Pfarrstellen

Kleine Kirchen atmen nur wenig auf

Bei kleineren Kirchgemeinden keimt etwas Hoffnung auf. Das Parlament der Reformierten Kirche will ihnen mindestens eine halbe Pfarrstelle gewähren.

Ein ein 50-Prozent-Pensum des Pfarres reicht nicht aus, findet etwa die Kirchgemeinde Wildberg.

Ein ein 50-Prozent-Pensum des Pfarres reicht nicht aus, findet etwa die Kirchgemeinde Wildberg. Bild: Moritz Hager

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Monique Blattmann, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Wildberg, ist erleichtert, dass kleine Kirchgemeinden immerhin über eine 50-Prozent-Pfarrstelle verfügen sollen. «Das ist lebensnotwendig für uns», sagt sie. Das Kirchenparlament hat das Minimum am Dienstag so festgelegt, indem es die Teilrevision der Kirchenordnung gutgeheissen hat. Das letzte Wort haben aber die Stimmbürger. Sie entscheiden am 23. September an der Urne über die Kirchenordnung.

Das garantierte Minimum von 50 Prozent war im Kirchenparlament umstritten und wurde nur ganz knapp angenommen. Ansonsten hätten kleine Kirchgemeinden deutlich weniger Stellenprozente erhalten. Doch auch mit der 50-Prozent-Regel verlieren viele kleine Kirchgemeinden Pensen, denn bislang lag das Minimum bei 60 Prozent.

Für Monique Blattmann in Wildberg ist mit dem jüngsten Entscheid trotzdem nicht plötzlich alles im Lot. Das Pensum des Pfarrers reiche auch mit 50 Stellenprozenten kaum noch aus, um die Gemeinschaft zu pflegen. Dabei wäre es laut Monique Blattmann wichtig, dass der Pfarrer in der Gemeinde nicht «nur» am Sonntag von der Kanzel predigt, sondern auch aktiv am Gemeindeleben teilnimmt, etwa durch Mittun in einer Singgruppe, in einer Wandergruppe oder durch vermehrte Hausbesuche.

Fusion derzeit kein Thema

Monique Blattmann ist generell unzufrieden mit der Stossrichtung des Kirchenrats. Kleine Kirchgemeinden hätten es schon seit einiger Zeit immer schwieriger. «Der geplante neue Finanzausgleich könnte den Druck zusätzlich stark erhöhen.» Zudem enthalte die Kirchenordnung viele Punkte, die sie nicht akzeptieren könne. Es werde zu oft über das Geld geredet statt über den Glauben und darüber, was die Kirche für die Leute leisten kann. Sie wünsche sich mehr Begeisterung und Nähe zu den Leuten.

«Es wird zu oft über das Geld geredet statt über den Glauben.»Monique Blattmann, Präsidentin Kirchgemeinde Wildberg

In Wildberg komme derzeit erschwerend hinzu, dass eine Fusion für die Kirchgemeinde vorläufig nicht möglich sei, sagt Monique Blattmann weiter. «Wir wissen nicht, auf welche Seite sich die politische Gemeinde und die Schulgemeinde orientieren werden.» Damit sich die Gemeinde nicht in verzettle, müsse die Kirchgemeinde diesen Prozess abwarten.

Sitzberg sieht es ähnlich

Speziell ist auch die Situation für die Kirchgemeinde Sitzberg. Die mit knapp 200 Mitgliedern kleinste Kirche des Kantons wehrt sich ebenfalls gegen Fusionsdruck. Gerade die Kleinräumigkeit zeichne die Gemeinde aus, sagte Präsidentin Debora Bachmann schon vergangenes Jahr im «Landbote».

Der Entscheid der Synode, kleineren Kirchgemeinden ein 50-Prozent-Pensum zu gewähren, ist für den Sitzberger Pfarrer, Andreas Scheibler, ein Hoffnungsschimmer. «Ein erster Pflock ist eingeschlagen», sagt er. «Das macht Mut zum Weitermachen.» Entscheidend sei nun aber auch der geplante neue Finanzausgleich. Werde dieser nicht zugunsten kleiner Kirchen angepasst, seien diese kaum noch überlebensfähig.

Fehlender Wille zu mehr Zusammenarbeit könne man der Kirchgemeinde Sitzberg nicht vorwerfen. Sie habe an den Fusionsgesprächen mit anderen Tösstaler Kirchgemeinden teilgenommen. «Wir spürten allerdings wenig Interesse für unsere spezifischen Anliegen», sagt Andreas Scheibler weiter. Deshalb habe sich die Kirche schliesslich dazu entschieden, weiterhin eigenständig zu bleiben. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2018, 16:54 Uhr

Monique Blattmann, Präsidentin Kirchgemeinde Wildberg (Bild: Marc Dahinden)

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