Interview

Das Material Holz ist im Wohnbereich unschlagbar

Das Bauen mit Holz hat im Vorarlberg Tradition. Der Architekt Daniel Sauter ist für seine modernen Einfamilienhäuser bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Daniel Sauter in seinem Büro in Bregenz.

Daniel Sauter in seinem Büro in Bregenz. Bild: Enzo Lopardo

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Wenn man Ihren Namen googelt, findet man viel über Ihre Häuser, aber wenig über Sie. Warum das?

Daniel Sauter*: Weil die Häuser im Vordergrund stehen und nicht ich. Es geht um die Arbeit und die Architektur. Ausserdem gebe ich selten Interviews. Das ist bewusst so. Ich mache die Arbeit gerne, um die Publicity kümmert sich meist ein Kollege im Büro.
Sie haben zwei handwerkliche Berufe gelernt, Konditor und Tischler, bevor sie Architektur studierten: Wie sind Sie zur Architektur gekommen?
Das war ein ganz rationaler und wirtschaftlicher Entscheid. Nach der Ausbildung hatte ich die Wahl: eine Schreinerei zu übernehmen oder ein Architekturbüro zu gründen. Da es mit der Schreinerei nicht klappte, entschied ich mich für die Architektur und habe es nie bereut.

Und hängten noch ein Architektur-Studium an.
Genau, an der Kunsthochschule von Max Bill, in Biberach bei Ulm.

Sie arbeiten auch heute noch viel mit Holz. Die meisten Ihrer Häuser haben einen Baukörper aus Holz.
Ja, der Grossteil. Hin und wieder wünscht eine Bauherrschaft ein Haus im Massivbau. Das lehnen wir nicht grundsätzlich ab. Die Liebe zum Holz war aber schon immer in mir und ist nach wie vor da. In unserer Region ist das Material Holz für den Wohnbereich unschlagbar.

Dieses Haus am Hang von Bregenz wurde von Daniel Sauter, k_m architektur, geplant und realisiert. Bild: Enzo Lopardo

Welches Holz verwenden Sie?
Ich verarbeite gerne regionales Holz. Wenn aber eine Bauherrschaft anderes Holz wünscht, sprechen wir das durch. Die Bauherrschaften haben einen grossen Anteil an der Planung. Wir sind gestalterisch da, um ihre Ideen in ein vernünftiges Kleid zu bringen.

Die erste Idee kommt oft, wenn man auf dem Grundstück steht.Daniel Sauter

Wie entwerfen Sie ein Gebäude?
Die erste Idee kommt oft, wenn man auf dem Grundstück steht. Manchmal passt sie und man kommt zügig zum Entwurf. Aber es gibt auch Projekte, da muss man nach zwei Wochen wieder von vorne zu planen beginnen.

Gibt es Grundstücke, die nicht funktionieren?
Es gibt eigentlich immer eine Idee, die funktioniert. Aber es sind auch viele konstruktive Diskussionen mit der Bauherrschaft nötig. Oft machen wir zwei Entwürfe. Beim ersten realisieren wir die Vorstellungen der Bauherrschaft, beim zweiten lösen wir uns vollständig davon und präsentieren unsere Lösung, so wie wir bauen würden. In den meisten Fällen können wir dann unseren Vorschlag realisieren. Weil wir die Fachkenntnis und Erfahrung haben. Für die Planung eines Holzbau braucht es ein völlig anderes Know-how wie für einen Massivbau.

Das heisst?
Im Holzbau ist es zum Beispiel wichtig, dass die Glasflächen bei Sonne verschattet sind. Sind sie das nicht, entsteht ein unangenehmes Wohnklima.

Viele Ihrer Häuser haben im Wohnraum einen Kamin als Raumteiler. Welche Bedeutung hat das Feuer für Sie?
Es gehört zum Material Holz dazu und gibt eine schöne Wärme. Feuer beruhigt. Der Kamin ist aber auch ein Ruhepol, wenn man nach Hause kommt.

Architekt, ist das für Sie ein Beruf oder eine Berufung?
Es ist ein Beruf, vielfach eine Berufung, aber man kann die Berufung nicht immer so ausleben, wie man gerne möchte.

Für mich stehen Gestaltung und Funktionalität auf einer Ebene.Daniel Sauter

Wenn Sie für einen Bauherren ein Haus projektieren, worauf würden Sie nie verzichten?
Es gibt immer wieder Details, die gestalterisch vielleicht einen hohen Wert hätten. Wenn die Funktionalität darunter leidet, dann macht das aber keinen Sinn. Für mich stehen Gestaltung und Funktionalität auf einer Ebene.

Was möchten Sie als Architekt unbedingt noch erreichen?
Ich würde gerne noch eine Kirche bauen. Obwohl es mir viel Freude macht, Einfamilienhäuser zu planen und zu realisieren. Dabei entsteht oft ein enger Bezug zu den Bauherren, woraus sich auch langjährige Freundschaften entwickeln.

* Daniel Sauter ist Inhaber des Architekturbüros k_m architektur, mit Sitz in Bregenz, Österreich, und in Balgach, Schweiz. Der 53-jährige wurde seit 1995 mit seinen Projekten, meist Einfamilienhäusern, fast jedes Jahr ausgezeichnet. So erhielt er mehrmals den Vorarlberger Holzbaupreis und den Österreichischen Holzbaupreis. Ausserdem werden seine Häuser regelmässig in Fachzeitschriften und -büchern porträtiert. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 20.12.2017, 16:33 Uhr

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