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Wer will mitfliegen?

Die Welt hat einen neuen Sündenbock. Er heisst Fake-News. Wenn in Amerika einer zum Präsidenten gewählt wird, der über die Frustrationstoleranz eines Dreijährigen verfügt – schuld daran sind nur die Fake-News, mit denen man den Leuten eingeredet hat, der wisse sicher schon, was er tue. Aber natürlich verweist auch die Gegenseite sogleich auf Fake-News und behauptet, alles, was an Kritik geäussert werde, sei ohnehin nur gefälscht. Was mir nicht in den Kram passt, ist nicht wahr. «Lügenpresse» nennt man das bei unseren Nachbarn.

Mir indes will es scheinen, als würde sich das Problem dereinst von alleine lösen. Denn früher oder später wird sich das, was Lüge ist, auch als solche entlarven. Und den Preis werden nicht zuletzt die zahlen, welche der Lüge aufgesessen sind. Mir kommen darum jene, welche nur noch das hören wollen, was ihnen schmeichelt, vor wie einer, der vom Trump-Tower springt und beim Runterfallen schimpft: «Was fällt diesen Physikern eigentlich ein, zu behaupten, dass ich so einen Sturz nicht überleben werde. Ist doch eh nur Fake-News. Meine Kollegen auf Facebook haben gesagt, so ein Sprung sei kein Problem.»

Statt nur in der eigenen Monokultur von Internet-Katzenbildli und Facebook-Freunden zu hocken, wärs halt eben doch sinnvoll, Zeitungen zu lesen.

Das kann man sich natürlich schon einreden. Aber doch wohl nur 58 Stockwerke lang. 58? Moment mal, prahlt der Besitzer nicht damit, die 66. bis 68. Etage zu bewohnen? Was verzapft der Binotto denn da für Fake-News? Könnte indes sein, dass die behauptete Stockwerkanzahl nicht mit der tatsächlichen übereinstimmt. Laut offiziellen Dokumenten ist das sogar der Fall. Guckts nur mal nach!

Das sollte eigentlich jene Opportunisten interessieren, die sich zwar auf die Seite der Wahlsieger geschlagen, zur Sicherheit aber doch noch einen Fallschirm eingepackt haben. Man kann ja dann immer noch die Reissleine ziehen, wenns mit Trump nicht gut kommt . . . Sie sollten bedenken, dass, wenn sie den Fallschirm erst nach 60 Stockwerken aufmachen, sie vielleicht schon zwei Etagen lang auf dem Pflasterliegen. Wer indes auch dieses Risiko nicht eingehen will, dem bleibt halt leider nichts anderes übrig, als die Arbeit des breiten Sich-Informierens auf sich zu nehmen.

Statt nur in der eigenen Monokultur von Internet-Katzenbildli und Facebook-Freunden zu hocken, wärs halt eben doch sinnvoll, Zeitungen zu lesen und Bücher auch. Am Radio von Musik auch mal auf Gesprochenes umzuschalten und beim Fernsehen nicht immer grad wegzuzappen, nur weil die Nachrichtensprecher weniger lustige Sprüche draufhaben als Dieter Bohlen. Wer indes zu all dem zu faul ist, der kann dann hinterher auch nicht Fake-News die Schuld geben, wenn es ihn bös auf die Schnauze haut.

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