Marrakesch

Stadt der Kontraste

Sich in den verwinkelten Gassen der Altstadt verlieren, in prunkvollen Palästen die Geschichte Marokkos entdecken und Pfefferminz-Tee schlürfend um den Preis verhandeln – Marrakesch bietet viel.

Der Platz «Djemaa el Fna» ist der lebendige Treffpunkt der Stadt. Hier ist tags und nachts etwas los. Im Hintergrund die berühmte Koutoubia Moschee, das Wahrzeichen Marokkos.

Der Platz «Djemaa el Fna» ist der lebendige Treffpunkt der Stadt. Hier ist tags und nachts etwas los. Im Hintergrund die berühmte Koutoubia Moschee, das Wahrzeichen Marokkos. Bild: Anna Berger

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Bereits kurz nach der Landung kommt man ins Staunen: Der Flughafen Marrakeschs gilt als einer der schönsten der Welt. In der modernen Architektur spiegeln sich die Motive der traditionellen Bauweise Marokkos, in der das Spiel mit Licht und Schatten im Zentrum steht. Das vorladende, säulenlose Dach wirft arabeske Schatten auf den Boden. Gebaut haben die Flughalle die Zürcher Architekten E2A, die sich auch schon in Winterthur an der Jonas-Furrer-Strasse mit einem «Triangelhaus» verewigt haben und dafür einen Preis erhielten.

Die Medina als Herz der Stadt

Die Altstadt, die sogenannte Medina, ist die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit der Hauptstadt Marokkos. Das historische Herz der Stadt wurde bereits vor mehr als 30 Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Dies vor allem wegen den vielen architektonisch bedeutenden Gebäuden. Die jede Nacht beleuchtete, 1158 erbaute Koutoubia Moschee, ist nur ein Beispiel unter vielen.

Zu kaufen gibt es in der Medina, die von einer riesigen roten Sandsteinmauer umgeben ist, so ziemlich alles. Eigentlich ist sie ein riesiges, buntes, chaotisches Einkaufszentrum, aufgeteilt in verschiedene Souks (arabisch: Markt), die jeweils auf ein Material spezialisiert sind. In einigen Läden ist auch die Werkstatt untergebracht, so kann man die Herstellung von Anfang bis Ende mitverfolgen. Eine Abwechslung zu den immergleichen Ladenregalen zuhause.

Lederverkäufer bieten Schuhe, Rucksäcke und Gürtel an. Mit Pfefferminz-Blättern gegen den Ammoniakgeruch ausgerüstet, kann bei der Ledergerbung in den Hinterhöfen zugeschaut werden. Den rhythmischen Schlägen folgend, findet man das Souk der Eisenschmiede. Die bunten Stoffe, die über den Dächern, meist an Schilfstangen flattern, zeigen, dass man bei den Färbern gelandet ist.

Wer kann, sollte sich Zeit nehmen

An das stetige Rufen und Locken der Händler in den Gassen gewöhnt man sich nach einigen Tagen. Wer kann, sollte sich Zeit nehmen für die Stadt. Zudem ist für einen erfolgreichen Kauf auf beiden Seiten Geduld und Musse nötig. Feilschen ist hier nicht nur erwünscht, sondern ein Teil der Kultur und sollte daher bei einem Minztee genussvoll zelebriert werden. Ein Tipp: Nicht wütend werden, ein Lachen hat noch jede Situation entschärft. Am besten schaut man sich zu Beginn in einem Laden mit fixen Preisen um, das gibt einen Anhaltspunkt.

Sich in den verwinkelten, namenlosen Gassen der Medina zurecht zu finden ist ein Kunststück für sich. Wohnt man in einem der vielen wunderschönen Riads inmitten der Altstadt (siehe Kasten), ist bei der erstmaligen Ankunft eine Fahrt in einem der günstigen Taxis zu empfehlen. Fragt man sich auf eigene Faust durch, findet man rasch Hilfe.

Allerdings ist es verbreitet, dafür ein wenig Geld zu verlangen. Wie viel, ist Verhandlungssache. Ist man nicht bereit zu zahlen, sollte man dies von Anfang an klar kommunizieren, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Wer ab und an dem Gewusel entfliehen will, dem sind die Restaurants mit Dachterassen ans Herz zu legen. Die Tajines sind ein Gedicht und von oben wirkt das Treiben deutlich gemütlicher,

Tourismus – Fluch oder Segen?

Das lohnt sich auch bei einem Besuch des wohl berühmtesten Marktplatzes Marokkos, dem «Djemaa el Fna». Auf Arabisch heisst das so viel wie «Versammlung der Toten». Früher war es eine Hinrichtungsstätte, heute wimmelt es hier nur so von Leben: Schlangenbeschwörer, Affendompteure, Feuerspucker, Tänzer, Schausteller, Musiker, Wunderheiler und Geschichtenerzähler sind auf dem, besonders in der Nacht belebten, Platz anzutreffen.

So exotisch dies wirken mag, die Bilder der gezähmten Schlangen und Affen sind gewöhnungsbedürftig und ob man dies unterstützen will, darf man sich ruhig zweimal überlegen. Die Verkäufer werben auch hier so laut wie möglich um die Kunden. Das kann einem manchmal zu viel sein, oft muss man aber auch einfach lachen. Etwa wenn zwei benachbarte Fruchtsaft-Verkäufer zu Hochform auflaufen und das umworbene Liebespaar damit so überfordern, dass sie am Ende an je einem der beiden Stände einen Fruchtsaft kaufen. Schon seit Jahrzehnten pilgern Hippies, Künstler und Jetsetter in die fast tausendjährige Stadt, die auch «Perle des Südens» genannt wird und Stoff für zahlreiche Legenden liefert.

Wie in einem Märchen

In den liebevoll ausgestalteten Teehäusern, den geschäftigen Souks und den prunkvollen Palästen fühlt man sich ab und zu — so klischeehaft das tönt — tatsächlich wie in einem orientalischen Märchen. Etwa in der ehemaligen Koranschule Medersa Ben Youssef: Die Mosaike, Schnitzereien, Fresken und Stuckarbeiten, welche die Wände, Decken und Böden des im 14. Jahrhundert erbauten Gebäudes verzieren, sind ein Meisterwerk der islamischen Baukunst.

Weniger zu empfehlen, ist hingegen der von Touristen überquellende, botanische Garten «Jardin Majorelle», in dem der französische Modedesigner Yves Saint-Laurent bis zu seinem Tod 2008 lebte. Die gewonnene Zeit kann besser für das kleine, aber feine Fotografie-Museum mitten in der Altstadt nutzen. Die Aufnahmen verknüpfen Kunst und Geschichte auf eine faszinierende Weise. Nicht vergessen: Auf der wunderschönen Terasse einen Tee geniessen und den Gesängen der Muezzin zuhören.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Souks in Marrakesch, wie in anderen Städten, an Bedeutung verloren. Auch dank den Touristen, die sich für das exotische Einkaufserlebnis begeisterten, begann ein Wiederaufbau und viele Häuser werden mittlerweile aufwendig restauriert.

Das Interesse der Touristen hat auch Auswirkungen auf das Angebot: traditionelles Handwerk wird von Kunsthandwerk überflügelt. Ausserhalb der Stadtmauern weicht die romantische, auf die Touristen zugeschnittene Welt bald der Realität. Marokko wird gerne als «Land der Kontraste» bezeichnet und das ist sie auch in dieser Hinsicht:

Eine Stadt der K ontraste

Bittere Armut koexistiert in unmittelbarer Nachbarschaft zu üppigem Reichtum. Wer Marrakesch als Ganzes begreifen will, sollte deshalb auch den Markt der Einheimischen besuchen, gleich vor den Toren der Medina. Dort findet sich überwiegend Second-Hand und billige Plastikware. Richtung Bahnhof sind riesige Einkaufszentren, Fast-Food-Ketten, hippe Cafés und Clubs zu sehen. Auch dies ein Kontrast zur Altstadt, in der kein Alkohol verkauft wird. Am Rande der Stadt beginnen die Slums.

Überhaupt ist es zu empfehlen, bei einer Reise nach Marokko mindestens die nahegelegene Wüste zu besuchen oder für ein paar Tage in die nahegelegene Küstenstadt Essouira zu entfliehen. Hier geht es weniger hektisch zu und her. Am Hafen bieten lokale Fischer ihre frisch gefangenen Fische und Meeresfrüchte an, die in den Restaurants der kleinen, aber vielseitigen Medina, sogleich zubereitet werden. Oder man geniesst in einem der Hinterhöfe gemeinsam mit den Einheimischen eine ausgezeichnete Berbersuppe. So nah kommt man dem Land im touristischen Marrakesch selten.

Gewisse Themen sind tabu

Es gibt allerdings Themen, die man, unter Einheimischen, nur vorsichtig ansprechen sollte. Eine befreundete Marokkanerin drückte es so aus: «Es gibt drei Themen, bei denen kritisches Hinterfragen tabu ist: König, Sex und Religion.»
Diese Seite entstand im Rahmen eines privaten Aufenthalts und einer Pressereise, zu der Mövenpick Hotels & Resorts und das Marokkanische Tourismusbüro der Schweiz eingeladen hatten. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 08.09.2017, 12:01 Uhr

Übernachtungsmöglichkeiten

Eine riesige Auswahl

Übernachten kann man in Marrakesch bereits ab zehn Franken pro Person, nach oben sind die Preise offen. In der Altstadt sind vor allem die Riads, renovierte Stadthäuser mit wunderschönen Innenhöfen, zu empfehlen. Die billigsten Hotels werden dem Preis gerecht. Für nur 20 Franken mehr schläft man schon wesentlich angenehmer und meist inklusive Frühstück. Auch im Mittelpreisklasse-Bereich gibt es einiges, etwa das zentral gelegene Mövenpick Hotel Mansour Eddahbi mit sechs Restaurants, Swimmingpool und eigenem Hammam (siehe Bild).anb



Eine moderne Oase mitten in Marrakesch: Das Mövenpick Hotel. Bild: Anna Berger

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