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Vertrautes Mittelmass

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Das Ristorante Santa Lucia ist für viele in Winterthur gleichbedeutend mit einer Pizzeria in der Schweiz. Als es noch nicht an ­jeder Ecke, bei jedem Beck und auch im Tiefkühlregal der Grossverteiler von Pizzas wimmelte, war das Restaurant vis-à-vis der Milchrampe schon da. Und noch immer ist der Santa-Lucia-«Brand» der Kern des stetig weiterwachsenden Gastro­imperiums von Rudi Bindella.

Die Pizza ist auch heute noch «tipptopp». So das Urteil der beiden Begleiter an diesem Abend. Zusammen sind wir schon im Santa Lucia gesessen, als wir uns noch über Proseminararbeiten und Zwischenprüfungen den Kopf zerbrachen. Viel hat sich seither nicht verändert. Das Gebäude, in dem der Italiener sich flächig ausbreitet, ist wie damals eigentlich viel zu kühl. Mit den grossen Fenstern rundherum sitzt man wie im Schaufenster. Richtig gemütlich ist es beim Holzofen.

An diesem Freitagabend ist das Lokal gut besucht, aber nicht ausgebucht. Der Service ist schnell, freundlich, korrekt, es fehlt aber die persönliche Note. Und ganz ähnlich mutet an, was auf den Tellern daherkommt. Der gemischte Salat (11 Franken), kein Kunststück freilich, ist frisch. Gurken, Rüebli, Tomaten, Blattsalat, dazu eine gut austarierte italienische Sauce. Da kann man nichts sagen. Aber der grüne Salat (9 Franken), mit nur einer Sorte Blattsalat, ist Langeweile pur, eine Kapitulation vor der Aufgabe. Die gastronomische Ambition, sie scheint im Santa Lucia seit langer Zeit verloren. Die Pizzas sind solide, aber eben auch nicht mehr. Der Teig ist einen Tick zu spröde, der Schinken auf der Prosciutto (22 Franken) zu salzig. Die Hauspizza Santa Lucia (23 Franken) ist gewohntes Mittelmass. Immerhin: Die Sardellen wurden richtig dosiert. Der Rotwein im Glas: nicht der Rede wert.

Am deutlichsten zeigt das Dessert, was im Santa Lucia fehlt. Der Bananensplit (10.50 Franken) wird auf einem cremefarbenen Tellerchen serviert: pastellgelb auf weissem Grund mit Sahnehäubchen. Die Schokoladensauce ist schon etwas angetrocknet.

Noch trister ist das Bild im Cocktailglas: Eine Kugel braune Mokkaglace mit Kaffee übergossen und etwas Rahm, das ist der kleine Eiskaffee (7.50 Franken). Wer einen Coupe möchte, der zieht besser ein Haus weiter. 100 ­Meter südlicher, vis-à-vis vom Stadttor, heisst der Eigentümer ebenfalls Bindella. Zwar gibt es im National keinen Pizzaofen. Aber das gastronomische Feuer brennt dort noch. (Landbote)

Erstellt: 14.08.2017, 13:13 Uhr

Angerichtet

Ristorante Santa Lucia Winterthur

Bahnhofplatz 12, Telefon 052 231 54 44

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