Boeing-Absturz zeigt Ähnlichkeiten mit Crash in Indonesien

Die ersten Resultate der ausgewerteten Flugschreiber der bei Addis Abeba verunglückten Maschine sind bekannt. Der Flugzeughersteller hat inzwischen reagiert.

Untersucht: Einer der beiden Flugschreiber der abgestürzten Boeing. (14. März 2019)

Untersucht: Einer der beiden Flugschreiber der abgestürzten Boeing. (14. März 2019)

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Die Auswertung der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Boeing 737 Max 8 mit 157 Menschen an Bord lässt nach Dafürhalten der äthiopischen Regierung auf «klare Ähnlichkeiten» mit dem Absturz einer baugleichen Maschine in Indonesien im vergangenen Jahr schliessen. Das erklärte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges am Sonntag, nachdem französische Experten die Daten der sogenannten Blackboxes ausgelesen hatten.

Die Flugschreiber seien in gutem Zustand und hätten die Auswertung «von fast allen erfassten Daten» ermöglicht. Die Regierung werde in einem Monat einen detaillierten Bericht dazu veröffentlichen, so die Ministerin weiter.

Die Flugschreiber zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache wohl entscheidend sein werden. Die Blackboxes der vergangenen Sonntag abgestürzten Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren seit Freitag von der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA ausgewertet worden. Die Behörde übergab die Daten an Äthiopien. Bei dem Absturz von Flug ET 302 nahe der Hauptstadt Addis Abeba waren alle 157 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Steuerungssoftware als Auslöser?

Im Oktober war in Indonesien eine ebenfalls relativ neue Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air abgestürzt. Dabei kamen fast 200 Menschen ums Leben. Ermittler vermuten, dass eine von Boeing eigens für die neue Flugzeugreihe entwickelte Steuerungssoftware ein wichtiger Auslöser des Absturzes gewesen sein könnte. Sollte die Software auch nach dem jüngsten Crash im Mittelpunkt stehen, würde der Druck auf Hersteller Boeing weiter steigen.

Nach dem jüngsten Crash erliessen Luftfahrtbehörden rund um die Welt daher bis zur Klärung der Unglücksursachen ein Flugverbot für die Boeing 737-Max-Reihe. Die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen daher am Boden bleiben. Boeing will in den kommenden Wochen ein Update für die inzwischen kritisch beäugte Steuerungssoftware an die Airline-Kunden verteilen.

Video: Der Hoffnungsträger der Boeing

Die Boeing 737 Max galt einst als Hoffnungsträger. Nun bleibt sie vorerst am Boden. (Video: Tamedia)

Für Boeing sind die Zweifel an dem Kassenschlager – der US-Konzern hat noch fast 5000 offene Bestellungen für die Flugzeugreihe – ein ernsthaftes Problem. Es drohen Entschädigungsforderungen. Der Aktienkurs des US-Luft- und Raumfahrtkonzerns fiel vergangene Woche drastisch.

Offenbar in der Schlussphase

Boeing ist nach eigenen Angaben in der Schlussphase bei der Modernisierung einer möglicherweise fehlerhaften Software an Bord des betroffenen Flugzeugtyps. Das Software-Update und das Piloten-Handbuch zur Bedienung des sogenannten Trimmsystems MCAS seien auf der Zielgeraden, sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg am Sonntagabend MESZ.

Boeing hatte in der vergangenen Woche angekündigt, innerhalb der kommenden zehn Tage die Software-Modernisierung abschliessen zu wollen. Die Überarbeitung der Software hatte den Angaben zufolge bereits vor dem jüngsten Unglück begonnen. MCAS ist in den Verdacht geraten, für den Absturz beiden Boeings in Äthiopien und Indonesien verantwortlich zu sein.

MCAS soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äusserst unregelmässiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen, sanken anschliessend unkontrolliert ab und schlugen steil auf dem Boden auf.

Trauergottesdienst in Addis Abeba

In Addis Abeba gedachten am Sonntag Tausende mit einem Trauergottesdienst der 157 Todesopfer. Im Rahmen der Zeremonie wurden 17 leere Särge in der Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit beigesetzt. Jeder Sarg, eingehüllt in die Flagge des ostafrikanischen Landes, stand symbolisch für eines der äthiopischen Opfer.

Die Identifikation der sterblichen Überreste werde bis zu sechs Monate dauern, erklärte die Verkehrsministerin. Die Behörden hätten DNA-Proben von den Angehörigen eingesammelt. Mit diesen würde ein internationales Expertenteam nun an der Identifikation arbeiten, sagte sie. Unter anderem wegen der Wucht des Aufpralls gilt eine Identifikation der sterblichen Überreste als extrem schwierig.

(fal/sda/afp)

Erstellt: 17.03.2019, 22:32 Uhr

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