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Schweizer Küche aus Überzeugung

Kaum haben wir den ersten Schluck getrunken im nicht ganz geräuschfreien Garten des Restaurants Stadtrain, kommt eine ältere Frau und fragt, ob sie an unserem Tisch sitzen dürfe. Sicher doch, bitte sehr, nehmen Sie Platz, wer isst schon gerne allein. Wir erfahren bald sehr viel über das Quartier und seine Beizen. Hörnli, Stadtrain, Talacker, unser Tischgast kennt sie alle. Im Talacker etwa habe es früher, vor vielen Jahren, als noch die Schwester von Karl Meli und ­deren Mann wirteten, grosse Fasnachtsfeste gegeben. Heute glaube ja fast jeder, ein Restaurant führen zu können, doch die wenigsten wüssten, was es dazu brauche. Wir lernen viel über das Funktionieren von Quartierbeizen. Und ja: Dieser neue Wirt, der jetzt auf dem Stadtrain tätig ist, der habe das Zeug dazu, der könnte es schaffen.

Pascal Werner heisst er, 32-jährig ist er, und das Stadtrain, das unter verschiedenen Namen eine bewegte Geschichte hat, ist die erste Beiz, die er führt. Vorher kochte er im Wiesental in Unterohringen und war Küchenchef in der Sonne an der Marktgasse. Mit ihm im Stadtrain wirtet seine Frau. Schweizer Küche will er anbieten, weil die «am Aussterben» sei. Überall Pizza, Thai und Kebab, da hält Pascal Werner mit Winti-Wurst, Wurstsalat und Rösti ­dagegen – «vehement», sagt er.

Die Karte birgt keine Überraschung, wenn man diesen Grundsatz des Wirtes kennt: Schnitzeli paniert und in Champignonrahmsauce, Nüdeli und Pommes, Pouletflügeli und Fischchnusperli, Wurst-, Käse- und Ochsenmaulsalat und so weiter. Alles sei frisch, verspricht die Service­angestellte. Wir nehmen Züri- Gschnätzlets aus Kalbfleisch mit knuspriger Butterrösti (32.50 Fr.) und einen Wurst-Käse-Salat garniert (sehr hübsch garniert sogar, mit lauter frischen Salaten, 16.50 Fr.). Unser Tischgast bekommt die Pouletflügeli mit Pommes auf einer hübschen Etagere serviert mit Dipsauce. Sie wünscht Ketch­up dazu, und das kommt nicht in der Flasche auf den Tisch, ­sondern in einem Glasgefäss. Sorgfältig angerichtet ist alles.

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