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Beim Durstlöschen neue Geschmackswelten entdecken

Beat Müller experimentiert in seiner Mükon Brauerei in Eschlikon TG gerne mit verschiedensten Inhaltsstoffen. Das führt zu ungewohnten Craft-Bieren, die völlig neue Geschmackswelten eröffnen – und den Durst ebenfalls wunderbar löschen.

Beat Müller leert nach dem ersten Sud am Sonntagmorgen seinen Braukessel.
Beat Müller leert nach dem ersten Sud am Sonntagmorgen seinen Braukessel.
Heinz Diener
Was übrigbleibt, der sogenannte Biertreber, ist nicht einfach «Abfall» ...
Was übrigbleibt, der sogenannte Biertreber, ist nicht einfach «Abfall» ...
Heinz Diener
Idyllisch: Die Mükon-Brauerei versteckt sich in diesem ehemaligen Waschhäuschen.
Idyllisch: Die Mükon-Brauerei versteckt sich in diesem ehemaligen Waschhäuschen.
Heinz Diener
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Eschlikon TG ist im Umbruch: Mitten im Dorf klaffen an der Hauptstrasse riesige Baugruben – eine grosse Wohnüberbauung soll hier entstehen. Doch unweit davon hat sich auch noch die bauerndörfliche Idylle erhalten: Im Garten eines alten Doppel-Bauernhauses an der Ziegeleistrasse gackern Hühner; im romantisch angejahrten Waschhäuschen daneben hat sich Beat Müller einen Traum erfüllt und seine Kleinbrauerei Mükon eingerichtet. Es gehört zur Haushälfte, die er seit 2013 gemeinsam mit seiner Familie bewohnt.

Dass Müller kein alteingesessener Eschliker ist, hört man auch seinem Basellandschäftler-Dialekt an: «Nach einer ausgedehnten Weltreise fand ich hier eine neue Stelle und zog in der Region», erzählt der gelernte Maschineningenieur.

Seine «Bieridee» jedoch hat er mitgebracht: «Bier hat mich schon in jungen Jahren interessiert und fasziniert», sagt er. «Die ersten Brauversuche habe ich aber nicht zuhause in der Küche sondern gemeinsam mit Kollegen gemacht.»

Rasches Wachstum führt zur Zertifizierung

Schon bald nach dem Einzug begann er im Waschhäuschen mit einem 20-Liter-Sudkessel brauen. Doch das «reichte nirgends hin» und er stellte bald auf eine 50-Liter-Anlage um.

Als seine Biere im Bekanntenkreis immer mehr Anklang fanden und eine Kollegin sie ins Angebot ihres Cafés aufnehmen wollte, war klar, dass schon wieder ein Ausbauschritt fällig wurde. «Zudem ritzten wir langsam die Grenze von 400 Litern pro Jahr, die man als Privatperson brauen darf», sagt er. «Also meldete ich unsere Brauerei bei der Eidgenössischen Zollverwaltung offiziell an und erhielt die Registernummer 783.»

Doch wenn aus dem Hobby-Betrieb schon eine professionelle Brauerei werden sollte, dann gleich richtig: In den Weihnachtsferien 2015 wurde das Waschhäuschen mit Strom erschlossen und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben umgebaut; nun sind Wände und Boden hygienegerecht gekachelt. Auch wurde die Brauanlage auf 100 Liter vergrössert und mit Lagertanks erweitert. Seit Frühjahr 2016 ist Mükon nun eine richtige, zertifizierte, offiziell zugelassene Brauerei.

Und sie hat auch eine klare Sortimentsstrategie. «Jede Grossbrauerei hat mindestens ein helles, ein dunkles und ein Weizenbier im Sortiment», sagt Beat Müller. Das habe er auch – aber eben in spezieller Form: Bei ihm ist das Helle ein Maisbier, das Dunkle ein IPA (India Pale Ale) und das Weizen eines, das mit Citra-Hopfen gewürzt wird. Der verleiht ihm nicht die typischen Gewürz-Aromatiken, sondern zitronig-fruchtige Geschmacks-Noten.

Exotische Craftbiere sind im Trend

Es ist Sonntag – und damit bei Beat Müller Brautag!.Dafür hat er sich bereits um fünf Uhr in der Früh aus dem Bett gewälzt, brauen will er einige saisonale Spezialbiere: Eines mit Rosmarin und Salz, eines mit Chili und Honig, eines mit Cassis, eines mit Holunder und Pfefferminz. Das hört sich zunächst ungewohnt, ja geradezu exotisch, an. Dabei sind das Holunder- und das Chili-Bier sind keine echten Novitäten: Beide hat er schon letztes Jahr mit Erfolg lanciert.

Bei aller Exotik verlässt Müller die konventionellen Bierpfade keineswegs – zumindest nicht jene, die sich seit dem Craft-Beer-Boom eröffnen und die inzwischen viel Anklang finden: «Das Cassisbier ist eigentlich ein NEIPA, also ein New England IPA (India Pale Ale), und die sind im Moment ja voll im Trend», sagt Müller.

Während IPAs in der Regel stark gehopfte und entsprechend bitter-aromatische Biere sind, ist die neue, nordamerikanische Variante dagegen trüb und nicht ganz so bitter, da der Hopfen später zugesetzt wird. Oft wird auch mit Fruchtzusatz experimentiert. Bei Müller ist das Cassis und sein NEIPA wird bläulich-dunkel, fruchtig-hopfig und trüb daherkommen.

Experimentieren mit alten Biersorten

Auch das Rosmarin-Salz-Bier ist keine Neuerfindung, sondern eine Neuinterpretation der Gose. Dieser säuerliche Biertyp wird in der Gegend von Leipzig schon lange gebraut; bereits 1332 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Während das Original mit Koriander gewürzt ist, probiert es Müller mal mit Rosmarin.

Auf seine Ideen kommt er übrigens im Internet: «Da kann man sich über neue Trends informieren und manchmal reizt es mich, gewisse Biersorten einmal selbst zu brauen, meine Vorstellungen davon umzusetzen», erklärt er. «Ich experimentiere gerne und nehme dabei auch in Kauf, dass mal was in die Hosen geht...»

Nun wäre nur noch zu klären, was der Markenname «Mükon» bedeutet: «Er setzt sich zusammen aus Teilen meines Namens und des Brauorts», erklärt Müller und räumt ein, dass er das öfters gefragt werde. «Gut so! Es soll ja ein bisschen mystisch und nicht allzu offensichtlich sein!» Ebenfalls nur vage angedeutet ist auf der Etikette das Wappen von Eschlikon, ein Lindenblütenzweig. Vielleicht wäre ein Lindenblüten-Bier auch mal einen Versuch wert?

Grosses Ziel: Eine Familien-Brauerei

Beat Müller betreibt seine Brauerei zwar mit Spass, aber er will durchaus auch etwas aufbauen: Nachdem Mükon Bier 2016 bereits respektable 28 Hektoliter produziert hat, werden die Müllers (seine Frau Delila hilft beim Abfüllen bzw. Etikettieren und kümmert sich um Marketing, Werbung, Büro, Auslieferung) den Ausstoss dieses Jahr verdoppeln. Das kommt ihrem grossen Ziel entgegen: Müller überlegt sich nämlich, sein berufliches Vollzeitpensum zugunsten des Brauens und der Familie etwas zu reduzieren.

«Ziel ist es, mehr zuhause und bei den Kindern zu sein», sagt er. «Das lässt sich mit dem Brauen gut verbinden.» Sein Arbeitgeber hätte nichts dagegen – und seine Frau sowieso nicht: «Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Er kann mehr brauen, die Kinder haben mehr von ihrem Papi – und er von ihnen, solange sie noch klein sind», sagt sie. «Ausserdem finde ich es auch schön, mich mal nicht um sie kümmern zu müssen...»

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