Zum Hauptinhalt springen

Bezirksgericht ZürichPolizist wegen versuchter Tötung angeklagt

Ein 33-jähriger Zürcher Stadtpolizist steht am Mittwoch vor Gericht. Er hatte 2015 elf Schüsse auf einen Äthiopier abgegeben, weil dieser mit einem Fleischmesser auf ihn und seine Polizeikollegen zugegangen war.

Die Staatsanwaltschaft musste auf Geheiss des Bundesgerichts gegen einen Zürcher Stadtpolizisten ermitteln. An der Verhandlung vom Mittwoch wird sie einen Freispruch fordern.
Die Staatsanwaltschaft musste auf Geheiss des Bundesgerichts gegen einen Zürcher Stadtpolizisten ermitteln. An der Verhandlung vom Mittwoch wird sie einen Freispruch fordern.
Archivfoto: Urs Jaudas

Weil er mit einem 25 Zentimeter langen Messer in Wiedikon unterwegs war, fiel der damals 42-jährige Äthiopier der Polizeistreife sofort auf. Zusammen mit einer weiteren Streife – insgesamt waren fünf Polizisten vor Ort – sollte der Mann angehalten und kontrolliert werden. Doch die Situation eskalierte.

Der Äthiopier ging auf einen der Polizisten los und rief: «Kill me, kill me!» Zwei der Polizisten zogen ihre Waffe und gaben insgesamt 13 Schüsse ab, wobei das Opfer von sechs Kugeln getroffen wurde. Der Mann erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Die Polizisten hatten zunächst kein Strafverfahren zu befürchten: Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Der angeschossene Mann rekurrierte aber bis vor Bundesgericht und erhielt Recht. Das Bundesgericht entschied, dass gegen jenen Polizisten, der elf Mal geschossen hatte, trotzdem ermittelt werden soll. Es sei nicht klar, ob der Waffeneinsatz dieses Polizisten rechtmässig gewesen sei.

Staatsanwalt fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft rollte den Fall daraufhin neu auf und brachte den Polizisten nun vor Bezirksgericht. Gemäss Anklageschrift hat der heute 33-Jährige geschossen, obwohl er nicht mehr angegriffen wurde. Allerdings fordert der Staatsanwalt – nicht wie üblich – eine Verurteilung, sondern einen kompletten Freispruch.

Inhaltlich bleibt der Staatsanwalt somit bei seiner Haltung, dass der Waffeneinsatz rechtmässig gewesen sei und sich der Polizist nicht strafbar gemacht habe. Der 33-Jährige arbeitet nach wie vor bei der Zürcher Stadtpolizei.

Schizophrene Psychose

Auch gegen den Äthiopier wurde nach dem Zwischenfall ein Strafverfahren eröffnet. Das Bezirksgericht sprach ihn im Dezember 2016 aber vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung frei.

Der Mann leidet an einer schizophrenen Psychose und war zum Tatzeitpunkt schuldunfähig. Das Bezirksgericht ordnete – wie dies die Staatsanwaltschaft beantragt hatte – eine ambulante Therapie an.

SDA