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Spital in RichterswilDas Paracelsus-Spital schliesst in den nächsten Tagen

Das Paracelsus-Spital hatte um Nachlassstundung gebeten, um den Konkurs abzuwenden. Nun ist klar: Dieser Hilfeschrei war vergeblich. Das Spital ist am Ende.

Das Paracelsus-Spital muss Teile seines Betriebs noch diesen Monat einstellen.
Das Paracelsus-Spital muss Teile seines Betriebs noch diesen Monat einstellen.
Archivfoto: Michael Trost

Nun ist es definitiv: Das Paracelsus-Spital Richterswil ist am Ende. Das teilt das Spital am Montag mit. Bereits am 23. November schliesst mit der Notfallstation eine erste Abteilung. Die anderen stationären Bereiche – Geburtshilfe, innere Medizin, Kardiologie, Chirurgie, Urologie, integrative Onkologie und Radiologie – folgen bis zum 27. November.

Vor drei Wochen erst hatte das Spital mitgeteilt, dass es Nachlassstundung beantragt und vom Bezirksgericht Horgen gewährt bekommen habe. Bis Ende Jahr hätte das kleine Spital mit dem breiten Angebot Zeit gehabt, einen Nachlassvertrag mit seinen Gläubigern auszuarbeiten – geschützt vor einer Betreibung oder Konkurseröffnung. Das Ziel wäre gewesen, einen oder mehrere Kooperationspartner zu finden, um die Auslastung zu verbessern.

Hätte. Wäre. Denn das Spital, das notabene auf der Zürcher Spitalliste steht, zieht nun bereits deutlich vor Ablauf dieser Frist einen Schlussstrich.

Alle Interessenten abgesprungen

Jürgen Robe ist CEO der NSN Medical AG, die das Spital seit sieben Jahren betreibt, neben acht weiteren Unternehmen wie der Limmatklinik oder der Eulachklinik. Er sagt: «Wir haben in den letzten Wochen intensive Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern geführt, um Perspektiven für eine künftige Zusammenarbeit oder eine Übernahme des Spitals auszuloten.» Leider sei es in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht gelungen, einen geeigneten Partner zu finden.

Am 16. November muss Jürgen Robe mitteilen, dass das Paracelsus-Spital, das beinahe 150 Jahre alt ist, als kleines Spital mit dem breiten Angebot am Ende ist.
Am 16. November muss Jürgen Robe mitteilen, dass das Paracelsus-Spital, das beinahe 150 Jahre alt ist, als kleines Spital mit dem breiten Angebot am Ende ist.
Archivfoto: Reto Schneider

Gespräche hätten mit potenziellen Partnern in den Bereichen Spital, Alterspflege und integrierte Leistungen stattgefunden. «Es war sogar jemand aus dem Ausland darunter», sagt ein hörbar betroffener Robe. «Leider haben sich alle mit ganz unterschiedlichen Argumenten zurückgezogen.» Auf einen Partner wäre das Spital angewiesen, um seine Auslastung zu verbessern. «Das ist uns nicht gelungen, und so, wie wir jetzt aufgestellt sind, lässt sich der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten.»

Das beinahe 150 Jahre alte, traditionsreiche Spital kämpft schon lange mit finanziellen Schwierigkeiten. Im Oktober hatte die Geschäftsleitung die zunehmenden regulatorischen Ansprüche und das schwierige Marktumfeld als Gründe angegeben – hinzu kommt die Corona-Pandemie. Sie kostet das Spital im doppelten Sinn viel: Es musste eine Covid-Station einrichten – die weitgehend leer blieb –, trotzdem sanken die Fallzahlen weiter.

«Für alle Beteiligten besser»

Warum aber nützt die Klinik die Gnadenfrist nicht aus? Robe hat eine einfache Erklärung: «Wir sehen keine Option mehr. Unser Hauptaugenmerk gilt nun den verbleibenden Patienten.» Denn verschiedene Mitarbeiter seien bereits auf dem Absprung. «Und wir legen ihnen auch keine Steine in den Weg. Aber wir müssen schauen, dass wir noch genügend Mitarbeiter an Bord haben, um die Behandlungsqualität beibehalten zu können.» In diesem Sinn sei es für alle Beteiligten besser, nun rasch einen Schlussstrich zu ziehen.

In stationärer Behandlung seien zurzeit 15 bis 25 Patienten. Um die Behandlungsqualität für die Patienten, aber auch allfällige Nachfolgebehandlungen sicherzustellen, eine geordnete Übergabe der Krankengeschichten und eine gute Abwicklung der Schliessung zu gewährleisten, stehe das Spital in regelmässigem und engem Austausch mit verschiedenen Partnerspitälern, aber auch der kantonalen Gesundheitsdirektion.

Heute ist ein furchtbarer Tag für mich.

Jürgen Robe, CEO NSN Medical AG

Die Leistungen im Bereich Geburtshilfe werden für die Patientinnen der Frauenklinik ab Montag, 23. November, durch das Spital Lachen sowie das Spital Einsiedeln angeboten, um eine nahtlose Betreuung zu gewährleisten. «Diese bieten ebenfalls komplementäre Leistungen an», sagt Robe.

Ambulante Onkologie wird weitergeführt

Die ambulante Onkologie – also zum Beispiel Chemotherapie oder Immuntherapien – werde dagegen durch die verantwortlichen Ärzte in Richterswil weitergeführt. «Das ist unser erklärtes Ziel, auch über den 27. November hinaus», sagt Robe. «Ob das weiterhin im dritten Obergeschoss des Spitals der Fall sein wird oder allenfalls im medizinischen Zentrum Chrummbächli, das wissen wir noch nicht. Wir stehen zurzeit in Verhandlungen mit unserem Vermieter.»

Um sich etwas Luft zu verschaffen, hatte das Spital vergangenes Jahre ihre vier Liegenschaften an die Zürcher Immobilienfirma Senioresidenz AG verkauft. Diese fokussiert in ihrem Portfolio auf Seniorenimmobilien und Pflegeeinrichtungen. Der Mietvertrag läuft eigentlich bis Ende 2039.

Es ist das erklärte Ziel der Geschäftsleitung, dass die hauseigene Apotheke in Richterswil durch andere Betreiber weitergeführt wird.
Es ist das erklärte Ziel der Geschäftsleitung, dass die hauseigene Apotheke in Richterswil durch andere Betreiber weitergeführt wird.
Archivfoto: TA

Betroffen von der Schliessung sind auch die Paracelsus-Apotheke in Richterswil sowie das Paracelsus-Zentrum Sonnenberg in Zürich. Es ist jedoch das erklärte Ziel der NSN Medical, dass diese Bereiche durch andere Betreiber weitergeführt werden. Sie sollen ausserhalb des Spitals in neuen organisatorischen Einheiten erhalten bleiben, schreibt das Spital.

50 bis 60 Stellen retten

Das Paracelsus-Spital beschäftigt zurzeit laut Robe 200 Mitarbeiter. «200 Menschen, nicht Stellenprozente», wie Robe betont, «viele von ihnen arbeiten Teilzeit.» Die meisten von ihnen müssen sich nach einer neuen Stelle umsehen. Ein Teil der Belegschaft werde von Partnerspitälern, welche die Patienten des Paracelsus-Spitals künftig betreuen, übernommen. ««Wir hoffen, durch Verlagerung in die Unternehmen der NSN sowie durch Auslagerung von erhaltbaren Bereichen mindestens 50 bis 60 Stellen retten zu können», sagt
Jürgen Robe.

Die Spitalleitung sei zuversichtlich, dass auch für die anderen Mitarbeitenden eine geeignete Stelle zur Weiterbeschäftigung gefunden werden könne. Alle Mitarbeitenden würden aktiv bei der Stellensuche unterstützt. «Verschiedene Spitäler haben bereits Interesse an unseren Mitarbeitenden zum Ausdruck gebracht.»

Robe führt dies alles sachlich aus. Plötzlich aber fügt er hinzu: «Heute ist ein furchtbarer Tag für mich.» Alles sei extrem belastend. «Aber es ist meine Verantwortung, dass wir wenigstens zu einem guten Abschluss kommen.» Die anderen acht Unternehmen der NSN Medical sieht Robe übrigens nicht in Gefahr, sie seien stabil.

Dass es zu einer Teilschliessung kommt, ist äusserst schade.

Marcel Tanner (FDP), Gemeindepräsident Richterswil

Richterswils Gemeindepräsident Marcel Tanner (FDP) bezeichnete die erste Nachricht über die Lage des Spitals bereits letzten Monat als schockierend. Mit 200 Mitarbeitern ist das Paracelsus-Spital eine der grössten Arbeitsgeberinnen der Gemeinde. «Dass es nun zu einer Teilschliessung kommt, finde ich äusserst schade für unsere Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Mitarbeitenden.» Dass gerade jetzt, da die Corona-Fallzahlen stiegen, ein Spital schliessen müsse, stimme ihn nachdenklich.

1 Kommentar
    edith schmidt

    warum einen spital schliessen mitten in corona wo alle plätze und angestellte gebraucht werden???? das soll uns mal jemand erklären!