Wenn der Schädel brummt

Häufiges Kopfweh kann einem das Leben ganz schön vermiesen. Wer mehrmals pro Monat von Kopfschmerzen geplagt wird, sollte sich Hilfe holen.

Kopfschmerzen treten meist in Belastungssituationen auf.  In seltenen Fällen deuten sie aber auch auf eine gefährliche Krankheit hin.

Kopfschmerzen treten meist in Belastungssituationen auf. In seltenen Fällen deuten sie aber auch auf eine gefährliche Krankheit hin. Bild: Shotshop

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Die meisten Menschen hat sein schwaches Organ. Während die einen in Belastungssituationen zu Bauchschmerzen oder Durchfall neigen und andere schlecht schlafen, reagieren Dritte mit Kopfweh. «Viele Betroffene entwickeln bereits vom Jugendalter an Kopfschmerzen bei Stress, Schlafmangel, Beziehungsproblemen oder anderen Belastungen», weiss Andreas Horst, der bis im Oktober Chefarzt der Neurologie am Kantonsspital Winterthur war und nun in eine neurologische Praxis in Baden gewechselt hat.Die beiden häufigsten Arten sind Spannungskopfschmerzen und Migräne (siehe Box). Während Spannungskopfschmerzen bei beiden Geschlechtern gleich häufig auftreten, leiden Frauen deutlich öfter unter Migräne als Männer. Sie wird häufig von äusseren Umständen wie Föhn oder bevorstehendem Wetterwechsel hervorgerufen. «Es scheint, dass das Gehirn von Migränikern sensibler ist für solche Reize», sagt Horst. Erwiesen ist aber auch eine genetische Veranlagung. Zudem spielen die Östrogene – weibliche Geschlechtshormone – eine bedeutende Rolle. Viele Frauen sind vor der Menstruation besonders anfällig. Nach der Menopause entspannt sich die Situation meistens.

Tagebuch führen

Wer mehrmals im Monat von Kopfschmerzen geplagt wird, sollte sich Hilfe holen. In der Regel ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Häufig überweist er Betroffene zu einem Neurologen oder auch in ein spezielles Kopfschmerz-Zentrum, wie es etwa die Klinik Hirslanden in Zürich betreibt. Am Anfang einer Behandlung stehe stets eine ausführliche Anamnese, erklärt Andreas Horst. «Die Patienten schildern uns genau, wann, wo und wie sie ihr Kopf plagt.» Anhand eines Kopfweh-Tagebuchs, das sie über sechs Wochen hinweg führen, versucht man danach gemeinsam, Muster zu erkennen. So wird zum Beispiel deutlich, ob das Leiden vermehrt an Montagen oder Samstagen auftritt oder ob es spezielle Auslöser gibt. Die Betroffenen sollen sich klar werden, wo sie selber etwas unternehmen können - zum Beispiel Sport treiben oder sich mit Yoga oder anderen Techniken entspannen, erklärt Horst. «Vor allem geht es darum, herauszufinden, wovon man im Leben zu wenig oder zu viel hat und wovon man sich befreiten sollte.»

Zwei Seiten der Medikamente

Sich mit dem eigenen Lebensstil auseinanderzusetzen und allenfalls sein Verhalten zu ändern, ist aber keine einfache Aufgabe. Vielen fällt es leichter, ein Medikament einzunehmen. Sporadisch zu einem rezeptfreien Schmerzmittel zu greifen, sei in Ordnung, sagt Andreas Horst. Er empfiehlt meist Arzneimittel mit Wirkstoffen wie Paracetamol oder Ibuprofen. «Auf keinen Fall sollte das aber häufiger als zweimal wöchentlich vorkommen», betont der Arzt. Denn es bestehe die Gefahr, dass Kopfschmerzen gerade durch den häufigen Gebrauch von Medikamenten ausgelöst werden.

Manchmal sei dann ein richtiggehender Entzug nötig, oft sogar stationär im Spital. Denn sobald man die Tabletten absetzt, wird das Kopfweh noch stärker. Besser sei, mit dem Arzt über einen gezielten Umgang mit Schmerzmitteln zu sprechen, bevor es soweit kommt, stellt Horst klar. «Bevor man zu Tabletten greift, sollte man es zudem mit sanfteren Methoden probieren: Linderung verschaffen können auch Massnahmen wie Ruhe, Kälte- oder Wärmepackungen oder die Schläfen mit Pfefferminzöl einreiben.»

Nicht zu lange warten

Bei hartnäckigen, wiederkehrenden Beschwerden stehen weitere rezeptpflichtige Medikamente zur Verfügung. Gegen Migräne sind meist solche mit dem Wirkstoff Triptane angezeigt. Wichtig sei, dass man die Medikamente richtig einnimmt, sagt Horst: «Nicht zuwarten, bis das Leiden voll da ist, sondern bereits wenn es sich ankündigt, eine genügend starke Dosis schlucken.»

Eine weitere Möglichkeit ist die medikamentöse Prävention. Sie ist angezeigt, wenn jemand mehr als dreimal monatlich starke Beschwerden hat. Ziel ist, die Anzahl Kopfwehtage zu reduzieren. Zum Einsatz kommen Medikamente, die für einen anderen Zweck entwickelt wurden, bei denen aber als positive Nebenwirkung ein Rückgang der Häufigkeit von Kopfschmerzen beobachtet wurde. Das sind zum Beispiel Beta-Blocker, die sonst bei Herzbeschwerden und Bluthochdruck zum Einsatz kommen, antiepileptische Medikamente oder hoch dosiertes Magnesium. Bei Frauen, bei denen der Monatszyklus eine Rolle spielt, kann eine hormonelle Verhütung viel bewirken.

Wer mehrmals im Monat unter Kopfweh leidet und deswegen nicht arbeiten kann oder andere Aktivitäten absagen muss, sollte sich bei einem Arzt Hilfe holen, stellt Andreas Horst klar. «Wir können nicht zaubern. Aber zusammen mit dem Patienten lässt sich fast immer ein Weg finden, um das Problem deutlich zu verbessern.» Wenn jemand statt jede Woche nur noch einmal alle zwei Monate Migräne hat, sei schon viel erreicht.

Kopfschmerz als Alarmsignal

In seltenen Fällen können sich auch gefährliche Krankheiten in Form von Kopfschmerzen bemerkbar machen. Man spricht dann von sekundären Kopfschmerzen. Als Ursachen kommen Bluthochdruck, Entzündungen der Zähne und Nasennebenhöhlen, Kieferfehlstellungen, ein erhöhter Augendruck, Grippe, Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Tumoren infrage.

«Ein explosionsartiger Kopfschmerz, der wie ein Donnerschlag beginnt und sich danach ausbreitet, sollte sofort abgeklärt werden», sagt Biljana Rodic, neue Chefärztin der Neurologie am Kantonsspital Winterthur. Dies könnte ein Hinweis auf eine Hirnblutung sein. Ein Warnzeichen sei auch, wenn neurologische Begleitsymptome wie Verwirrung, Veränderung der Persönlichkeit, Seh-, Sprach-, Sprech-, Gefühls- oder Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen hinzukommen.

Alarmsignale sind zudem hohes Fieber, Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit. Sie deuten auf eine Hirnhautentzündung hin. Bei zunehmenden Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr, begleitet von Gewichtverlust und Kau- oder Muskelschmerzen, besteht der Verdacht auf eine Entzündung der Blutgefässe im Kopf. «Wegen drohender Gefahr einer Erblindung ist auch hier eine schnelle Abklärung notwendig», betont Biljana Rodic. Ein Hinweis auf eine körperliche Ursache sei zudem, wenn jemand bisher nur selten und nicht in dieser Intensität und Häufigkeit an Kopfschmerzen gelitten hat, oder wenn die Beschwerden sich therapieresistent zeigen. Eine mögliche Ursache könnte eine Hirnnerventhrombose sein.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 04.01.2018, 16:54 Uhr

Kopfweh-Arten

Kopfweh ist nicht gleich Kopfweh

Generell gibt es zwei Kategorien von Kopfschmerzen: Primäre und sekundäre. Erstere haben keine nachweisliche körperliche Ursache, die zweite Gruppe tritt als Folge von anderen Krankheiten auf. Insgesamt unterscheiden Ärzte zwischen über 250 Varianten. Zu den häufigsten primären Kopfschmerzen gehören Spannungs- und Clusterkopfschmerzen sowie Migräne.

Spannungskopfschmerzen: Leichtes bis mittelschweres Leiden, das im gesamten Kopf auftritt und sich drückend oder ziehend anfühlt, jedoch nicht pulsierend. Die Beschwerden können zwischen dreissig Minuten und einer ganzen Woche andauern.
Migräne: Meist ein anfallartiger, pulsierender Schmerz, der nur in einer Kopfhälfte auftritt und von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein kann. Häufig geht dem Anfall eine Aura mit Seh- oder Sensibiltätsstörungen voraus.

Clusterkopfschmerzen: Extrem heftige, einseitige Attacken im Bereich von Schläfe und Auge, der Betroffene oft mitten in der Nacht aufwachen lässt. Die Schmerzen dauern meist zwischen 15 Minuten und drei Stunden. Das Leiden tritt periodisch auf, während Patientinnen und Patienten dazwischen über Monate oder Jahre beschwerdefrei sein können.

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