Kolumne

Wir sagen prosit Neujahr

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Rumtata und eins, zwei, drei, so geht es beim Walzer im Kreis herum die ganze Nacht ins Neue Jahr hinein. Die Leut’ im Winterthurer Umland lieben den Walzer sicher auch. Leider fehlen ihnen die schönen Ballsäle der Kaiserstadt Wien. Dafür gibt es viele Kreisel. Über sie berichtete diese Zeitung heuer 38 Mal. Das heisst jetzt sind’s schon 39 Mal. Und nun geht es im Kreisel im Kreis rundherum, eins, zwei, drei — doch wo fährt man da wieder raus?

Alten? Altikon? Adlikon? Andelfingen? Die Geografie der Gegend ist entsetzlich kompliziert. Da nützt alles Gemeindefusionieren nix.

Über Kreisel aus der Region berichtete diese Zeitung heuer 38 Mal.

Damit der Wagen wieder aus dem Kreisverkehr hinaus findet, gibt es die grauslige Kreiselkunst. Totem und Tabu, würde der Doktor Freud sagen. Das überdachte Gestrüpp, die geschichteten Holzbretter oder der gebogenen Stahl stammen halt nicht von Schiele, Klimt oder Hundertwasser. Dafür spricht diese Kunst Klartext: «Geh, schleich di!» sagt sie zum Fahrzeuglenker und scheucht ihn stracks nach Wila, Weisslingen oder Seuzach.

An der Gemeindeversammlung dorten geht es auch rund herum. Budget vor und zurück, Steuerfuss rauf und runter und noch die Gebührenverordnung. Jeder tritt aufs Parkett und poltert: «Nein, nein, nein! Diese Kosten schluck ich nicht!» Man hätte es ja schon lieber nett. Aber es sind halt bald Wahlen. Die Gemeinderäte geraten in Schwingung und schwitzen.

Sie rechnen und rechnen und rechnen,bis tief in die Silvesternacht hinein, rechnen noch, als die Ballsäle und Kreisel längst leer sind, das schöne Neujahrsschweinderl auch schon verwurstet, rechnen und fallen sich im noch jungen ’18 ermattet in die Arme: Die Sozialvorsteherin dem Gemeindepräsidenten, der Gemeindeschreiber halt dem Finanzvorstand. Ach du lieber Augustin, alles ist hin.

Und sie tanzen einen Walzer, tanzen nächtens durch die Gemeindeverwaltung zwischen Pulten. Ja, aber bittschön die Herrschaften! A bisserl mehr Schwung, wenn’s sein darf: Und eins, zwei, drei!

(Der Landbote)

Erstellt: 28.12.2017, 18:14 Uhr

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