Todesfall

Sich Hilfe holen bei einem Todesfall

Wenn ein Angehöriger überraschend stirbt, gibt es zahlreiche Aufgaben zu erledigen. Wer sich angesichts der Trauer überfordert fühlt, kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn jemand stirbt, muss neben der Bestattung noch vieles anderes organisiert werden. Wer überfordert ist, kann Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn jemand stirbt, muss neben der Bestattung noch vieles anderes organisiert werden. Wer überfordert ist, kann Hilfe in Anspruch nehmen. Bild: Shotshop

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Ein Todesfall in der Familie kann einen gefühlsmässig ganz schön aus der Bahn werfen. Gleichzeitig stehen zahlreiche Erledigungen an, die in den nächsten Tagen an die Hand genommen werden wollen: Die Organisation der Bestattung, Gestalten und Verschicken von Trauerkarten, Aufgabe einer Todesanzeige. Es muss an Musik, Blumenschmuck und Leidmahl gedacht werden. Und später werden die Räumung der Wohnung und die Benachrichtigung von Banken und anderen Institutionen fällig. Wer ohnehin schon einen gut gefüllten Terminkalender hat, kann damit ziemlich an seine Grenzen kommen.

Unterstützung holen

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung zu holen. In den letzten Jahren sind verschiedene Organisationen entstanden, welche Hinterbliebenen unter die Arme greifen. Eine davon ist das Winterthurer Unternehmen Dimovera. «Bei einem Todesfall gibt es meist über 100 verschiedene Aufgaben zu erledigen», weiss Fabrizio Soncini, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Corina Soncini leitet.

Während der 30-Jährige einen kaufmännischen Hintergrund hat und sich vor allem um administrative Angelegenheiten kümmert, hat die 28-Jährige lange in der Krankenpflege gearbeitet und von dort her auch Erfahrungen in der Sterbebegleitung. «Häufig haben mich damals Angehörige gefragt, wohin sie sich für Entlastung wenden können», sagt Soncini. Nach einem Betriebswirtschaft-Studium griff sie die Geschäftsidee auf und gründete vor zwei Jahren zusammen mit ihrem Bruder ihre eigene Firma.

«Bei einem Todesfall gibt es meist über 100 verschiedene Aufgaben zu erledigen.»Fabrizio Soncini von Dimovera

«Unsere Kunden sind meist die Kinder von Verstorbenen», sagt Corina Soncini. Viele seien im Beruf extrem ausgelastet. Kurz nachdem ein Telefonanruf eingegangen ist, packt eines der beiden Geschwister den Ordner mit den Checklisten unter den Arm und ist spätestens 24 Stunden später vor Ort – und dies in dringenden Fällen auch an den Wochenenden. Die beiden wechseln sich mit dem Pikett-Dienst ab.

Dank ihrer Erfahrung gewinnen Hinterbliebene rasch einen Überblick über die diversen anstehenden Aufgaben und erhalten Entscheidungshilfen. Durchschnittlich sei man etwa 20 Stunden im Einsatz, sagt Fabrizio Soncini. Dafür verrechnet Dimovera etwa 2400 Franken.

Trotzdem sei das Angebot keineswegs nur etwas für gut Betuchte, versichert der Geschäftsführer. Denn aufgrund der Beziehungen zu Dienstleistern wie Floristen für den Blumenschmuck, Druckereien für die Leidzirkulare und Bildhauern für den Grabstein, die allesamt Rabatt gewähren, fahre man unter dem Strich oft sogar noch günstiger, als wenn man alles selber organisiert hätte, erklärt er. Deshalb werde Dimovera immer mehr auch von Gemeinden empfohlen. Zum Beispiel an Familien mit Migrationshintergrund, die sich mit den hiesigen Gepflogenheiten nicht auskennen und die Sprache nicht beherrschen.

Passende Feier

Auch ältere Menschen seien häufig am Anschlag, wenn etwa der Ehepartner stirbt, ergänzt Corina Soncini. So habe sie etwa kürzlich eine über 80-jährige Witwe betreut, die ohne ihren Mann plötzlich überfordert war. Soncini zeigt sich dann flexibel und übernimmt bei Bedarf auch Alltagshandlungen wie etwa die Heizung regulieren oder den Kopierer bedienen.

«Unsere Kunden sind meist die Kinder von Verstorbenen.»Corina Snocini von Dimovera

Froh um die Unterstützung seien immer mehr auch Personen, die nicht mehr der Kirche angehören, sagt Fabrizio Soncini. Denn wenn man bei der Beerdigung auf den kirchlich vorgegebenen Rahmen verzichten möchte, muss man sich mehr Gedanken machen, was für eine Form passend ist. Wo soll die Feier stattfinden? Wer soll eine Rede halten? Dimovera vermittelt Anbieter von Ritualen und religionsfreien Ansprachen. Auch ausgefallene Begräbnisse habe man schon organisiert sagt der Geschäftsführer. Zum Beispiel wurden bei der Bestattung eines Oldtimer-Fans die Hinterbliebenen mit entsprechenden Autos abgeholt. Und die Asche eines Mannes, dessen Passion dem Fliegen galt, wurde mit einem Flugzeug über dem Zürichsee ausgestreut.

Erstellt: 06.09.2016, 15:49 Uhr

Online-Plattform für vor und nach dem Tod

Kostenlose Dienstleistungen rund um das Sterben sind auch auf der Webseite Deinadieu.ch erhältlich. Wer mit einem Todesfall konfrontiert ist, kann mit dem Online-Bestattungsplaner die Kosten für verschiedene Möglichkeiten kalkulieren. Auch wenn das Geld im Moment eines grossen Verlusts eine untergeordnete Rolle spielen mag, kann man bei unbedachtem Vorgehen Überraschungen erleben: Eine Abdankung mit allem Drum und Dran kann problemlos auf über 10 000 Franken zu stehen kommen. Eine schlichte Feier ist aber auch schon ab 2000 Franken zu haben.

In akribischer Feinarbeit haben die Initiatoren die Preise von acht Städten – darunter die fünf grössten in der Deutschschweiz – recherchiert; bei insgesamt 1800 Bestattungsämtern gar keine leichte Aufgabe. Man erfährt, wie viel eine Kremation im Vergleich zu einer Erdbestattung kostet oder ein Gemeinschaftsgrab gegenüber einer Nische für eine Urne. Die Angaben sollen nun stetig ausgebaut und in weiteren Gemeinden erhoben werden. «Wir wollen Entscheidungshilfen und Informationen für Angehörige bieten», sagt Nicolas Gehrig. Der Betriebswirt, der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften arbeitet, hat die Plattform bis jetzt mit zwei Partnern auf ehrenamtlicher Basis aufgebaut. Später will er für die Finanzierung auf Inserate von Dienstleistern setzen. Für die Benutzer wird das Angebot aber weiterhin grösstenteils gratis sein.

Motiviert habe ihn eine persönliche Erfahrung, erzählt Gehrig. Bei einer Bestattung im Bekanntenkreis war er nicht glücklich mit dem Stil der Feier. «Ein Begräbnis muss zur verstorbenen Person passen, aber auch den Hinterbliebenen ein würdiges Abschiednehmen ermöglichen», betont der Geschäftsführer. Wenn man sich das erste Mal in einer solchen Situation finde, sei es manchmal schwierig, die richtige Wahl zu treffen.

Viele hätten zum Beispiel Hemmungen, ein Gemeinschaftsgrab zu wählen, weil das die günstigste Lösung ist, weiss Gehrig. Dabei seien Gemeinschaftsgräber heutzutage die häufigste Form, Familiengräber dagegen selten. «Man muss sich überhaupt nicht schämen.» Wer sich schwertut, seine Gefühle in eigene Worte zu fassen, findet auf der Webseite Vorlagen für Todesanzeigen, Danksagungen und Trauerreden sowie eine ganze Reihe Zitate und Gedichte, die für solche Gelegenheiten passen könnten.


Weiter sind umfangreiche Informationen zur Palliativpflege und Organspende zusammengetragen worden sowie Vorlagen für das Erstellen einer Patientenverfügung oder Patientenvollmacht. Stolz ist Gehrig auf seinen Testament-Generator, der schweizweit das erste kostenlose Instrument in dieser Form sei, wie er betont. Es tauge für einfache Szenarien, zum Beispiel, wenn die Vermögens- und Verwandtschaftsverhältnisse nicht allzu kompliziert sind. Für Personen mit Liegenschaften und beträchtlichem Vermögen empfiehlt Gehrig jedoch, einen Notar oder Anwalt beizuziehen.

Über das Organisatorische hin­aus deckt die Webseite jedoch auch die emotionale Seite ab. Anhand von Reportagen und Porträts von Personen, die sich mit dem Sterben befassen, können sich Interessierte vertieft mit diversen Aspekten auseinandersetzen. Zum Beispiel mit Themen wie Kindsverlust oder dem Umgang mit Trauernden. (asö)

Andere Unternehmen

Ähnliche Dienstleistungen bietet Barbara Schärz an mit ihrer Firma Funeralplanning in Rapperswil: www.funeralplanning.ch.

Das Portal www.letztereise.ch will Orientierungshilfe für Menschen bieten, die ihr Sterben nach eigenen Vorstellungen gestalten möchten, sowie für Personen, die mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert sind. Es bietet Informationen zu palliativer Pflege sowie Reportagen und Geschichten rund um das Thema Sterben. Die Webseite ist noch im Aufbau begriffen.

Eine Checkliste «Todesfall bis Bestattung» ist auch im Onlineportal der Schweizer Behörden zu finden: www.ch.ch.

Gewisse Dienstleistungen bieten auch etliche Bestattungsunternehmen an. (asö)

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