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Um des Reimes willen

Wohl ein Wolf hat letzte Woche Andelfingen heimgesucht und zwei Schafe gerissen. Als Bühne für seinen zweiten Auftritt hat Meister Isegrim, so sein Name in der Fabelwelt, das Gebiet «Wolfsgrueb» ausgewählt. Solche Gruben wurden in früheren Zeiten ausgehoben, um Wölfe zu fangen. Und in diesen Fallgruben zitterten dann Gänse, Ferkel oder Schafe als lebende Köder ihrem Ende entgegen.

Wie soll man den guten Vorsatz einhalten, wenn der Wolf daherkommt und einem die Kalauer auf dem Silbertablett serviert?

Bereits Anfang Jahr ging es an dieser Stelle um Kalauer, um zwar ziemlich platte, aber ebenso verlockende Wortspiele. Und um den Neujahrsvorsatz des Schreibenden, auf solche seichten Wortwitze künftig tunlichst zu verzichten. Etwa auf den Ur-Kalauer R(h)einfall in all seinen Spielarten oder auf den Witz mit dem Kantonsrat namens Biber, der eine Anfrage zu Biberschäden mitunterzeichnete. Doch wie soll man den guten Vorsatz einhalten, wenn der Wolf daherkommt und einem die Kalauer auf dem silbernen Tablett serviert? Und wieso heisst der Mediensprecher, der den Journalisten Auskunft über den Andelfinger Wolf gab, ausgerechnet Wolfgang mit Vornamen?

Mit dem Dichter Christian Morgenstern lassen sich solche Fragen beantworten. Er reimte: «Ein Wiesel sass auf einem Kiesel inmitten Bachgeriesel.» Und er fragt dann: «Wisst ihr weshalb?» Seine Antwort: «Das Mondkalb verriet es mir im Stillen: Das raffinierte Tier tat’s um des Reimes willen.» Das Gedicht trägt übrigens den Titel «Das ästhetische Wiesel». Die Ästhetik hat keinen weiteren Zweck zu erfüllen, sie genügt sich selbst. Einfach schön, einfach lustig.

Je länger man sich die Landkarte der Region Andelfingen mit ihren Flurnamen anschaut, desto mehr Wolfsspuren finden sich. So gibt es zum Beispiel südlich von Ossingen den Flecken «Chappen», ein Weinberg. Und nördlich von Kleinandelfingen liegt ein Waldgebiet namens «Brotchorb», gleich daneben das Gebiet «Wolfzeichen». Wenn das keine Hinweise auf Rotkäppchen sind.

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