Weisslingen

«Schreckgespenst» Kesb ist vielen suspekt

Die Kesb habe zu viel Macht und sei zu teuer. So lautet das Urteil vieler, die zu einem Infoabend des Wisliger Forums kamen.

An einem Infoabend zur Kesb gab Ruedi Winet, Leiter der Kesb Bezirk Pfäffikon, Antworten.

An einem Infoabend zur Kesb gab Ruedi Winet, Leiter der Kesb Bezirk Pfäffikon, Antworten. Bild: Heinz Diener

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«Die Kesb ist ein Schreckgespenst.» Eine Weisslingerin sprach aus, was am Freitagabend viele dachten. Mit der Einführung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts und der Ablösung der Vormundschaftsbehörde durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) im Januar 2013 wurde die Vertretung von Schutzbedürftigen professionalisiert. «Was das konkret mit sich bringen würde, wusste aber niemand so genau», so die Weisslingerin weiter. «Man kann nur hoffen, dass man nie mit der Kesb in Berührung kommt.»

Sie und gut 70 weitere Zuhörer waren der Einladung des Wisliger Forums (WF) zu einer Informationsveranstaltung gefolgt und liessen sich von Ruedi Winet, Präsident der Kesb Bezirk Pfäffikon und der Kesb-Vereinigung Kanton Zürich, sowie von Theres Kunz, Leiterin Kinder- und Jugendhilfezentrum (JKZ) Effretikon, über ihre Arbeit aufklären.

Umstrittener Vorsorgeauftrag

Zu reden gab insbesondere der Vorsorgeauftrag. Damit kann man als erwachsene Person sicherstellen, dass jemand anders (beispielsweise eine nahestehende Person) alle notwendigen Angelegenheiten erledigt für den Fall, dass man selbst urteilsunfähig würde. Urteilsunfähig können Menschen wegen Demenz im hohen Alter oder nach einem schweren Unfall werden.

Früher hatte die Vollmacht die gleiche Funktion. Heute akzeptieren aber oft Banken eine Vollmacht nicht mehr, wenn der Vollmachtgeber urteilsunfähig geworden ist. Eine Veranstaltungsteilnehmerin schilderte den Fall eines dementen Vaters, dessen Tochter eine Vollmacht besass, die Post eine Adressänderung aber nicht akzeptierte. «Die Post verwies sie an die Kesb», erzählte sie. «Das kann doch nicht sein.»

Winet erklärte, dass in der Tat in solchen Fällen die Kesb die Urteilsunfähigkeit einer Person feststellen müsse. Es sei deshalb wichtig, dass ein Vorsorgeauftrag bestehe, der ausgestellt wurde, als die auftraggebende Person noch urteilsfähig war. Der Vorsorgeauftrag kann im Kanton Zürich bei der Kesb hinterlegt werden.

Weitere Votanten beklagten sich, dass sich die Kesb zu sehr in Familienangelegenheiten einmische und die Mitarbeiter teilweise zu wenig Fachkenntnis hätten. Und: «Die Kosten sind zu hoch.» Dem entgegnete Winet, dass etwa Beistandschaften nicht teurer geworden seien. «Und die Kesb greift erst dann ein, wenn es zu Problemen kommt.»

Wenn in einer Familie mit zwei Kindern also ein Elternteil stirbt, «dann ist das für die Kesb kein Thema». Es sei denn, der verbliebene Elternteil könne nicht für die Kinder sorgen. «Dann gerät das Kind in unseren Fokus», sagte Winet. Denn dieses brauche eine gute Familienstruktur.

Jeder kann Meldung machen

Die Gefährdungsmeldung war ein weiteres Thema, das die Gemüter bewegte. Eine solche kann jedermann einreichen. Die Kesb ist dazu verpflichtet, dieser nachzugehen und alle notwendigen Abklärungen zu treffen. Allfällige Massnahmen würden immer in Absprache mit den Betroffenen getroffen, sagte Winet. «Wir entscheiden nicht einfach über deren Köpfe hinweg.» Zudem haben Betroffene die Möglichkeit, sich an den Bezirksrat zu wenden, wenn sie mit einem Entscheid nicht einverstanden sind.

Die Kesb des Bezirks Pfäffikon befindet sich in Illnau. 18 Personen teilen sich 12,9 Vollstellen. Sie beaufsichtigen 252 Beistandschaften, 13 Vormundschaften und 23 weitere Unterstützungsmassnahmen. Im Erwachsenenschutz sind es 467 Beistandschaften. Seit einem Jahr sei das Interesse an Infoveranstaltungen zur Kesb riesig, sagte Winet am Rande der Veranstaltung. (Landbote)

Erstellt: 01.11.2015, 20:02 Uhr

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