Weihnachtsbaum

O Tannenbaum

Die Produktion des Weihnachtssymbols stellt die Schweizer Land- und Forstwirte immer wieder vor Herausforderungen. Die Nachfrage nach den einheimischen Bäumen steigt.

Die Nachfrage nach Bäumen aus der Schweiz steigt. Rund 45 Prozent der verkauften Bäume stammen aus heimischem Anbau.

Die Nachfrage nach Bäumen aus der Schweiz steigt. Rund 45 Prozent der verkauften Bäume stammen aus heimischem Anbau. Bild: Madeleine Schoder

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Früher war alles ganz einfach: Kurz vor dem Heiligen Abend zog der Bauer in seinen Wald und schlug eine der Fichten oder Weisstannen, die er Jahre zuvor dicht an dicht gesetzt hatte, um die Brombeeren kurz zu halten.

Heute ist es weniger romantisch

«Mein Grossvater hat das auch so gemacht», sagt Philipp Gut, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Suisse Christbaum. «Zu Weihnachten nahm er immer jene Bäume heraus, die nicht ganz so perfekt waren. Bei denanderen hätte es ihn gereut.»Heute geht es weniger romantisch zu.

Schweizweit gibt es ungefähr 640 offizielle Christbaumproduzenten, also Landwirte, Gärtner oder Forstbetriebe. Mitglied in der IG Christbaum sind 230 davon. Sie pflanzen ihre Ware in Plantagen auf kalkarmem Boden ohne Beeinträchtigung durch Schatten – denn Bäume, die wenig Licht haben, strecken sich zu sehr in die Länge.

Trend zu Schweizer Bäumen

«Es gibt einen Trend zum Schweizer Baum», so Philipp Gut, «genau wie im Obst- oder Gemüseanbau.» Von den geschätzt 1,2 bis 1,4 Millionen Weihnachtsbäumen, die in der Schweiz gekauft werden, stammen etwa 45 Prozent aus heimischem Anbau. «Da ein Christbaum ein emotionales Produkt ist, sind die Leute auch bereit, 50 bis 70 Franken für einen schönen Baum zu zahlen. Für 20 gibt es einen im Discounter – aber ich frage mich, wie der wirtschaftlich zu produzieren ist.»

Der Aufwand ist tatsächlich beträchtlich, denn die Konsumenten geben sich längst nicht mehr mit aussortierten Pflanzen zufrieden. «Das merken wir insbesondere im Handel. Dort werden nur perfekte Bäume verkauft. Nur wer direkt ab Hof verkauft, findet eventuell Abnehmer für Exemplare, die ausserhalb der Norm sind.»

Zurechtstutzen und Spitzen schützen

Während des Wachstums werden einige Bäume zurechtgestutzt, damit sie nicht zu breit werden. Mitunter muss man die Spitzen schützen. Schon das Gewicht einer Amsel kann reichen, um junge Äste abzubrechen.

Wenn das passiert, muss man einen Seitenast hochbinden, damit eine neue Spitze entsteht. Schliesslich werden noch die Bodenäste entfernt, damit man den Baum leichter schlagen kann und er gut in den Ständer passt. «Wenn man nichts macht, kann man vielleicht 50 bis 70 Prozent der Bäume verkaufen. Wenn man sich um sie kümmert, sind es 70 bis gegen 90 Prozent.»

Ökologisch wertvoll

Zur Pflege einer Christbaumplantage gehört in den meisten Betrieben der Einsatz von Insektiziden gegen Blattläuse. «Das kostet Material und Zeit», sagt der Experte für Spezialkulturen am solothurnischen landwirtschaftlichen Bildungszentrum Wallierhof. «Also versucht man es ohne Chemikalien.

«Es werden nur perfekte Bäume gekauft.»

Philipp Gut, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Suisse Christbaum

Wenn junge Bäume einmal ein paar Läuse haben, macht das auch nichts, nur gegen Ende des Wachstums wäre das katastrophal. Bei Anbauflächen im Wald – typischerweise unter Hochspannungsleitungen – darf ohnehin wedergedüngt noch gespritzt werden, nicht einmal mit biologischen Mitteln. Deshalb sind viele Bäume in der Schweiz ökologischangebaut, ohne dass extra ‹Bio› draufsteht.»

Kein Gift mehr drei Monate vor dem Schlagen

Pestizide in der guten Stube – das ist für die Verbraucher kein schöner Gedanke. «Es gibt gelegentlich Menschen, die glauben, sie hätten auf Spritzmittel am Baum allergisch reagiert», berichtet Gut. Das sei allerdings überaus unwahrscheinlich. «Wir setzen Mittel ein, die auch im Nahrungsmittelanbau zugelassen sind, und drei Monate vor dem Schlagen werden die Bäume gar nicht mehr behandelt, weil es gar nichts mehr nützt. Der Schaden durch Pilze oder Schädlinge wäre trotzdem sichtbar.»

Wer sich beim Schmücken an seiner Blautanne sticht, muss eher aus mechanischen Gründen mit roten Quaddeln rechnen. Die spitzen Nadeln dringen leicht in die Haut ein. Die zweite Klage von Konsumenten geht ins andere Extrem. Menschen fürchten, mit dem Baum Ungeziefer ins Haus zu holen. «Spinnen können tatsächlich mal drin sein. Zecken allerdings kann man ausschliessen. Die leben im Winter kaum in Tannen.»

Selbst wenn ein Christbaum aus der Massenproduktion stammt, hat er der Umwelt einen Dienst erwiesen. Jeder Baum produziert Sauerstoff und bindet Kohlendioxid.

Nicht immer eine Tanne

Die Nordmanntanne, die eigentlich im Kaukasus zu Hause ist, wird im der Schweiz am liebsten geschmückt. Die weichen Nadeln halten lange. Die heimische Weisstanne oder die Rotfichte nadeln dagegen sehr schnell. Serbische Fichten sind besonders schlank, Weissfichten besonders dicht. Blautannen sind schön, stechen aber gemein.

In den vergangenen Jahren sind zu diesem Angebot noch exotische Sorten dazugekommen. «Das ist gut für die Kunden, die etwas Spezielles suchen, und gut für die Landwirte, die sich mit ihrem Angebot abheben», meint der Vertreter der IG Suisse Christbaum. Die Coloradotanne mit ihren langen Nadeln gehört dazu. Weil sie als Setzling aber schwer anwächst und frostempfindlich ist, wird sie sich wohl nicht durchzusetzen.

«Mehr Chancen gebe ich der Korktanne, die gut aussieht und angenehm duftet, oder der widerstandsfähigen Frasertanne. Sie muss man nur häufiger in Form schneiden, weil sie gerne stark wächst.» Mehr als fünf Prozent Marktanteil würden diese Exoten aus den USA aber im Moment schwerlich erreichen.

Säge oder Spaten?

Wenn man weiss, welche Baumart man haben möchte, muss man sich noch entscheiden, ob geschlagen, getopft oder im Topfgewachsen. Der Klassiker ist ein Baum, der kurz vor dem Aufstellen gefällt wurde. Derart frisch hält sogar die gemeine Rottanne fünf bis sechs Tage. Wer seinen Baum in einen Ständer mit Wassertank stellt, kann das Vertrocknen etwas hinauszögern.

Ersteht man einen getopften Baum, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Baum wurde mitsamt eines kleinen Teils seiner Wurzeln im Feld ausgestochen. Zum Wiederanwachsen reicht das zwar nicht, aber der Baum steht fest in seinem Kübel und kann über die Restwurzeln Giesswasser aufnehmen, bevor man ihn nach ein paar Wochen zum Grünabfall bringt.

Baum im Topf

Menschen mit Garten können einen Baum kaufen, der im Topf gewachsen ist. Er bringt ein dichtes Wurzelgeflecht mit, das theoretisch im Freiland anwachsen könnte. Diese Bäume sind etwas teurer, wie der Fachmann erklärt: «Es ist sehr aufwendig, Tannen im Topf zu ziehen. Sie brauchen Dünger, Bewässerung – all das, was sie sich in der Natur über die Wurzeln selbst besorgen können.»

Man kann im Topf gewachsene Tannen auch mieten. Es ist ja eigentlich Verschwendung, eine Pflanze acht Jahre lang zu pflegen, um sie dann nur ein paar Tage zu bewundern. Also geht man zu einer spezialisierten Gärtnerei wie Kiener in Pfäffikon, bucht sich für rund hundert Franken einen Baum, der auf Wunsch geliefert und wieder abgeholt wird.

Schwerer Transport «Allerdings ist eine Tanne nur zwei Jahre wirklich brauchbar. Vorher ist sie zu klein und nachher zu gross», wendet Philipp Gut ein. Ökologisch nachteilig seien die Transportwege mit dem Lastwagen über weitere Strecken – durch die Töpfe ist die Ware ja schwer, man kann sie nicht stapeln wie geschlagene Bäume. «Und das Auspflanzen nach der Mietzeit ist nicht unproblematisch. Der Wurzelballen ist klein, die Wurzeln wachsen oft im Kreis. Der Baum würde im Wald schnell umfallen.»

Noch ein Problem taucht häufig auf: Weihnachtsbäume im Topf beginnen nach fünf Tagen in der warmen Stube auszutreiben, weil sie sich im Frühling glauben. Wenn sie dann plötzlich in die Kälte kommen, gibt es Frostschäden.

Da bleibt als letzte Alternative der zusammenklappbare Plastikbaum, der alle Jahre wieder abgestaubt werden kann. «Mir würde die symbolische Bedeutung fehlen – das lebendige Grün im Winter. Das ist schliesslich der Grund, weshalb wir Weihnachtsbäume aufstellen. Bevor ich zu Plastik griffe, würde ich eher gar keinen Baum aufstellen.»

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 14.12.2017, 12:27 Uhr

Kleine Geschichte des Weihnachtsbaums

Wer ihn erfunden hat, ist umstritten

Weltweit streiten die Experten, wer den Weihnachtsbaum erfunden hat. Offenkundig brachten Menschen in Nordeuropa seit jeher zur Wintersonnenwende Tannenzweige in ihre Häuser, um sich durch das Grün Hoffnung auf den Frühling zu machen. Trotzdem reklamiert die lettische Hauptstadt Riga für sich, die Geburtsstätte des Weihnachtsbaums zu sein. Eine Gilde unverheirateter Männer soll vor rund 500 Jahren auf die Idee gekommen sein. Sie verzierten eine Tanne mit Papier, bevor sie sie nach den Festtagen feierlich verbrannten. Beweise für die Geschichte gibt es nicht. Stattdessen existieren unterschiedliche Versionen. In einer schmückten spielende Kinder den riesigen Baum mit bunten Wollfäden aus ihren Handschuhen. In einer anderen war es gar keine echte Tanne, sondern ein tannenförmiges Gerüst, das für einen Umzug dekoriert war, bevor es rituell dem Feuer übergeben werden sollte.

Die Rigaer sind nicht allein
mit ihrem Anspruch. Auch die Tallinner behaupten, den dekorierten Christbaum erfunden zu haben. Schon 1441 sei er vor dem Rathaus umtanzt worden. Die amerikanische National Christmas Tree Association steht als internationale Autorität auf der Seite Rigas. So oder so muss man zur Kenntnis nehmen, dass es eine wenig christliche Tradition ist, Tannenbäume zum Jahresende zu schmücken. Sie muss die Kaufleute der Hanse aber beeindruckt haben, denn sie verbreiteten die Idee europaweit. igr

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