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Strampeln im Zeichen des «Kini»

Ideale Bedingungen finden Genussradler auf einem neuen Wegenetz in Bayern vor. Viele Routen führen zu König Ludwig II. Aber noch andere interessante Zeitgenossen trifft man unterwegs.

Gut ausgebaute Velowege kennzeichnen die Allgäuer Schlossparkrunde.
Gut ausgebaute Velowege kennzeichnen die Allgäuer Schlossparkrunde.
Gabriele Spiller
Ein Ziel der Radreise: Hohenschwangau.
Ein Ziel der Radreise: Hohenschwangau.
Gabriele Spiller
Omnipräsent: König Ludwig II.
Omnipräsent: König Ludwig II.
Gabriele Spiller
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Tag 1 (Nesselwang – Wald – Seeg – Hopferau – Irsee: 44 Kilometer)

Zwölf Grad, Nieselregen. Es ist wäre eigentlich in Deutschland angfang Sommer. Genauer gesagt im Ostallgäu, das touristisch neu als Schlosspark vermarktet wird. Fünf Tage möchte ich diesen Schlosspark per E-Bike erkunden und die «königliche Landschaft» spüren.

Ludwigs II. Schloss Neuschwanstein dient dabei als Logo auf den Radwegweisern. Los geht’s, ausgestattet mit Handschuhen, gepolsterter Velohose und Regenüberzug. Das Explorer Hotel in Nesselwang liegt hinter uns; eines der ersten Passivhaus-Hotels in Europa.

«Da sähe man jetzt das Schloss und dahinter die Zugspitze», schwärmt Rad-Guide Marcus und zeigt auf die Wolkenwand. Macht nichts, die Landschaft ist trotzdem wunderschön; hügelig, grün, harmonisch. Um 10.30 Uhr weiss ich, dass ich etwas vergessen habe: Die Sonnenbrille fährt gerade in meinem Koffer zum nächsten Übernachtungsort.

Käsküche und Honig

Nach 21 Kilometern ist die Waldner Käskuche erreicht. Die Bauernfamilie Babel betreibt eine gläserne Käserei, eine Hausbrauerei, und alles, was auf den Teller kommt, soll auf dem eigenen Hof produziert worden sein – vom Steak bis zum Rahmglace. Auch bis zu 100 Gäste können auf dem Gelände wohnen und ein Raclettebüffet oder einen Bierbrauerabend mit Kesselfleischessen geniessen.

Das 13 Kilometer entfernte Seeg hat per Gemeindebeschluss eine Erlebnisimkerei aufgebaut, als die Autobahn am Ort vorbei geführt wurde und der Durchgangsverkehr wegfiel. Nun nennt es sich Bienendorf und vereint 55 Imker in seinem Verein. Über Hopferau erreicht man das Sudhaus Speiden, wo eine bayrische Bierverkostung angesagt ist. Uns gondelt ein Transferbus nach Irsee.

Tag 2 (Kloster-Runde: 48.5 Kilometer)

Besser ist das Wetter nicht geworden, aber da der Tag mit einer Führung durch das Kloster Irsee beginnt, dürfen erstmal Räumlichkeiten im barocken Benediktinerkloster besichtigt werden. Heute ein Tagungs- und Bildungszentrum, steht es auch zu seiner kirchlichen Vergangenheit und den unrühmlichen Jahren als Kreisirrenanstalt, zeitweise im Nationalsozialismus. Auf Asphaltstrassen und gekiesten Forstwegen geht es nach Kaufbeuren. Das 44 000-Einwohner-Städtchen hat einen mittelalterlichen Kern, der vom Crescentia-Kloster beherrscht wird.

Demut und Toleranz

Die Franziskanerinnen hätten keine Nachwuchssorgen, erzählt die 34-jährige Schwester Daniela. Dabei ist sie nicht einmal die Jüngste. Sie ist seit 11 Jahren dabei, und ja, für ihre Familie sei es schwer gewesen, ihren Weg zu akzeptieren. Zunächst absolvierte sie ein Studium in Sozialer Arbeit und Theologie.

Die kleine lokale Gemeinschaft mit 44 Schwestern entsprach jedoch ihrer Berufung. Schwester Crescentia (1682 – 1744) dient den Nonnen als Vorbild. «Als armes Mädchen wurde sie im Kloster gemobbt und hat sich durch ihre Demut höchste Anerkennung erarbeitet», berichtet Schwester Daniela.

Auch heute übt sich die Gemeinschaft in Bescheidenheit: «Wir bekommen oft die abgelaufenen Lebensmittel aus dem Supermarkt», sagt sie auf die Frage nach der Verpflegung, «dann müssen wir nichts kaufen.»

Auch Tagespolitik ist unter den Schwestern, von denen einige angestellten Tätigkeiten ausserhalb des Klosters nachgehen, ein Thema. «Muslime haben grössere Ehrfurcht vor einer Frau in Tracht», erzählt sie über die Begegnungen in der Stadt, «und von muslimischen Frauen kommt oft ein Lächeln — etwas verbindet uns.»

Es lohnt sich, an der Klosterpforte zu klingeln, den Innenhof und das kleine Crescentia-Museum zu besuchen. Auch die Gedenkstätte mit den Reliquien steht jedermann offen. Der Klosterberggarten gegenüber der Kirche ist ein Muss, denn von den Terrassen aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt.

Tag 3 (Schlosspark-Runde Stötten am Auerberg nach Lechbruck, Wieskirche, Forggensee: 54 Kilometer)

Diese Etappe führt auf der Dampflok-Runde, einer ehemaligen Eisenbahntrasse, an den smaragdgrün leuchtenden Lech. Auch die Via Claudia Augusta, eine alte Römerstrasse verlief hier nach Lechbruck. Das Flösserdorf hat die alte Tradition des Flössens für die Touristen wieder aufleben lassen.

Und es kommt noch besser: Bürgermeister Helmut Angl traut Paare standesamtlich auf dem Wasser. «Wir hatten auch schon eine Trauung mit einer Zürcher Braut und ihrem deutschen Bräutigam», erzählt er. «Es kamen 100 Leute, aber wir können maximal 50 auf dem Floss unterbringen. Deshalb hatten wir Tretboote als Begleitfahrzeuge – und daneben Dutzende von Schwänen, die Spalier geschwommen sind!»

Stimmung auf dem Floss

Die Flösser sind zünftig gekleidet und sorgen mit ihrem Getränkeangebot für Stimmung. Dienstags begleiten Alphornbläser die Rundfahrt; aber auch das stille Dahingleiten in der harmonischen Landschaft ist ein Genuss. Die Bahnstrecke, auf der wir geradelt waren, hatte die Flösser einst arbeitslos gemacht. Inzwischen ist auch der Schienentransport voLinkn Holz und Lechbrucker Sandstein Vergangenheit.

Über Steingaden mit einer weiteren grossen Klosteranlage gelangen wir zur barocken Wieskirche, UNESCO Welterbe. Der Mittagshalt findet in Halblech statt, wo die Trauchgauer Almstube mit Riesenportionen gegen Radlerhunger aufwartet. Am Staudamm am Nordende des Forggensees besteigen wir dann ein Kursschiff.

Die MS Füssen bringt uns in einer Stunde bequem in ebendiese Stadt. Da bleibt sogar noch Zeit für einen Rundgang. Das Stadtmuseum im Benediktinerkloster St. Mang erklärt, dass es 1562 so viele Lautenmacher gab, dass sie eine Zunft gründeten. Später bauten sie herrliche Geigen, worauf Füssen als «Cremona des Nordens» galt.

Tag 4 (Burgen- und Schlösserrunde mit Abstecher auf den Falkenstein: 59 Kilometer)

In Füssen hat man die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau bereits im Blick. Nach drei Kilometern steht man davor – und hat mit Vorteil bereits online sein Zeitfensterticket gesichert, sonst könnte stundenlanges Warten angesagt sein. Die geführte Tour durchs «Märchenschloss» Neuschwanstein dauert keine halbe Stunde, ist aber ein unvergessliches Erlebnis.

Alternativ oder ergänzend ist ein Besuch des neuen Museums der Bayrischen Könige sehr zu empfehlen. Das klar strukturierte Haus am Alpsee vermittelt die Geschichte des Wittelsbacher Adels und damit der Könige, die diese Landschaft mit ihren architektonischen Preziosen prägten. Denn bei der weiteren Fahrt durchs österreichische Ranzental und Vils kann man die Ruine Falkenstein auf 1267 Metern erklimmen. Hier war König Ludwig II. nächstes Traumschloss geplant.

Ludwigs nächstes Schloss

Nach einer Stärkung im Burghotel, einem einzigartigen Hide-away mit 360-Grad-Blick, informiert eine kleine Ausstellung über den nicht vollendeten Bau: Optisch wiederum einer romantischen Ritterburg nachempfunden, sollte das Prestigeprojekt auf einem frei stehenden Felsen in den blau-weissen bayrischen Himmel wachsen.

Der König beschäftigte sich schon seit Jahren intensiv mit der byzantinisch-inspirierten Innengestaltung; dabei war Neuschwanstein noch nicht einmal fertig und das Land hoch verschuldet. Wer den spektakulären Standort sieht, kann sich vorstellen, warum der Regent beiseite geschafft wurde und unter ungeklärten Umständen im Starnberger See starb. Das Burghotel profitiert jedoch noch heute von der bereits angelegten Zufahrtsstrasse und der Wasserleitung.

Auf der Schussfahrt Richtung Pfronten werden wir noch einmal nass bis auf die Unterwäsche. Das Wetter hat sich nicht gebessert, aber das ist kein Grund, nicht noch einmal wiederzukommen. Uns erwartet das 4*-Hotel Sommer in Füssen, das speziell auf Velofahrer eingestellt ist. Für uns Schlosspark-Runden-Tester zählt der grosszügige Spa-Bereich am meisten, wo sich die Muskeln in der Seepanorama-Sauna wieder entspannen.

www.schlossparkrunde.de

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