Ein Thek muss mehr als schön sein

Der Kauf des ersten Schultheks ist für viele Kinder ein wichtiger Moment: Bald werden sie Erstklässler sein! Bei der Auswahl sollte man allerdings nicht nur aufs Aussehen achten.

Beim Kauf des Schultheks sollte man auf einen hohen Tragekomfort achten. Durch verstellbare Schultergurte und Spannriemen kann dieser an den wachsenden Körper des Kindes angepasst werden. Ein Bauchgurt überträgt das Gewicht des Theks auf das Becken.

Beim Kauf des Schultheks sollte man auf einen hohen Tragekomfort achten. Durch verstellbare Schultergurte und Spannriemen kann dieser an den wachsenden Körper des Kindes angepasst werden. Ein Bauchgurt überträgt das Gewicht des Theks auf das Becken. Bild: Madeleine Schoder

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Der erste Schultag für jetzige Zweitkindergärtler ist zwar noch weit weg – das Schuljahr beginnt erst Mitte August. Doch die Saison des Thekkaufs hat längst begonnen: Viele Eltern oder Göttis kaufen den neuen täglichen Schulbegleiter schon vor Ostern. Der Thek will gut ausgesucht sein, schliesslich kostet er ein kleines Vermögen und soll ein paar Jahre halten.

Eines vorweg: dass prall gefüllte Schultheks Kinderrücken verbiegen, ist ein Mythos. Eine Studie der Universität Saarbrücken mit 60 Schulkindern kam 2008 zum Schluss, dass selbst ein Thek, der mehr als ein Drittel des Körpergewichts ausmacht, die gesunde kindliche Wirbelsäule nicht schädigt. Im Gegenteil: Ein schwerer Schulthek könne die Rumpfmuskulatur der Kinder trainieren, schreiben die Forscher.

Überholte Gewichtsnorm

Sogar in der DIN-Norm 58124 für Schulranzen wird empfohlen, dass ein gefüllter Thek nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichtes wiegen sollte. Diese Empfehlung werde seit vielen Jahren ungeprüft verbreitet, kritisieren die deutschen Forscher. Der Wert stamme aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und habe sich ursprünglich auf das Gewicht der Tornister von Rekruten bezogen, die auf über 20-Kilometer lange Märsche gehen mussten.

Das Gewicht des Theks ist also grundsätzlich kein Problem, doch unnötige Belastungen auf die Wirbelsäule durch eine falsche Passform oder falsches Tragen können sehr wohl Rückenschmerzen hervorrufen. Deshalb sollte beim Kauf auf einen guten Tragekomfort geachtet werden. Schliesslich wird das Kind seinen Schulthek über mehrere Jahre fast täglich herumtragen.

Der Schulärztliche Dienst der Stadt Zürich empfiehlt auf einem Infoblatt, dass Kinder beim Thek-Kauf dabei sein und zur Probe mit dem Thek ihrer Wahl herumhüpfen und -rennen sollten. Dabei sollte der Thek weder am Kopf noch auf dem Becken aufschlagen. «Auch Absitzen sollte möglich sein, ohne dass der Schulthek die Bewegungsfreiheit des Kopfes einschränkt», schreibt die Physiotherapeutin Daniela Rota vom Verein Kinder hoch3, der sich für die Prävention von Haltungsschäden einsetzt.

Reflektoren für die Sicherheit

Wichtig ist, dass der Schulranzen nah am Rücken getragen wird. Dies erreicht man durch verstellbare Schultergurte und Spannriemen, mit denen der Thek jederzeit individuell an das Kind angepasst werden kann. Die Schultergurte sollten zudem gepolstert und mindestens vier Zentimeter breit sein. So wird das Gewicht des Theks flächig auf die Schultern verteilt. Ein Brustgurt verhindert das Abrutschen der Schultergurte. Ideal ist zudem ein Bauchgurt, der später das in der Mittelstufe zunehmende Gewicht des Schultheks auf das Becken überträgt. Die Oberkante des Ranzens sollte sich auf Höhe der Schultern befinden. Schulkinder tragen keinen Leuchtbändel mehr – Reflektoren am Schulthek erhöhen die Sichtbarkeit und damit auch die Sicherheit des Kindes auf dem Schulweg.

Später im Schulalltag sollten die Eltern darauf achten, dass das Kind den Thek jeden Tag neu packt und Unbenötigtes zu Hause oder in der Schule lässt. Den Thek packt man richtig, indem man Schweres in den körpernahen Fächern verstaut. Neben dem Thek müssen Schulkinder ein weiteres Gepäckstück zur Schule tragen: Den Turnsack. Dieser sollte nicht am Thek befestigt werden, sondern im Thek verstaut werden, empfiehlt Physiotherapeutin Daniela Rota. Da sich das Kind im Wachstum befindet, sollten die Eltern die Einstellung der Traggurte regelmässig überprüfen und anpassen.

Früher sind die Kinder mit einer Ledertasche zur Schule gegangen. 1975 kam der erste richtige Schulthek auf den Markt und löste die Lederschultasche rasch ab. Inzwischen sind die Theks von der usprünglichen Kastenform weggekommen. Moderne Schulranzen haben eine rucksackähnliche Form mit gepolstertem Rücken und Schultergurten. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.03.2017, 16:09 Uhr

Nachgefragt

«Neutrale Theks sind im Trend»

Wie viele Thek-Modelle führen Sie im Sortiment?
Thomas Huber: Wir haben 17 Modelle in über 60 verschiedenen Motiven und Farben.

Hier im Laden gibt es kaum kitschige Theks mit Prinzessin-Lillifee-Motiv oder Walt-Disney-Figuren.
Die gibt es zwar noch, doch wir führen sie nicht. Der Trend geht in eine andere Richtung.

Was ist zur Zeit in Mode?
In den letzten fünf Jahren haben sich die Modelle der Marke Ergobag durchgesetzt, die verkaufen wir weitaus am meisten.

Warum?
Wegen des Konzepts: Die Theks sind neutral gehalten, dazu gibt es sogenannte Kletties, das sind Motive, die per Klettverschluss angemacht sind und die man auswechseln kann. Verleiden einem Kind die Dinos am Schulranzen, ist das kein Problem, dann bestellt es einfach Piraten oder Katzen. Man kann sogar mit Fotos oder Zeichnungen seine eigenen Kletties gestalten und bestellen. Überzeugend beim Ergobag ist auch die Ergonomie: Der Rucksack hat einen Brust- und einen Hüftgurt, Spannriemen für den Schultergurt und das Rückenteil ist je nach Körpergrösse verstellbar. Zudem sind die Ergobags ein Recycling-Produkt: Sie bestehen zu 100 Prozent aus alten PET-Flaschen.

Wen müssen Sie jeweils mehr von einem Thek überzeugen, die Kinder oder die Eltern?
Wir müssen eigentlich gar niemanden überzeugen. Die meisten Eltern lassen ihre Kinder entscheiden. Fast alle Mamis und Papis fragen aber ihr Kind: «Bist du dir sicher, dass dir der Thek bis in die 6. Klasse gefallen wird?»

Gibt es keinen Streit zwischen Eltern und Kindern, was wichtiger ist: Der aufgedruckte Delfin oder dass der Thek bequem ist?
Klar, die Kinder interessiert, ob der Thek gut aussieht, die Eltern holt man eher mit der Ergonomie ab. Doch bei uns sind sowieso alle Theks ergonomisch geformt.

Die heutigen Theks sehen aus wie Hightech-Trekking-Rucksäcke. Wieso gibt es keine Fell- und Ledertheks mehr?
Die gibt es noch, wir verkaufen jedes Jahr zwei bis drei von ihnen. Sie werden allerdings nicht mehr hergestellt. Ist der Vorrat aufgebraucht, sind sie nicht mehr lieferbar. Dass es keine Ledertheks mehr gibt, liegt einerseits daran, dass sie nicht ergonomisch sind, andererseits am heutigen Perfektionismus: Ein Fell ist nie perfekt. Aber wer weiss, vielleicht übernimmt in Zukunft ein neuer Nischenanbieter die Produktion der traditionellen Theks.

Für einen guten Schulthek inklusive Sportsack und zwei Etuis muss man rund 250 Franken ausgeben. Wie lange hält so ein Thek?
Ein Thek muss theoretisch bis in die 6. Klasse halten. In der Regel ist es aber nicht das Material, das einem Thek ein Ende setzt, sondern die Mode. Gemäss unserer Erfahrung wechseln die Kinder ab Ende der 4., spätestens Ende der 5. Klasse zu einem Rucksack.

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