Menorca

Auf dieser Insel haben Herr Ballermann und seine Freunde nichts zu suchen

Die Insel Mallorca ist allen ein Begriff, sei es als Badeferien-Destination oder als Partymekka. Weniger bekannt ist ihre Schwesterinsel Menorca. Und das hat auch Vorteile.

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Im letzten Sommer schlugen in Palma de Mallorca die Wellen hoch: «Genug ist genug!», «Die Stadt denen, die sie bewohnen», «Tourist: Hau ab!» skandierten Hunderte von Einheimischen an einer Demonstration in der Hauptstadt der Balearen. Grund für ihre Empörung waren die negativen Begleiterscheinungen der alljährlichen Touristeninvasion, wie steigende Wohnungspreise, verstopfte Strassen, überlastete Abwassersysteme.

Im Unterschied zu ihrer grossen Schwester Mallorca ist Menorca, katalanisch: «die kleinere Insel», (noch) nicht mit diesen Problemen konfrontiert. Dass die zweitgrösste der balearischen Inseln vom schrankenlosen Massentourismus verschont wurde, insbesondere von den damit verbundenen Bausünden, hat auch historische Gründe.

Im spanischen Bürgerkrieg unterstützten die Menorquiner die Republikaner, während die übrigen Balearen auf der Seite der Putschisten um Francisco Franco standen. Der spätere Sieger, dessen faschistisches Regime Spanien über dreissig Jahre lang beherrschte, liess die Abtrünnigen in der Folge nicht am (touristischen) «Aufschwung» teilhaben.

Aus Fehlern gelernt

Ein Segen, muss im Nachhinein festgestellt werden. Ausser wenigen Ausnahmen wurde die Insel von den auf Mallorca und Ibiza anzutreffenden Hotelkästen verschont. Die relativ niedrige Bevölkerungsdichte (90 000 Einwohner auf 700 Quadratkilometern) und die Tatsache, dass die traditionelle Landwirtschaft und das alte Handwerk erhalten blieben, trugen dazu bei, dass Landschaft und Ökosysteme weitgehend intakt blieben.

1993 erklärte die Unesco die gesamte Insel zum Biosphärenreservat. Seither gelten strengste Bauvorschriften, für die Hälfte des Territoriums gar ein striktes Bauverbot. «Wir haben aus den Fehlern der Nachbarn gelernt», ist die immer wieder gehörte, einhellige Losung der Tourismus-und Politikverantwortlichen.

Entsprechend wird auf nachhaltigen, sanften Tourismus gesetzt. Bevorzugtes Zielpublikum sind naturverbundene Gäste, welche Ruhe und Beschaulichkeit zu schätzen wissen. Was aber nicht heisst, dass diese inaktiv bleiben müssen. Die Insel bietet eine ganze Palette von Möglichkeiten.

Die Insel umrunden

Wandern, zum Beispiel. Da ist vor allem der «Camí de Cavalls» zu erwähnen, der historische Weg rund um die gesamte Insel. Zweck des «Pferdepfads» war ursprünglich ein militärischer, diente er doch als Streifenweg für die Überwachung der Küste und verband zwei Dutzend Wachtürme, von denen noch einige erhalten sind.

Inzwischen als 185 Kilometer langer Weitwanderweg eingerichtet, lassen sich darauf die verschiedensten Landschaften erwandern und erkunden, sei es in Abschnitten oder – in sieben bis zehn Tagen – in seiner Gesamtheit.

Der gut markierte Weg bietet keine grösseren Schwierigkeiten. Insbesondere sind keine nennenswerte Höhenunterschiede zu bewältigen (El Toro, Menorcas höchster «Berg» im Zentrum der Insel, ist ganze 358 Meter hoch …).Weil der Weg zu grossen Teilen durch Naturschutzgebiete führt, ist das Zelten verboten und gibt es auch sonst oft keine Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe der Route.

Hier werden die kurzen Distanzen auf der Insel zum Vorteil: Man lässt sich problemlos am Morgen zum Wanderungsstart fahren und am Abend am Etappenziel abholen. Die meisten Hotels und Pensionen bieten einen solchen Service an.

Auch historisch oder kulturell interessierte Besucherinnen und Besucher kommen auf ihre Rechnung. Menorca blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Aus der Zeit der Talayot-Kultur um 1500 v. Chr. stammen Dutzende der charakteristischen Steintürmen, von Grabstätten und anderen urzeitlichen Monumente, die sich auch besichtigen lassen.

Gin statt vino tinto

Im Laufe der Jahrhunderte war die Insel zudem wegen ihrer strategischen Lage im westlichen Mittelmeer sehr umkämpft. Objekt der militärischen Begierde war insbesondere der über fünf Kilometer lange Naturhafen im Osten, an dem die heutige Hauptstadt Maó (spanisch: Mahón) liegt.

Römer, Araber, Türken, Briten und Franzosen lösten sich als Besatzer ab. Alle hinterliessen sie Spuren. So die Engländer, deren Einfluss vor allem am Erscheinungsbild der Altstadt-Häuser aus dem 18. Jahrhundert in Maó abzulesen ist.

Ein weiteres Vermächtnis der hundertjährigen britischen Herrschaft, bevor die Spanier die Hoheitsgewalt zurückerhielten, ist der Gin. Anders als ihre Landsleute im übrigen Spanien Wein, trinken die Menorquiner häufig den Wachholderschnaps, der auch auf der Insel destilliert wird.

Prunvolle Paläste in Ciutadella Sehenswert – und dank ihrer malerischen Gassen und prunkvollen Palästen mit noch mehr Charme als die Hauptstadt – ist Ciutadella am 50 Kilometer entfernten, westlichen Ende der Insel. Mit knapp 30 000 Einwohnern ist sie die zweitgrösste Stadt des Landes.

Schliesslich die Badestrände. Gemäss Werbung hat Menorca von diesen «mehr als Mallorca und Ibiza zusammen» zu bieten. Wie dem auch sei: Besonders reizvoll sind die vielen Kleinbuchten, die oft nur zu Fuss zu erreichen sind. In der Hoch­saison sind die populärsten Strände allerdings mit Sonnenhungrigen vollbesetzt und auch auf den versteckteren ist man selten allein.

Seit ein paar Jahren ist zudem eine deutliche Zunahme zu verzeichnen: Infolge der politischen Wirren in Nordafrika oder der Türkei, weichen viele Touristen auf «sicherere» Destinationen aus. Das gilt auch für das vorläufig noch beschauliche Menorca. Dass die Insel es auch bleibt, ist ihrer Bevölkerung – und im Endeffekt auch uns Besuchern – zu wünschen.


Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Rhomberg Reisen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 16.11.2017, 14:33 Uhr

Infobox

Für Wanderferien ist die Zeit zwischen Anfang März und Mitte Juni am empfehlenswertesten. Im Frühjahr ist die Insel noch grün, die Flora am reichsten und die Temperaturen (16 bis 25 Grad) am angenehmsten. Sehr zu empfehlen ist der ausgezeichnete, komplette Wanderführer «Der Camí de Cavalls – rund um Menorca in zehn Tagen» von Sergi Lara (ISBN 978-84-8478-507-1 / www.triangle.cat)

Für Badefreudige sind naturgemäss die Sommermonate am geeignetsten. Badestrände gibt es unzählige, meist in kleineren, idyllischen Buchte. Allerdings lohnt es sich, bis in den Spätsommer zuzuwarten, wenn dort weniger Andrang herrscht. Noch im Oktober beträgt die Wassertemperatur im langjährigen Durchschnitt über 22 Grad.

Die Anreise nach Menorca erfolgt am einfachsten mit dem Flugzeug. Der auf Inselferien spezialisierte österreichische Reiseveranstalter «Rhomberg Reisen» bietet in der Saison ab Altenrhein, Zürich und Bern wöchentliche Direktflüge nach Maó an. Über den gleichen Anbieter lassen sich sowohl Unterkünfte in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen wie auch geführte Wanderreisen buchen.jpg
www.rhomberg-reisen.ch, www.menorca-reisetipps.com

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