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Coronavirus in der Schweiz+++ Berset: «Es wird nicht genügend getestet» +++ 13 Fälle in Waadtländer Hotel

Die Kantone müssen ihre Bemühungen bei den Tests weiter verstärken, sagte der Bundesrat am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit Montag ist die Schweiz im zweiten Lockdown. Die neuen Massnahmen gelten bis zum 28. Februar.

  • Die Zahlen zu den Corona-Mutationen aus Grossbritannien und Südafrika steigen rasch an. Gesamthaft sinken die Fallzahlen aber seit Tagen leicht.

  • Alle Kantone haben mit dem Impfen von gefährdeten Personen begonnen.

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13 Corona-Fälle in Hotel im Waadtländer Skigebiet Villars-Gryon

In einem Hotel im Waadtländer Skigebiet von Villars-Gryon/Les Diablerets haben sich 13 Hotelangestellte mit dem Coronavirus angesteckt. Sie wurden isoliert und in Quarantäne gesetzt. Von den Hotelgäste blieben alle verschont.

Ein mobiles Team nahm am Donnerstagmorgen Schnelltests bei den Gästen im Hotel «RoyAlp» vor, nachdem am Vortag die Fälle im Personal festgestellt worden waren, wie die Waadtländer Behörden am Donnerstagabend mitteilten.

Gäste der vergangenen Woche seien benachrichtigt worden. Im Ort selbst wurde bislang kein weiterer Coronavirus-Cluster, keine Ballung von Fällen, entdeckt.

Piste im Waadtländer Skigebiet Villars-Gryon/Les Diablerets.
Piste im Waadtländer Skigebiet Villars-Gryon/Les Diablerets.
Foto: Leandre Duggan (Keystone)
Berset: «Es wird noch immer nicht genügend getestet»

Die Kantone müssen ihre Bemühungen bei den Tests auf das Coronavirus weiter verstärken. Dazu forderte Gesundheitsminister die Kantone am Donnerstag auf.

«Es gibt noch immer Potential, mehr Leute zu testen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Donnerstag vor den Medien in Bern. Insbesondere auch an Altersheimen und an Schulen müsse mehr getestet werden.

Das sagen Berset und Engelberger zur Impfaktion.
SRF

«Wir haben das den Kantonen gesagt», sagte Berset nach einem Treffen mit Vertretern der kantonalen Gesundheitsdirektionen. Man müsse insbesondere auch Menschen ohne Symptome testen. Dies sei erkennbar am Positivitätswert der Tests, der immer noch bei durchschnittlich zehn Prozent liege. Das sei zu hoch, um die Situation unter Kontrolle zu haben, sagte Berset.

Auch die Kontaktnachverfolgung müsse intensiviert werden. Diese sei entscheidend für die Situation, insbesondere aufgrund der verschiedenen Mutationen. Die Kantone müssten deswegen auch die Kontakte der Kontakte unter Quarantäne stellen, dass sei eine Mehrarbeit

Insgesamt stünden die Kantone mit der Impfaktion vor «sehr grossen Herausforderungen», sagte Berset. Die Entwicklung sei aber sehr wichtig. «Wir müssen wirklich dranbleiben», sagte der Gesundheitsminister.

Zahlen nach Festtagen nicht explodiert

Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), sagte an der Medienkonferenz, dass die Lagebeurteilung der Kantone entsprechend vorsichtig sei. Es gebe aber sehr positive Elemente in der Lagebeurteilung. So gebe es keinen Festtags-Effekt in den Fallzahlen mehr, und diese seien nicht explodiert.

«Die Menschen haben sich um die Weihnachtszeit sehr diszipliniert verhalten,» sagte Engelberger. Das schlage sich nieder in sinkenden Zahlen. «Das ist von sehr grosser Bedeutung und muss so bleiben», sagte er. Denn die verschiedenen Mutationen machten den Kantonen Sorgen.

Bund informiert ab Freitag regelmässig über Impfzahlen

Nach mehrmaliger Verschiebung des Termins hat Bundesrat Berset nun versprochen, dass ab Freitag zwei Mal wöchentlich über die Impfzahlen in allen Kantonen informiert wird. Die Kantone hätten eine Meldepflicht. Ziel müsse es sein, die Impfkapazitäten schnellstmöglich zu erhöhen.

Die ab Freitag aufgeschaltete Statistik soll laut Berset Aufschluss geben darüber, wie viele Impfungen die Kantone bisher durchgeführt hätten, wie viele Impfdosen verabreicht worden seien und wie viele Personen bereits geimpft seien.

«Die Impfkapazitäten sind vorhanden, müssen aber stetig vergrössert werden», sagte Berset vor den Bundeshausmedien. Ab Februar werde die Schweiz «mehr bis viel mehr» Impfdosen erhalten.

Berset formulierte zudem das Impfziel. Ab Februar müssten in allen Kantonen täglich 525 Dosen pro 100'000 Einwohner verabreicht werden, dies an sieben Tage pro Woche. Im Juni müsse die Impfkapazität dann drei Mal höher sein, also täglich 1550 Dosen pro 100'000 Einwohner betragen.

So viele wurden in der Schweiz schon geimpft

Berset: Kantone müssen vorwärts machen

Die Kantone sollen laut Gesundheitsminister Alain Berset bei den Impfungen vorwärts machen. Er hat sich am Donnerstag mit den Kantonen ausgetauscht und abgeklärt, was die Lieferengpässe bei Pfizer/Biontech bedeuten.

Mit Lieferverzögerungen beim Impfstoff habe immer gerechnet werden müssen, sagte Berset vor den Bundeshausmedien. Bei den Impfungen gebe es nun eine Verlangsamung. Das sei aber nicht nur in der Schweiz so, sondern ganz Europa sei betroffen. Deswegen habe der Bund von Anfang an auf verschiedene Impfstoffe gesetzt.

Die Entwicklung der Zahlen sei erfreulich. Es gebe aber noch grosse Unterschiede bei den Kantonen. Die Reproduktionszahl liege gesamtschweizerisch unter 1. «Wir haben uns gegenseitig über die Feiertage geschützt.»

Jedoch verdoppelten sich die Fälle der neuen ansteckenderen Virusvarianten jede Woche. Diese Entwicklung sei noch nicht gestoppt. (SDA)

Bundesrat will Corona-Quarantäne auf sieben Tage verkürzen

Der Bundesrat will die zehntägige Coronavirus-Quarantäne auf sieben Tage verkürzen. Bedingung ist ein negativer Test am siebenten Tag. Der Vorschlag ist bei den Kantonen in der Vernehmlassung.

Nach dem Kontakt zu einem Coronavirus-Infizierten oder der Rückkehr aus einem Risikogebiet gilt eine Quarantänepflicht von zehn Tagen. Auf Betreiben der Wirtschaftsverbände und Sozialpartner schlägt der Bundesrat mit der Änderung zweier Covid-19-Verordnung eine Verkürzung. Er veröffentlichte seine Vorschläge am Donnerstag.

Für die Verkürzung stehen drei Varianten zur Auswahl

  • In einer ersten soll diese Kontaktquarantäne aufgehoben werden, wenn am siebenten Tag ein Test auf das Virus negativ ausfällt.

  • Variante zwei sieht vor, die Betroffenen aus der Quarantäne zu entlassen, wenn der Test am ersten Tag der Massnahme und am siebenten Tag negativ ist.

  • Die dritte Variante verlangt von den unter Quarantäne Stehenden zur Aufhebung der Massnahme einen negativen Test am fünften Tag nach dem letzten Kontakt zum Infizierten. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass nach dem fünften Tag einer Infektion noch viele Menschen Symptome entwickeln.

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) gibt der Test- und Freigabestrategie in der ersten Variante den Vorzug. So lasse sich bei geringem Risiko weiterer Infektionen und vertretbarem Aufwand für die Kantone ein grosser Nutzen für die Betroffenen erzielen, schreibt der Bundesrat.

Solothurn: Maskenpflicht ab fünfter Klasse

Primarschülerinnen und -schüler ab der fünften Klasse im Kanton Solothurn müssen ab kommendem Montag eine Maske tragen. Ausserdem gehen die Kantons- und Berufsschulen ab dann in den Fernunterricht.

Die Maskenpflicht ab der fünften Klasse gilt voraussichtlich bis mindestens Ende Februar, wie die Solothurner Staatskanzlei am Donnerstag mitteilte. Mit der Massnahme solle ein Beitrag geleistet werden, damit der Präsenzunterricht möglichst lange aufrechterhalten werden könne und die Lehrerinnen und Lehrer besser geschützt würden.

Der Fernunterricht für Kantons- und Berufsschüler soll dazu dienen, die Mobilität im öffentlichen Verkehr zu reduzieren und damit die Risiken einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren.

Teil der Massnahmen fällt auf Sportferien

Betroffen sind 11'000 Schüler und Lernende, und zwar bis Ende Februar. Zwei der fünf Wochen, für welche die Massnahme gilt, sind Sportferien. Die Schulen sind laut der Staatskanzlei auf die neue Situation vorbereitet, da sie bereits in der ersten Januarwoche Fernunterricht erteilt hatten.

Von der Vorschrift des Fernunterrichts gibt es Ausnahmen. So sind die überbetrieblichen Kurse und die kantonalen Lehrwerkstätten von der Regelung ausgenommen. Auch können Prüfungen in bestimmten Fällen vor Ort durchgeführt werden. Zudem sind Laborarbeiten und andere wichtige Aktivitäten mit nötiger Präsenz in der Schule zugelassen. Schliesslich darf der Unterricht für Schüler oder Lernende mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, wie zum Beispiel Integrationsangebote, vor Ort veranstaltet werden.

Am Donnerstagmorgen wurde bekannt, dass die Corona-Massnahmen an Zürcher Schulen verstärkt werden. Dort gilt eine Maskenpflicht für Schüler ab der vierten Klasse.

Bisher 582 Ansteckungen mit Mutationen des Coronavirus

Bis am Donnerstag sind in der Schweiz und in Liechtenstein 582 Infektionen mit einem mutierten Coronavirus aufgetreten. Das gab das Bundesamt für Gesundheit bekannt. Am Mittwoch lag die Zahl bei 479.

Mit der britischen Mutation B1.1.7 (oder 501Y.V1) steckten sich seit ihrem ersten Auftreten im Oktober in der Waadt 306 Personen an, wie das BAG auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Der südafrikanischen Variante B1.351 (oder 501Y.V2) liessen sich zwölf Infektionen zuordnen und damit gleich viel wie am Vortag.

Zudem zählte das Bundesamt 264 Ansteckungen durch ein Coronavirus mit ungeklärter Mutationslinie. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Mittwoch mit 186 registrierten Fällen.

Am meisten Ansteckungen mit Mutationen des Virus gab es mit 112 in Genf gefolgt vom Kanton Bern (110). Die Mutationen sind in 16 Kantonen und im Fürstentum Liechtenstein verbreitet.

Die Zahlen seien allerdings mit Vorsicht aufzunehmen, schränkte das BAG ein. Die Summen nach Kantonen und das Total seien nicht repräsentativ und nur als beschreibende Information zu betrachten. Die Zahlen stellten starke Unterschätzungen in Kantonen dar, in welchen nur in wenigen oder keinen Proben mittels Gen-Sequenzierung nach den Mutationen gesucht wurde.

BAG meldet 2205 Neuansteckungen

Dem BAG sind innerhalb der letzten 24 Stunden 2205 neue Ansteckungen gemeldet worden. Am Donnerstag vor einer Woche waren es 2474 Fälle, vor zwei Wochen 3975. Die Positivitätsrate beträgt 7,8 Prozent.

Es gab 93 neue Spitaleinweisungen und 47 Todesfälle. Zum Vergleich: Am Donnerstag vor einer Woche wurden 106 Spitaleinweisungen und 53 Todesfälle gemeldet, vor zwei Wochen 196 Spitaleinführungen und 75 Todesfälle.

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Spitex-Personal wünscht raschen Zugang zu Tests und Impfung

Spitex-Mitarbeitende, die täglich engen Kontakt mit Risikogruppen sowie mit Covid-positiven Menschen haben, sollen rasch und unentgeltlich getestet und in erster Priorität geimpft werden. Diese Forderung hat der Dachverband Spitex Schweiz am Donnerstag erhoben.

Gerade während der Pandemie seien ambulante Pflege und Unterstützung durch die Spitex wichtiger denn je, heisst es in einer Medienmitteilung. Mit breit angelegten Tests und Impfungen des Spitex-Personals könne dazu beigetragen werden, dass die spital-externe Gesundheitsversorgung zu Hause weiterhin sichergestellt sei.

Es brauche rechtliche Bestimmungen, die ein unkompliziertes und regelmässiges Testen des Personals ermöglichten. Die Kosten müssten von den ordentlichen Finanzierern übernommen werden und seien nicht durch das Personal oder die Betriebe zu decken.

«Das Kriterium für eine prioritären Zugang zur Covid-Impfung muss der tägliche nahe Kontakt zu Covid-Kranken und besonders gefährdeten Personen sein», schreibt Spitex Schweiz.

Gemäss einer am 7. Januar vorgestellten Studie des Tessiner Spitalverbundes haben Gesundheitsfachpersonen kein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Am gefährlichsten ist demnach die Arbeit für die Mitarbeitenden der Spitex. Bei 19 Prozent der untersuchten Gesundheitsfachpersonen, die Hausbesuche absolvieren, wurden Sars-Cov-2-Antikörper im Blut nachgewiesen.

Bundesrat schlägt verkürzte Quarantäne bei negativen Tests vor

Nach dem Kontakt zu einem Coronavirus-Infizierten gilt eine Quarantänepflicht von zehn Tagen. Der Bundesrat will sie nun auf sieben Tage verkürzen, wenn der Test auf das Virus negativ ausfällt. Das gleiche soll für die Einreise-Quarantäne gelten.

Die Vorschläge für die Änderung der entsprechenden beiden Verordnungen sind bei den Kantonen in der Konsultation. Der Bundesrat veröffentlichte sie am Donnerstag. Die Forderung nach kürzeren Quarantänen erhoben die Wirtschaftsverbände und die Sozialpartner im September.

Drei Varianten

Bei der Quarantäne nach dem Kontakt mit einer infizierten Person stellt der Bundesrat drei Varianten zur Diskussion. In einer ersten soll diese Kontaktquarantäne aufgehoben werden, wenn am siebenten Tag ein Test auf das Virus negativ ausfällt. Variante zwei sieht vor, die Betroffenen aus der Quarantäne zu entlassen, wenn der Test am ersten Tag der Massnahme und am siebenten Tag negativ ist.

Die dritte Variante verlangt von den unter Quarantäne Stehenden zur Aufhebung der Massnahme einen negativen Test am fünften Tag nach dem letzten Kontakt zum Infizierten. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass nach dem fünften Tag einer Infektion noch viele Menschen Symptome entwickeln.

Die Entlassung lässt sich gemäss Bundesrat epidemiologisch nur verantworten, wenn am siebenten Tag ein weiterer Test erfolgt und die Kantone die Kontrolle dieser Tests garantieren können.

53 Coronafälle in St. Moritz – mutiertes Virus bei Hotelpersonal

Umfangreiche Tests im Nobelferienort St. Moritz haben ergeben, dass sich etwa ein Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus angesteckt hat. Bei den Angestellten zweier Fünf-Sterne-Hotels beträgt die Ansteckungsquote vier Prozent.

Fast 3200 Tests auf das Coronavirus wurden von Montag bis Mittwoch in St. Moritz durchgeführt. Die Corona-Herde seien erfolgreich isoliert worden, meldeten die Bündner Behörden am Mittwoch.

Gemäss den Ergebnissen der Tests steckte sich ein Prozent der Bevölkerung von St. Moritz mit dem Coronavirus an. Bei den Mitarbeitenden und Gästen zweier Fünf-Sterne-Hotels beträgt die Infektionsrate vier Prozent. Insgesamt wurden 53 Virusinfektionen festgestellt, 31 davon betreffen die mutierte Form.

Das mutierte Virus sei insbesondere bei Hotelangestellten festgestellt und nicht auf Hotelgäste übertragen worden, meldeten die Behörden. Dies zeige, dass die Schutzkonzepte der Hotels funktionierten und das Testen von Mitarbeitenden eine sinnvolle und wirksame Massnahme sei.

Grund für die Flächentests im Engadin, die zweiten nach jenen im Dezember, waren die beiden Fünf-Sterne-Häuser «Badrutt’s Palace» und «Kempinski». Das Gesundheitsamt ordnete bei beiden Hotels eine Quarantäne an, nachdem die südafrikanische Variante des mutierten Coronavirus entdeckt worden war.

Zum Thema: Der Nobelskiort war wegen der Corona-Fällen in zwei Luxushotels weltweit in den Schlagzeilen geraten.

Tracing-Team-Leiter: «Bis zu 65 Personen pro Infizierten in Quarantäne»

Rund 150 Personen sind derzeit ständig an zwei Standorten in Zürich mit dem Aufspüren der Kontakte von Corona-Positiven beschäftigt. Diese Aufgabe wird nun noch einmal schwieriger: Weil zwei neue, deutlich ansteckendere Mutationen in der Schweiz grassieren, sollen künftig auch «Kontakte zweiten Grades» in Quarantäne geschickt werden, wenn von einer Infektion mit dem mutierten Virus ausgegangen werden muss.

Wird künftig eine Person positiv auf eine ansteckende Mutation getestet, sollen die Contact-Tracer also nicht nur herausfinden, mit wem die Person in den letzten fünf Tagen Kontakt hatte und diese Personen in Quarantäne stellen, sondern auch noch all deren Kontakte. «Auf einen Infizierten kommen mit der neuen Regelung bis zu 65 Personen, die in Quarantäne müssen», sagt Andreas Juchli, operativer Leiter des Contact-Tracings im Kanton Zürich im Interview mit 20min.ch.

Lesetipp: Neue Corona-Variante im Fokus – Wie Zürich das mutierte Virus jagt

Andreas Juchli, Arzt und operativer Leiter Contact Tracing Kanton Zürich.
Andreas Juchli, Arzt und operativer Leiter Contact Tracing Kanton Zürich.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Viele Covid-Patienten sterben an unerkannter Blutvergiftung

Viele Menschen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus erkranken, sterben nach Darstellung von Experten an einer unerkannten Blutvergiftung (Sepsis). «Ein grosses Problem ist, dass viele Patienten, die sich mit einer unkomplizierten Covid-19-Erkrankungen zu Hause kurieren wollen, nicht rechtzeitig bemerken, wenn diese in eine Sepsis übergeht.»

Dies sagte der Chef der deutschen Sepsis-Stiftung, Konrad Reinhart, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstag. Es gebe eine weit verbreitete Unkenntnis über Blutvergiftungen in der Bevölkerung, aber zum Teil auch beim medizinischen oder pflegerischen Personal, hiess es weiter.

Coronavirus an Baselbieter Primarschule – Fernunterricht ab Freitag

In einem Primarschulhaus der Baselbieter Gemeinde Oberwil wird der Präsenzunterricht wegen einer Häufung von Coronavirus-Ansteckungen eingestellt. Ab Freitag bis zum 5. Februar wird an der Primarschule Thomasgarten flächendeckend Fernunterricht erteilt.

In Zusammenhang mit einer bestätigten Ansteckung einer erwachsenen Person mit einer mutierten Covid-19-Variante war letzte Woche auch ein Primarschulkind aus Oberwil positiv getestet worden. Auf Geheiss des kantonsärztlichen Dienstes wurden darauf am Montag und Dienstag rund 500 Kinder und Erwachsene aus dem Umfeld der Primarschule Thomasgarten einem Coronavirus-Test unterzogen.

Wie der kantonale Krisenstab am späten Mittwochabend mitteilte, fielen 21 dieser PCR-basierten Speicheltests positiv aus. Betroffen seien sowohl Klassenkameradinnen und -kameraden des positiv getesteten Kindes und Familienangehörige wie auch Kinder aus drei weiteren Klassen.

Drei weitere Klassen

Die Schülerinnen und Schüler dieser drei Klassen müssen sich gemäss Communiqué ebenfalls in Quarantäne begeben und sich am nächsten Freitag ein zweites Mal testen lassen. Das gleiche gilt für rund weitere Personen, die mit den angesteckten Kindern den Mittagstisch und die Tagesstruktur besucht hatten.

Als Folge dieser Entwicklung wird der Präsenzunterricht an der gesamten Primarschule Thomasgarten aus betrieblichen Gründen eingestellt, wie es in der Mitteilung heisst. Mit dem Fernunterricht wird am Freitag begonnen. Dauern soll er vorerst bis zum 5. Februar.

Noch offen, welches Virus

Ob sich die 21 positiv getesteten Personen mit dem bereits bekannten Coronavirus oder mit einer neuen Variante – einer Mutation – angesteckt haben, steht laut Krisenstab noch nicht fest. Klarheit solle erst nächste Woche bestehen.

Mit der Umstellung auf Fernunterricht wird an der Oberwiler Primarschule eine Massnahme ergriffen, welche die Baselbieter Regierung eigentlich verhindern wollte. Sie hat deshalb am Dienstag die Maskentragpflicht für Schulkinder ab 10 Jahren beschlossen, die am Donnerstag in Kraft tritt.

Aargauer Schüler der Sekundarstufe II lernen im Fernunterricht

Die Sekundarstufe II im Aargau mit den Mittel- und Berufsfachschulen wird vom kommenden Montag bis Ende Februar im Fernunterricht geführt. Der Aargauer Regierungsrat will damit in der Corona-Krise die Mobilität senken.

Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II seien derzeit zahlreich in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, teilte die Staatskanzlei des Kantons Aargau am Mittwoch mit. Mit dem Fernunterricht könne der ÖV entlastet werden.

In den fünf Wochen bis Ende Februar seien zwei Wochen Sportferien enthalten. Die Präsenzzeit, die nun ausfalle, halte sich deshalb in Grenzen. Die Schulen hätten signalisiert, dass die Umstellung auf Fernunterricht für sie und die Schüler machbar sei. Anders als im Frühling letzten Jahres seien die Schulen ausserdem auf einen möglichen Fernunterricht vorbereitet. Nach den Weihnachtsferien waren die Schulen der Sekundarstufe II mit einer Woche Fernunterricht gestartet.

Fernunterricht mit Ausnahmen

Vom Grundsatz des Fernunterrichts gibt es laut der Mitteilung Ausnahmen. So kann Präsenzunterricht durchgeführt werden für Schüler, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf aufweisen, wie etwa Lernende in einer Integrationsvorlehre. Auch dürfen Prüfungen in den Schulen durchgeführt werden, wenn sie nicht im Fernunterricht absolviert werden können. Weiter sind auch Laborarbeiten und andere wichtige Aktivitäten mit nötiger Präsenz vor Ort möglich.

Auf Gesuch hin wird Schülern zudem für die Dauer des Fernunterrichts ein Arbeitsplatz an der Schule zugewiesen. Schliesslich werden die Überbetrieblichen Kurse in den entsprechenden Zentren weiterhin im Präsenzunterricht durchgeführt.

11 weitere mutmassliche Corona-Mutationen an Tessiner Schule

Elf von 25 positiven Coronavirus-Tests weisen auf die britische Mutation hin: Dies ist das vorläufige Ergebnis des flächendeckenden Tests an der inzwischen geschlossenen Mittelschule im Südtessin, wie das Tessiner Departement für Gesundheit und Soziales am Mittwoch mitteilte. Die definitive Bestimmung der Coronavirus-Proben steht jedoch noch aus.

Insgesamt seien 460 Personen getestet worden. Von den 25 positiv ausgefallenen Coronavirus-Tests bestehe bei elf der «dringende Verdacht» auf die britische Virus-Mutation, schreibt das Departement für Gesundheit und Soziales in einem am Mittwoch verschickten Communiqué.

Rund 500 Schüler sowie 70 Lehrkräfte der Mittelschule Morbio Inferiore hatten sich am vergangenen Wochenende in Quarantäne begeben müssen, nachdem von 13 positiven Coronavirus-Tests mindestens zwei der britischen Variante zugeordnet worden waren.

Fünf Fälle mit dem mutierten Coronavirus im Kanton Jura

Im Kanton Jura sind fünf Infektionen mit dem mutierten Coronavirus aus Grossbritannien identifiziert und bestätigt worden. Die jurassische Regierung ruft die Bevölkerung zur äussersten Wachsamkeit auf.

Bei den fünf infizierten Personen hätten drei verschiedene Ansteckungsquellen identifiziert werden können, teilte die Staatskanzlei am Mittwoch mit. Drei der Betroffenen hätten sich höchstwahrscheinlich in Skigebieten infiziert.

Die Regierung ruft die Bevölkerung auf, sich strikt an die vom Bundesrat festgelegten Massnahmen zu halten. Um eine dritte Welle zu vermeiden, sei es notwendig, Reisen und Begegnungen einzuschränken. Des Weiteren solle sich die Bevölkerung bereits bei geringsten Symptomen testen lassen.

Das mutierte Coronavirus wurde höchstwahrscheinlich unter anderem aus Skigebieten in den Kanton Jura eingeschleppt.
Das mutierte Coronavirus wurde höchstwahrscheinlich unter anderem aus Skigebieten in den Kanton Jura eingeschleppt.
Foto: Marcel Bieri (Keystone)

479 Infektionen mit mutierten Viren

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) registrierte bis Mittwoch in der Schweiz und in Liechtenstein 479 Infektionen mit mutierten Coronaviren. Mit der britischen Mutation B1.1.7 steckten sich 281 Personen an, wie das BAG auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Der südafrikanischen Variante B1.351 liessen sich zwölf Infektionen zuordnen. Zudem zählte das Bundesamt 186 Ansteckungen durch ein Coronavirus mit ungeklärter Mutationslinie.

Am meisten Ansteckungen mit Mutationen des Virus gab es mit 109 im Kanton Bern. Die Mutationen sind in 18 Kantonen und im Fürstentum Liechtenstein verbreitet.

BAG meldet 2727 neue Fälle

Dem BAG sind innerhalb der letzten 24 Stunden 2727 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Am Mittwoch vor einer Woche waren es 3001, am Mittwoch vor zwei Wochen 4808. Die Positivitätsrate beträgt 8,3 Prozent bei 32’716 neu gemeldeten Tests.

Es gibt 137 Spitaleinweisungen und 70 Tote. Zum Vergleich: Am Mittwoch vor einer Woche wurden 174 Spitaleinweisungen und 58 Todesfälle gezählt, am Mittwoch vor zwei Wochen 220 Spitaleinführungen und 65 Todesfälle.

Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen lag bei 12,6 Prozent (PCR-Tests) respektive 10,6 Prozent (Antigen-Schnelltests). Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 3543 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag am 8. Januar bei 0,81.

Seit Beginn der Pandemie wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 4'080'953 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, wie das BAG weiter mitteilte. Insgesamt gab es 504'918 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

21'044 Personen mussten bisher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich auf 8236. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich laut Angaben des BAG 17'722 Menschen in Isolation und 26'948 Menschen in Quarantäne. Zusätzlich befanden sich 4100 Personen in Quarantäne, die aus einem Risikoland heimgekehrt waren.

Die Intensivstationen waren mit Stand Dienstag zu 74 Prozent ausgelastet. Dabei waren 34 Prozent der Bettenkapazität mit Covid-19-Kranken belegt. Die Gesamtkapazität der Spitäler war zu 73 Prozent ausgeschöpft.

14-Tages-Inzidenz der Kantone:

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Quarantänepflicht für Reisende aus 16 weiteren Gegenden ab Februar

Ab 1. Februar stehen 16 weitere Länder und Regionen neu auf der Liste der Länder, bei deren Einreise eine Quarantänepflicht gilt. Von den Nachbarländern sind dies das deutsche Bundesland Thüringen, das österreichische Salzburg, die französische Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und die italienischen Regionen Emilia-Romagna und Friuli-Venezia Giulia.

Laut Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vom Mittwoch gilt die Quarantänepflicht für die Einreise in die Schweiz für 36 Staaten und Gebiete. Neu auf der Liste stehen ab Anfang Februar auch Spanien, Portugal, Monaco, Slowakei, Estland, Lettland, Zypern, Israel, Libanon und Brasilien.

Nur noch bis 21. Januar gilt hingegen eine Quarantänepflicht für Reisende aus Dänemark, Kroatien, Serbien, Luxemburg und Georgien.

Bundesrat und Kantone verzichten auf Schliessungen der Schule

Die Erziehungsdirektoren und die wissenschaftliche Corona-Taskforce des Bundes raten derzeit von flächendeckenden Schulschliessungen ab. Das Innendepartement (EDI) prüft nun mögliche Szenarien für die Sekundarstufen I und II – falls sich die Lage verschlechtert.

«Mit den bisher ergriffenen Massnahmen konnten an den Schulen grössere Ausbrüche verhindert werden», schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung vom Mittwoch. Es seien sich aber alle Akteure einig, dass weitere Massnahmen in den Schulen nötig werden könnten, falls sich die neuen Virusvarianten stark ausbreiteten.

Ein Verbot des Präsenzunterrichts habe weitreichende negative Folgen auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sowie auf deren Bildungsverläufe, hält die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) gemäss der Mitteilung fest. Auch für die Taskforce überwiegen die Vorteile einer Umstellung auf Fernunterricht deren Nachteile erst bei einer gefährlichen oder sehr gefährlichen epidemiologischen Situation und nur auf Sekundarstufe I und II.

Im Fokus steht deshalb die Mittel- und Oberstufe. Auf ein Verbot des Präsenzunterrichts an den Primarschulen soll «wenn immer möglich» verzichtet werden.

Die Schliessung der Schulen im Land ist noch kein Thema — vorderhand jedenfalls.
Die Schliessung der Schulen im Land ist noch kein Thema — vorderhand jedenfalls.
Foto: Urs Flüeler (Keystone/Symbolbild)

sda/reuters/red

2888 Kommentare
    Daniel Meister

    „Es wird immer noch nicht genug getestet“

    Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum die Kantone oder der Bundesrat immer noch nicht verlangen, dass das Pflegepersonal in Altersheimen regelmäßig auf Corona getestet wird.

    Seit Wochen wissen wir, dass die meisten Todesfälle aus den Altersheimen kommen.

    Es ist doch auch im Interesse des Pflegepersonals und der Besucher, dass sie niemandem anstecken.

    Das Argument betreffend „Selbstbestimmung auf den eigenen Körper“ wird beim Militär auch flexibel ausgelegt und jeder vor Dienstantritt getestet.