverne zum Hirschen Lindenplatz 2, Wülflingen, 052 222 18 80

(Der Landbote)

Erstellt: 14.01.2018, 13:38 Uhr

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