Kolumne

Wildsäue und spanische Artikel

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Wer sich einen Partner fürs Leben sucht, der achtet auf viele Dinge: Gemeinsamkeiten, Sympathie, finanzielle Unabhängigkeit. Das ist bei einer Gemeindefusion nicht anders. Ein Kriterium ist allerdings bisher bei Fusionen stets stark vernachlässigt worden: der Name.

Zwischen zwei Menschen wäre das mittlerweile kaum vorstellbar. Zu viele Studien belegen, dass Namen eine grosse Wirkung haben. So gibt es etwa überdurchschnittlich mehr Menschen mit dem Nachnamen Kaiser in Managementpositionen. Wer Bäcker oder Müller heisst, hat es da etwas schwerer.

Auf die Gemeinden übertragen bedeutet das: Man muss sich auch als Gemeinde positionieren. Der Name soll eine klare Zielgruppe ansprechen, wie Marketingmenschen jeweils zu sagen pflegen. Auch eine Gemeinde muss sich heute im Markt positionieren, für eine klare Sache stehen.

Die Liebe ist stärker als Distanz oder Ethnie. 

Auf der Suche nach dem perfekten Namen sollten solch lästige Kriterien wie «räumliche Nähe» oder «Bezirkszugehörigkeit» einmal aussen vorgelassen werden. Denn Liebe ist stärker als Distanz oder Ethnie. Notfalls wird eine Seilbahn gebaut, damit die Kinder in die Schule gehen können und an der zukünftigen Gemeinde­versammlung wird ein Simultanübersetzer ins Budget aufgenommen.

Beispielsweise könnten sich Wildberg und Elsau nach einer Fusion neu als Wildsau betiteln. Berg am Irchel hätte mit seinem Eber das passende Wappen dazu. Tada: Wildsau am Irchel. Landwirte würden den Ort wohl meiden, Jäger kämen herdenweise.

Elsau scheint aus namenstechnischer Sicht eine «attraktive Braut» zu sein, wie Gemeindepräsidenten gerne metaphorisch vor Fusionen anmerken. So liesse sich das «El» von Elsau als spanischer Artikel verwenden. Etwa für die Gemeinde Dorf im Bezirk Andelfingen. In die neue Gemeinde El Dorf würden wohl viele Spanier ziehen, der lokale Fussballklub würde eines Tages mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Champions League spielen. Oder aber in der Challenge League, wenn sich viele umziehbereite Stadtzürcher an das kultige «El Lokal» erinnert fühlen und in El Dorf sesshaft werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 26.05.2017, 10:10 Uhr

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