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Negativzinsen und GebührenPostfinance laufen die Kunden davon

Die Post hat im ersten Quartal deutlich weniger verdient. Und bei der Banktochter schlagen die Preiserhöhungen bei der Kundenzahl zu Buche.

Wegen erhöhter Gebühren haben Tausende Kunden der Banktochter den Rücken gekehrt: Postschalter der Filiale Sihlfeld.
Wegen erhöhter Gebühren haben Tausende Kunden der Banktochter den Rücken gekehrt: Postschalter der Filiale Sihlfeld.
Foto: Christian Beutler (keystone-sda)

Negativzinsen sind nicht nur für Sparer ein Ärgernis. Auch die Schweizerische Post und ihre Bankttochter Postfinance leiden darunter. Im ersten Quartal sank der Zinsertrag um 18 Millionen Franken. Das ist neben dem Mengenrückgang im Briefgeschäft einer der Gründe dafür, warum der Konzerngewinn der Post von Januar bis Ende März um gut ein Drittel auf noch 84 Millionen Franken einbrach.

Da Postfinance die Kundengelder immer weniger profitabel am Anleihemarkt investieren kann, gibt die Banktochter Gegensteuer. So berechnet Postfinance Privatkunden Negativzinsen, wenn diese mehr als 250’000 Franken auf dem Konto haben.

Laut einem Sprecher sind ab März die Kriterien, bei denen Privatkunden ausnahmsweise von einem Schwellenwert von 500’000 Franken profitieren können, «nochmals verschärft» worden. Ferner hatte Postfinance bereits Anfang vergangenen Jahres die Gebühren erhöht. So kostet die Kontoführung seitdem bis auf wenige Ausnahmefälle 5 Franken im Monat.

Kunden zogen 3,4 Milliarden Franken Gelder von der Posttochter ab.

Diese Verschlechterungen der Bedingungen schlagen sich auf das Volumen der Kundengelder sowie auf die Zahl der Kunden durch. Allein im ersten Quartal verlor Postfinance im Jahresvergleich 85’000 Kunden. Zudem zogen Kunden 3,4 Milliarden Franken Gelder von der Posttochter ab.

Um das Zinsergebnis in Zukunft zu verbessern, hofft Postfinance, dass der Gesetzgeber dem gelben Riesen den Einstieg in das Geschäft mit Hypothekenkredite erlaubt. Das ist indes politisch umstritten.

Früher war Postfinance die wichtigste Gewinnsäule des gelben Riesen. Jetzt ist es das Briefgeschäft, bei dem die Post noch von einem Teilmonopol profitiert. Wegen der Corona-Krise schrieb Postauto rote Zahlen.

Für das Gesamtjahr erwartet die Post wegen der Corona-Krise einen negativen Ergebniseffekt in dreistelliger Millionenhöhe. Hauptgründe seien die sinkenden Briefmengen sowie die fehlenden Erträge bei Postauto. Die Zuwächse im Paketgeschäft können die Belastungsfaktoren nicht ausgleichen. Und auch bei Postfinance ist keine schnelle Wende zum Besseren in Sicht.