Kolumne

Vorwärts im Schneckentempo

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In der Region kursiert ein neues Zauberwort. Es heisst Entschleunigung. Eine Meisterin der Disziplin ist die Weinländer Gemeinde Flaach. Seit 1912 könnte sie laut Gesetz schon über ein Grundbuch verfügen, vor bald 30 Jahren ordnete das Obergericht dessen Einführung an. Nun soll es mit dem modernen Verzeichnis endlich klappen.

Es eilt aber nicht. Wieso denn auch? All die Jahre funktionierte es in Flaach ohne Grundbuch prima.Langsamkeit hat sich auch die Tösstaler Gemeinde Zell auf ihre Fahnen geschrieben. Zumindest ziert eine Schnecke das grüne Gemeindewappen. Das Symbol erinnert an die Slow-Food-Bewegung aus dem Piemont. Ziel dabei ist es, lokale, hochwertige und faire Produkte zu fördern. Ganz nach dem Motto: Gut Ding will Weile haben.

«Gib dich zufrieden, wenn es auch nur den kleinsten Fortschritt gibt»

Das löbliche Credo ist in der Region längst tief verankert. Oder gibt es irgendwo eine Gemeinde, die auf Facebook, Instagram und Co. präsent ist? Auch der Umgang mit Reformen ist überaus gelassen. Fusionen kommen dann schon zustande, wenn der finanzielle Druck keinen anderen Ausweg mehr zulässt. Und warum sollte man mit einem Naturpark im Tösstal vorwärtsmachen, wenn bereits alles «natürli» ist? Denn Veränderungen sollen möglich bleiben, aber immer nur in kleinen Schritten.

Die Gemeinden können sich mit dieser Haltung auf grosse Vorbilder berufen. Der bekannteste von ihnen ist wohl der römische Kaiser Marcus Aurelius. Er gilt als bedeutender Vertreter der Stoiker. Die philosophische Denkrichtung lehrt einen, wie man mit Gelassenheit gegebene Umstände besser ertragen kann. «Gib dich zufrieden, wenn es auch nur den kleinsten Fortschritt gibt», soll der Kaiser zum Beispiel verkündet haben.

Was für Rom gut war, kann für Gemeinden im Kanton Zürich so schlecht auch nicht sein. Man kennt es ja aus dem Büroalltag: Offene Fragen erledigen sich manchmal von selber, wenn man sich nur lange genug nicht darum kümmert. (Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2017, 12:29 Uhr

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