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Aussen unspektakulär, innen voller Überraschungen

Was beim Umbau eines alten Bauernhauses herausgeholt werden kann, zeigt unser Beispiel: Obwohl möglichst viel alte Substanz erhalten wurde, wirkt das Haus im Inneren hell und modern.

Das ehemalige Tenn wurde zum einladenden Hauptportal des Hauses ...
Das ehemalige Tenn wurde zum einladenden Hauptportal des Hauses ...
Heinz Diener
... das auch gartenseitig, als Loggia ausgestaltet, einladend wirkt.
... das auch gartenseitig, als Loggia ausgestaltet, einladend wirkt.
Heinz Diener
Ein Paradies für Kinder: In der Scheune steht massenhaft Platz zum Spielen zur Verfügung – auch bei Schlechtwetter.
Ein Paradies für Kinder: In der Scheune steht massenhaft Platz zum Spielen zur Verfügung – auch bei Schlechtwetter.
Heinz Diener
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Das dreiteilige Bauernhaus im alten Dorfkern von Neftenbach stammt aus den 1860er-Jahren. Damals stand es allerdings noch am südlichen Dorfrand und unmittelbar daran schloss ein grosser «Bungert» (Baumgarten) an. 2009 gelangte das Gebäude zum Verkauf. «Wir verliebten uns bei einer Besichtigung sofort in das Haus», erzählen die neuen Besitzer, ein Ehepaar mit drei Kindern. Den Kaufentscheid habe es «innert zehn Minuten gemeinsam gefällt».

Ein mutiger Entscheid

Danach liess es das Objekt von einem Fachmann zwar noch auf grössere Mängel hin prüfen, trotzdem finden sie ihre spontane Entscheidung heute «ziemlich mutig»: «Wenn wir länger studiert hätten, hätten wir es wohl nicht gekauft», sagen sie. «Zum Glück ist alles gut herausgekommen!» Mitverantwortlich dafür ist der Winterthurer Architekt Hannes Moos, auf den das Paar durch einen anderen, gelungenen Umbau in Neftenbach aufmerksam wurde.

Da die vorhandenen Pläne jedoch nicht genau genug waren, nahm Moos zunächst alle Masse des Objekts neu auf. «Das ermöglichte mir zugleich eine vertiefte Annäherung an das Objekt», sagt er. «Danach beschäftigten wir uns mit dem Raumprogramm. Die zentrale Frage dabei lautete: Was muss das Haus können?»

Ein Umbau in verschiedenen Etappen

Die klassische Gliederung des Gebäudes in Wohnteil, Stall/Tenn und Scheune machten sich Eigentümer und Architekt beim Umbau zunutze: «Wir haben von Anfang an drei Bauetappen projektiert», erklärt Moos. «Zunächst wurden Keller, Erd- und erstes Obergeschoss des Wohnhauses umgebaut, danach Tenn, Stall, Scheune und schliesslich kam das Dach- bzw. das neue zweite Obergeschoss des Wohnteils dran.»

Der Planungs- und Bauprozess erstreckte sich dadurch zwar von 2009 bis 2014, doch das störte die Familie nicht: So bezog sie den Wohnteil bereits nach Abschluss der ersten Etappe, Ende 2011, während ringsum noch weiter gebaut wurde. Wichtiger war ihr, die Mietkosten eines anderen Wohnobjektes einsparen zu können; die Immissionen durch den Baubetrieb seien minim gewesen: «Es war ja alles so geplant, dass es sich im Rahmen hielt», sagen die Besitzer.

Wohnen in Weinkeller und Räucherkammer

In Neftenbach wurde traditionell Rebbau betrieben. Darauf war auch der Keller ausgerichtet: Eine Treppe führte von der Küche schnurgerade hinunter, damit man Traubengut, Fässer und Geräte leicht dorthin (oder wieder herauf) schaffen konnte. Um Platz zu gewinnen, wurde diese Erschliessung von der Küche neu ins Entree verlegt, wo sie nun von einer verspiegelten Wand kaschiert wird. Diese vergrössert zugleich den Vorraum mit seinen schönen Riegeln.

Unten blieb das alte Bollenstein-Mauerwerk erhalten, der Tonplattenboden hingegen wurde erneuert. Nun ist der Raum fast zu schön, um dort nur Flaschen zu lagern. Deshalb nutzen ihn die Besitzer auch als stimmungsvolles Weinstübli, in dem man an einem grossen Tisch im tiefen Keller in gemütlicher Runde zusammen sitzen kann.

Wenige, dafür aber raffinierte Eingriffe

Zu einem richtigen Bauernhaus gehörte früher auch eine Räucherkammer, die als Haus im Haus im Dachgeschoss untergebracht war. Sie wurde zwar abgebrochen, ist aber als Zitat in Form eines Badehauses – einem Badezimmer für das dort entstandene zweite Wohngeschoss - wieder erstellt worden. (Und die schöne Holztür der Räucherkammer erhielt als Kastentüre im Tenn ein zweites Leben...)

Das Re- oder besser Upcycling von alten Baumaterialien zieht sich wie ein roter Faden durchs ganze Haus. «Weil hier viel gute Substanz vorhanden war, wollten wir auch möglichst viel davon erhalten, wiederverwerten, sichtbar machen», sagt Hannes Moos. So fand eine historische Bohlenwand nun als Decke im Tenn Verwendung und die Treppenstufen ins zweite Obergeschoss wurde aus vor Ort vorgefundenem, altem Massivholz angefertigt.

Wie bei einem alten Bauernhaus nicht anders zu erwarten, sind die Raumhöhen im ganzen Haus eher gering. Bedrückend aber wirkt es nirgends, schon gar nicht im Erdgeschoss, wo ein einziger grosser Wohn-Essraum mit angrenzender, teilweise offener Küche entstanden ist.

Grosszügig dank offener Lösung mit Galerie

Die Grosszügigkeit wird dadurch verstärkt, dass die Decke im östlichen Drittel des Raumes zu Gunsten einer über zwei Geschosse offenen Lösung mit Galerie geopfert wurde. Von einem Opfer kann aber keine Rede sein – der Gewinn puncto Raumgefühl ist enorm. Und weil der Boden der Galerie zudem an der Dachkonstruktion aufgehängt (statt von unten durch tragende Balken gestützt) wurde, konnte darunter noch mehr Raumhöhe gewonnen werden.

«Natürlich haben wir durch verschiedene, unsichtbare Massnahmen auch die Statik des Hauses verbessert», sagt Moos. «Aber abgesehen von der neuen Erschliessung via Tenn und vom verlegten Kellerabgang haben wir uns am Bestehenden orientiert.» Verschwunden ist einzig der raumgreifende Kachelofen in der Stube.

«Da mussten wir Befindlichkeits- und Gestaltungsfragen gegeneinander abwägen», räumt der Bauherr ein. «Ein Schwedenofen erfüllt unser Feuerbedürfnis nun platzsparender und effizienter.» Dazu habe es auch keinerlei Einwände von der Denkmalpflege gegeben, da solche typischen Kachelöfen zahlreich erhalten sind.

Im Dialog mit den Amtsstellen

Wie gestaltete sich denn die Zusammenarbeit mit Ämtern und Institutionen generell? «In der Kernzone, in der das Haus steht, gibt es den Ortsbildschutz, der nur die äussere Erscheinung des Baus betrifft – und die haben wir ja weitgehend beibehalten», sagt Moos. «Im Inneren war nichts speziell geschützt.» So hätten einzig der Ersatz des alten Scheunentors und die Gestaltung der Dachgauben «ein wenig zu diskutieren gegeben», doch während im ersten Fall historische Belege zum Konsens führten, konnte man sich im zweiten Fall auf einen zurückhaltenden, schlichten Gaubentyp einigen.

Auch wurde versucht, das Energiegesetz überall bestmöglich einzuhalten, was bei der alten Bausubstanz nicht immer einfach war. «Durch beiderseitige Kompromissbereitschaft konnten wir aber einen guten gemeinsamen Nenner mit den bewilligenden Behörden finden», sagt der Architekt. Nun wird das Gebäude mit einer Wärmepumpe und Radiatoren beheizt – eine Bodenheizung war wegen der beschränkten Raumhöhen kein Thema.

Garten und Scheune – ein Paradies für Kinder

Zum Haus gehören auch Aussenräume: Unmittelbar an die Südfassade schliesst eine grosse Holzterrasse an, im Garten gibt es zusätzlich eine schattige Pergola. Die Grundstücksfläche beträgt 883 Quadratmeter; an ihrer etwas verwinkelten Form stören sich die Besitzer nicht – und die Hofplatzsituation auf der Nordseite finden sie sogar ausgesprochen toll. Auch wegen der Kinder, für die es hier ein Paradies sei: «Ums Haus herum können sie spielen – oder bei schlechtem Wetter in Stall und Scheune», sagt die Hausherrin.

«Und das Tenn, das heute der Haupteingang ist, dient als grosse Schmutzschleuse...» Auch von der Gestaltung des neuen Heims ist sie begeistert: «Durch das viele Holz ist es zwar sehr heimelig», sagt sie, «durch die Farben und Materialien der Innenraumgestaltung wirkt es zugleich aber auch modern.»

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