Kolumne

Wieder unterwegs mit Geschenken

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nachder Bescherung ist vor dem Umtausch. Die Geschäfte, in denen sich in den letzten Adventstagen noch alle gegenseitig auf die Füsse getreten sind, um sich im Gewühl letzte Playstation-Boxen, Zierkissen, Reizwäsche und Feinripphemdenaus den Händen zu reissen und in ­kilometerlangen Schlangen vor den Abteilungskassen zu ­stehen, all diese Geschäfte sind jetzt nach den Feiertagen schon ­wieder voll, weil die Playstation nicht recht läuft, das Zierkissen nicht gefällt, das Bustier zueng und am Hemd schon das Kragenknöpfli abgefallen ist.

Die teuren Geschenke wollen schliesslich amortisiert sein.

Doch auch wer sein Geschenk nicht zurückbringen mag, der nimmt es jetzt mit in die Stadt, um es endlich spazieren zu führen. Das ist auch der Grund, warum Frau M. dieser Tage trotz wärmster Temperaturen mit einer Fair-Pelzmütze durch die Marktgasse schreitet, während der Gatte an ihrer Seite unentwegt auf die neue Smartwatch stiert, von der aus er die neue Familiendrohne zu steuern versucht, welche während des ganzen Spaziergangs über ihnen schwebt, um Ultra-HD-Aufnahmen vom gemeinsamen Flanieren zu machen. Ganz egal, wie schwitzig es unter dem Pelzund wie langweilig der Drohnenfilm sein mag – die teuren Geschenke wollen schliesslich amortisiert sein.

Eher ungewöhnlich war indes der junge Mann, den meine Frau zwischen Weihnachten und Neujahr mit einer Ritteraxt beim Bushäuschen stehen sah. Wenn der in denselben Bus einsteigt, steige ich jedenfalls wieder aus, dachte sich meine Frau. Freilich, seitdem Ritterturniere und Mittelaltermärkte zu beliebten Freizeitevents geworden sind, gibt es wohl nicht nur für samtene Burgfräulein-Mäntel und unbequeme Gaukler-Schnabelschuhe mit Glöcklein dran potenzielle Abnehmer, sondern wohl auch für Hellebarden und Streitäxte.

Trotzdem kann ich nicht auf­hören, mich zu fragen, wo der junge Mann mit seiner Axt am 27. Dezember wohl hinwollte. Zum Messerladen Cozzio,um es schleifen zu lassen, und anschliessend zur Metzgerei ­Gubler zum Ausprobieren? Oder ob er die Streitaxt vielleicht doch lieber umtauschen wollte, gegen ein Samurai-Schwert oder eine Star-Wars-Rüstung? Vielleicht aber hat er auch gar nicht die Axt, sondern eigentlich ebenfalls ein Feinripp­hemd umtauschen wollen und die Waffe nur mit­genommen, damit er dann im Manor nicht so lange anstehen muss. Oder würden etwa Sie nicht auch einem Kundenim ­Laden sofort den Vortritt ­lassen, wenn er in der Schlange hinter ihnen seine Fingernägel an einer Streitaxt zu schneiden begänne? Eben!

(Der Landbote)

Erstellt: 03.01.2018, 09:21 Uhr

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