Kolumne

Zaubern mit Wurstfingern

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Schon als Kind habe ich Zauberer immer bewundert. Im Zirkus waren mir weisse Rössli und zahme Tiger ihrem ganzen Jöö-Faktor zum Trotz immer ziemlich egal. Ich wollte viel lieber jemanden in Frack oder Turban sehen, der Brieftaschen verschwinden und Bälle auftauchen lassen kann.

Seit diesem Sommer hab ich nun selber angefangen, kleine Kartentricks einzuüben, was umso anspruchsvoller ist, als meine wurstigen Finger zwar recht gut zum Tippen von Kolumnen, aber kaum für filigrane Tätigkeiten taugen. Wahrscheinlich haben darum meine Eltern bei mir im Gegensatz zu meinen Brüdern nicht darauf bestanden, dass ich Blockflöte spielen lerne, weil sie schon ahnten, dass ich mir dabei unweigerlich die Finger gebrochen hätte. Und mit solch unterentwickelten Extremitäten ver­suche ich nun, Pik-Buben und Herz-Asse zu behändigen, mit unfreiwillig komischem Effekt.

Selbst wenn David Copperfield mit Ofenhandschuhen zaubern müsste, sähe das wahrscheinlich noch eleganter aus.

Selbst wenn David Copperfield mit Ofenhandschuhen zaubern müsste, sähe das wahrscheinlich noch eleganter aus. Doch gelingt mir ein Zauberkunststück, dann hat die Umständlichkeit meiner Vorführung immerhin den Vorteil, dass der Verblüffungseffekt damit eigentlich grösser ist.

Dass einer, der die Karten in nur einer Hand mischt, auch Karten dorthin zu zaubern vermag, wo sie nicht hingehören, verwundert viel weniger, als wenn das einem wie mir gelingt, der nicht mal mit zwei Händen richtig mischen kann. Wenigstens bin ich fleissig am Üben – im Zug, im Bus oder im Wartehäuschen, was dann zuweilen dazu führt, dass ich meinen Mitreisenden plötzlich und ganz überraschend einige Spielkarten vor die Füsse werfe, was indes nicht als interessanter Einstieg in einen Trick gedacht ist, sondern nur zeigt, dass mir mal wieder die glitschigen Karten aus den plumpen Klauen gerutscht sind.

Es könnte schlimmer sein: In seiner Autobiografie schreibt der berühmte Magier Harry Houdini von einem Schwertschlucker namens William Dempster, der dem Publikum vorführen wollte, dass er auch Küchenmesser schlucken kann, bis ihm ein solches aus den Händen rutschte und tatsächlich im Magen verschwand, was dann dazu führte, dass ihm nur noch in bestimmten körperlichen Stellungen wohl war.

Ein anderer, der Schausteller John Dimming, liess vierzehn Klappmesser in seinem Bauch verschwinden, wo ihm dann eines, das sich beim Fallen wohl aufgeklappt hatte, nicht nur die ganze Show, sondern auch sein Leben zunichtegemacht hat. Ich werd wohl also noch ein wenig bei den Karten bleiben. Wenn die mir abrutschen, ist das zwar maximal peinlich, sterben tu ich davon indes nicht. Ausser vielleicht vor Scham.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.11.2017, 17:03 Uhr

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