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Neue Chancen für Jobsuchende Ü50

Eine Fünf auf dem Rücken und auf Stellensuche? Keine einfache Sache. Doch immer mehr Firmen erkennen den Wert von älterenMitarbeitenden. Dazu trägt auch die Geschäftsidee eines Winterthurers bei.

Andrea Söldi
Samuel Stalder hat seine Geschäftsidee umgesetzt und ein Portal für Stellensuchende ab 50 ins Leben gerufen - mit Erfolg.
Samuel Stalder hat seine Geschäftsidee umgesetzt und ein Portal für Stellensuchende ab 50 ins Leben gerufen - mit Erfolg.
Madeleine Schoder

Es ist paradox: Die meisten Menschen sind heutzutage bis über das Pensionsalter hinaus gesund und leistungsfähig. Mit der älter werdenden Bevölkerung zeichnen sich bei AHV und Pensionskasse Engpässe ab. Und um die Zuwanderung aus dem Ausland zu reduzieren, braucht es genügend einheimische Arbeitskräfte. Aber dennoch: Für über 50-Jährige ist es oft ein schwieriges Unterfangen, eine neue Stellezu finden. Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern halten sich hartnäckig.

Erfahrungen eingebracht

Samuel Stalder ist zwar selber erst 34. Doch was es heisst, mit bald 60 seinen Job zu verlieren, hat er bei einem Verwandten hautnah miterlebt. Trotz guten Qualifikationen und langjähriger Erfahrung hat dieser erst nach zahlreichen Bewerbungen und Absagen schliesslich nochmals eine Stelle gefunden. Damals, vor drei Jahren, war Stalder selber auf Arbeitssuche. Aufgrund von Umstrukturierungen hatte er seine Stelle als Geschäftsführer bei einem digitalen Immobilienportal verloren. Seine früheren Erfahrungen bei einem digitalen Stellenportal trugen zu seiner neuen Geschäftsidee bei: eine eigene Webseite für Stellensuchende ab 50.

Namhafte Betriebe an Bord

Seit letztem Sommer ist das Portal Work50.ch online. Dahinter steckt eine Menge Arbeit. Seit einem guten Jahr ist der Medienfachmann intensiv am Entwickeln. Während er anfangs noch für die Vergleichsseite Comparis arbeitete und seine Geschäftsidee nebenamtlich weiterverfolgte, hat der Winterthurer auf Ende letzten Jahres gekündigt, um sich vollamtlich seinem Projekt zu widmen. Als Startkapital hat er sein eigenes Erspartes investiert. Und um die Spesen tief zu halten, arbeitet er in einem Co-Working-Place in der Nähe des Bahnhofs Winterthur.

Stalder ist es gelungen, bekannte und grosse Unternehmen sowie öffentliche Verwaltungen dafür zu gewinnen, bei ihm Stellen auszuschreiben. Eine der ersten Firmen war Ikea. «Das schwedische Möbelhaus inseriert unterdessen nur noch bei mir und auf der eigenen Webseite», freut sich der Jungunternehmer.

Den Verantwortlichen sei anscheinend klar geworden, dass ein gesunder Generationenmix sinnvoll ist. Aber auch Versicherungen und Telecomunternehmen suchen neues Personal über Work50.ch. Während die Unternehmen eine Gebühr entrichten, ist das Angebot für Stellensuchende umsonst. Sie haben zudem die Möglichkeit, auf der Webseite einen Lebenslauf zu hinterlegen, den Personalverantwortliche abrufen können.

Nur sensibilisierte Firmen

Doch was genau ist der Vorteil eines Portals extra für ältere Stellensuchende? «Bei uns inserieren nur Firmen, die für das Problem sensibilisiert sind und ältere Mitarbeitende zu schätzen wissen», erklärt Stalder. Wenn er neue Kunden gewinnen will, spricht er höchstpersönlich bei den Firmen vor und versucht, sie vom Wert der Generation 50 plus zu überzeugen.

«Sie verfügen über enorm viel Wissen und Erfahrung, sowohl für die Arbeit als auch imsozialen Umgang», weiss der Un­ter­nehmensgründer. Auch Verantwortungsbewusstsein, Gelassenheit in Stresssituationen, Loyalität sowie Identifikation mit dem Unternehmen seien bei den sogenannten Babyboomern oder Best Agers besonders ausgeprägt, betont er.

Die Zahl steigt

Die Zahl der altersaffinen Firmen steigt stetig. Anfang Januar waren auf Work50.ch bereits 158 Stellen ausgeschrieben. Stalder engagiert sich auch beim World Demographic & Ageing Forum (s. Box), welches sich mit dem Generationenwandel in der Wirtschaft und Gesellschaft befasst.

«Der Kontakt zu grossen Firmen verhilft mir zu mehr Hintergrundwissen über die Probleme, die mit dem demografischen Wandel auf uns zukommen», sagt Stalder und präsentiert ein Säulendiagramm mit deutlicher Aussage: Während die über 45-Jährigen in der Schweiz noch zahlreich vertreten sind, ist bei den Jüngeren ein markanter Einbruch zu verzeichnen. Samuel Stalder ist deshalb überzeugt: «Firmen, die auf erfahrene Fachkräfte angewiesen sind, sollten auch älteren Mitarbeitenden eine Chance geben.»www.work50.ch

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