Landluft

Wild wohnen im Tösstal

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Die Stadt Winterthur wuchert immer weiter ins grüne Tösstal hinaus. In Sennhof schiessen Häuser wie Pilze aus dem Boden. In Zell und Turbenthal gedeihen Bauprojekte noch und nöcher: Nido, Verdeblu oder «Insula» heissen die grössten Überbauungen.

Die Investoren werben aber nicht nur mit klangvollen Namen um neue Wohnungsmieter, ein beliebtes Sujet ist immer auch die unberührte Natur gleich um die Ecke.

Für die Wohnblöcke in Sennhof soll ein Eisvogel die Wildnis verkörpern. Klickt man die Webseite der Nido-Verwalter an, flattert eines dieser prächtigen Geschöpfe über den Bildschirm. Verstärkt wird der Effekt mit dem Spruch: «Ein Nest für die ganze Familie.» Und es stimmt, man kann die Vögel in dieser Gegend beobachten. Sie «wohnen» sogar komfortabel, allerdings nicht in Nestern. Eisvögel graben Höhlen in Steilwände. Dort drin ist es dunkel, eng und feucht. Die grösste Gefahr für die Vögel sind zudem Gewässer. Bei Hochwasser kann es den Tieren den ganzen Hausrat den Bach hinunterspülen. Es erstaunt daher nicht, dass die Werber in der Broschüre lieber auf das Wort «Nest» gesetzt haben.

Auch die Überbauung Insula in Kollbrunn liegt nicht auf einer Insel, sondern zwischen der Töss und einem Fabrikkanal. Spielt aber ohnehin keine Rolle, denn «Insula» ist gleichzeitig die Bezeichnung für mehrgeschossige römische Mietshäuser. Diese wurden entwickelt, als es in Rom immer enger wurde. Wer weiss: Vielleicht ist Insula eine versteckte Anspielung auf den Bauboom im Tösstal? Die geplante direkte Verbindung ab 2018 nach Zürich hat bei Investoren nämlich eine regelrechte Goldgräberstimmung ausgelöst.

Fehlt eigentlich nur noch ein Projekt mit dem Namen Sus scrofa. Die Tiere mit dem klangvollen Namen stehen ebenfalls für unberührte Natur und fühlen sich in den Tösstaler Wäldern sauwohl. Die deutsche Bedeutung ist auch hier nicht so wichtig: Wildschwein. (Landbote)

Erstellt: 25.08.2017, 09:34 Uhr

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