Region

Umtriebiger Baumeister der Natur

Region Sie nagen, graben stauen und unterhöhlen. ­Damit schaden sie der Infrastruktur. Aber dank des Bibers erhalten seltene Tierarten ­Lebensraum.

Laut Zählung im Winter 2013/14 leben im Kanton Zürich 305 Biber auf 87 Reviere verteilt.

Laut Zählung im Winter 2013/14 leben im Kanton Zürich 305 Biber auf 87 Reviere verteilt. Bild: Keystone

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Ein angenagter Baumstamm da, ein neuer Damm dort. Der Biber untergräbt Strassen und frisst Gemüse von den Feldern der Bauern. Er verursacht kleinere und grössere Schäden an Infrastrukturen und Kulturen. Für Betroffene ist das ärgerlich, zumal nicht nur der Biber selbst, sondern auch seine Burgen und Dämme geschützt sind: Eingriffe an Biberwerken, für die keine Ausnahmegenehmigung vorliegt, sind strafbar. Das Biberfon (079 128 60 40) der Biberfachstelle Kanton Zürich gibt auf Wunsch nähere Auskunft.

Biberspuren in der Region

Castor fiber, der europäische Biber, gestaltet die Umgebung nach seinen Bedürfnissen. Dabei ist er gar nicht zimperlich: So liess sich vor geraumer Zeit eine ganze Biberfamilie in Neftenbach in einer Reinigungsanlage für Strassenabwasser nieder. Der Biberdamm dort musste auf amtliches Geheiss hin immer wieder entfernt werden, bis die Tierfamilie die Nase voll hatte und die Anlage verliess. In Dachsen hat der grabfreudige Meister Bockert den Uferweg ­zwischen Dachsen und Rhein­au teilweise so stark unterhöhlt, dass dieser verlegt werden musste.

In Humlikon stauten fleissige Nager den Seltenbach, Strasse und Radweg drohten überflutet zu werden. In Kleinandelfingen musste der asphaltierte, vom Biber unterhöhlte Marthalerweg auf einer Länge von 20 Metern komplett neu gebaut werden. Ein Stahlgitter im Boden dient seither als Biber-Stopp. Unterhalb von Thalheim an der Thur am Binnenkanal der Thur: Weil die Gemeinde befürchtet, dass Biber den Feldweg unterhöhlen, hat sie kürzlich Warntafeln aufgestellt.

Über 300 Biber

In Waltalingen hat der Kanton Zürich im letzten Frühling erstmals einen künstlichen Biberbau installiert. Die Nager sollten dort in einer Betonröhre wohnen und nicht mehr in die Uferböschung graben und Strassen unterhöhlen. Trotz dieser Massnahme haben sich Biber erneut in die Erde gegraben. Diese neuen, unerwünschten Löcher wurden zugeschüttet und die ­Biber daraufhin mit Äpfeln und Zweigen wieder in ihre angestammte Höhle gelockt.

Doch die Aktivitäten des ehemals ausgerotteten Bibers bringen auch Gutes: Seit seiner Rückkehr in die Schweiz – er wurde zwischen 1956 und 1977 wieder angesiedelt – nehmen auch seltene Tier- und Pflanzenarten zu. Die überfluteten Gebiete bieten Lebensraum für eine Fülle von Wassertieren, Insekten und Vögel, dar­un­ter Eisvogel, Watvögel und Rallen, Geburtshelferkröte oder Ringelnatter. Auch der Fischreichtum nimmt zu. Laut Zählung im Winter 2013/14 leben im Kanton Zürich 305 ­Biber auf 87 Reviere verteilt.

Erstellt: 23.02.2016, 10:31 Uhr

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