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Hören – das Gehirn vergisst schnell

Wer nicht gut hört, verlernt die Höreindrückeim Gehirn zu verarbeiten. Allerdings haben noch immer viele Menschen, deren Gehör geschädigt ist, kein Hörgerät.

Edith Trottmann leidet seit dem Schulalter an einer zunehmenden Schwerhörigkeit. Heute ist sie Co-Präsidentin des Vereins Pro Audito.
Edith Trottmann leidet seit dem Schulalter an einer zunehmenden Schwerhörigkeit. Heute ist sie Co-Präsidentin des Vereins Pro Audito.
Madeleine Schoder

Edith Trottmann (76) leidet seit dem Schulalter an einer beid­seitigen stetig zunehmenden Schwerhörigkeit. «Ich konnte und kann auch heute Personen schlecht oder überhaupt nicht verstehen, wenn sie flüstern, leise oder von mir abgewandt sprechen», berichtet sie. Sie benötige Sichtkontakt zu den sprechenden Personen und habe Probleme, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen und ein lauter Umgebungslärm herrscht.

Im Alter von 24 Jahren wurde bei ihr beim rechten Ohr das Trommelfell ersetzt (Tympanoplastik), ab 45 Jahren benötigte sie beidseitig ein Hörgerät. «Um mein Gehirn und das Hörverständnis zu trainieren, besuche ich regelmässig die von Pro Audito Winterthur angebotenen Kurse. Das heisst den Verständigungskurs mit Lippenlesen sowie ein Gedächtnis- und Hörtraining», sagt Edith Trottmann. Hören und Verstehen sei für sie eine Kombination von Zuhören, Lippenlesen und Kombinieren, was das Wort oder der Satz heissen könnte. «Wer nicht mehr gut hört, zieht sich vielfach in die Isolation zurück», weiss Trottmann aus Erfahrung.

Heute Co-Präsidentin von Pro Audito

Heute ist sie Co-Präsidentin des Vereins Pro Audito Winterthur, der sich für Menschen mit Hörproblemen engagiert. «Wir verstehen uns als Verein, der Selbst- und Fachhilfe für schwerhörige und spät ertaubte Menschen anbietet», erklärt sie.

Mit gemeinsamen Aktivitäten wie zum Beispiel Referaten und Filmvorführungen oder Vereinsausflügen will Pro Audito Winterthur dem entgegenwirken. Hinzu kommen Informationen über Hilfsmittel wie zum Beispiel induktive Höranlagen.

Bei der induktiven Höranlage für Hörbehinderte werden Sprache und Musik via Mikrofon über ein magnetisches Feld direkt auf das Hörgerät übertragen. Dadurch werden störende Nebengeräusche sowie der für das Sprachverständnis schwierige Nachhall ausgeschaltet. «Eine induktive Hörspule für Räume mit entsprechenden Anlagen sowie eine induktive Kopplung mit dem Telefon sind für mich wichtige Hörhilfen», betont Edith Trottmann.

Fatale Folgen

«Unser Gehirn lernt lebenslang neue Höreindrücke kennen. Es verbindet das Gehörte mit dem Gesehenen, Gespürten, Erlebten und ruft beim erneuten Hören die Eindrücke ab», erläutert Trottmann. Wenn das Gehirn über eine längere Zeitspanne ­bestimmte Höreindrücke nicht mehr empfangen hat, habe dies fatale Folgen, sagt sie. «Unser Gehirn vergisst. Der Höreindruck muss wieder neu gelernt werden.» Deshalb sei es enorm wichtig, dass das Gedächtnis trainiert werde.

Neuere Forschungsresultate weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Hörstörung im Alter die Abnahme der geistigen Fähigkeiten beschleunigen kann. «Eine Schwerhörigkeit führt zu einer Abnahme der sprachaktiven Zentren im Gehirn und zu einer verstärkten Alterung weiterer Hirnregionen», so Trottmann. Zudem habe die Schwerhörigkeit oft einen sozialen Rückzug bis hin zu einer Depression bei Betroffenen zur Folge.

Hörtest machen

Edith Trottmann empfiehlt, bei beginnender Hörschwäche einen Hörtest machen zu lassen. Zudem gelte es ein Tabu zu brechen, wonach die Träger eines Hörgeräts alt sind. «Niemand fühlt sich alt, wenn er eine Brille trägt. Weshalb sollte das bei einem Hörgerät anders sein.»

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