Elgg

Amüsante Turbulenzen rund um eine Renaturierung

Beim Schulhaus Ritschberg hat sich die rollende Theaterwerkstatt Fahr.Werk.Ö! mit ihren Wohnwagen niedergelassen. Sie probt ihr neues Stück «Eingeschmiert», das am Samstag Premiere hat.

Theater, Musik und Tanz: Die Theaterwerkstatt Fahr.Werk.Ö! bereitet sich auf die Premiere vor.

Theater, Musik und Tanz: Die Theaterwerkstatt Fahr.Werk.Ö! bereitet sich auf die Premiere vor. Bild: Madeleine Schoder

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«Halleluja» erklingt es hinterm Sekundarschulhaus Ritschberg mehrstimmig in die Elgger Nachmittagsruhe. Vor einem kunterbunt kostümierten gemischten Chörli sitzen – dirigierend, animierend und gelegentlich auch kritisierend – Conni Stüssi und Basil Erny. Doch an Leonhard Cohens Lied gibt es nichts auszusetzen, also weiter zu «Hello Dolly», das mit minimalen Mitteln so richtig zum Grooven gebracht wird. Hier kommen zum Gesang allerdings Tanzschritte und Gesten, was noch nicht ganz klappt. Zudem hapert es auch noch mit dem schweizerdeutschen Text. Also unterbricht der Regisseur und lässt diesen erst mal gemeinsam rezitieren, bevor der erneute Versuch, ihn musicalmässig darzubieten, schon viel besser gelingt. Das erstaunt, denn das Ensemble des Fahr.Werk.Ö! probt erst seit wenigen Tagen. Es besteht aus acht theaterbegeisterten Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren und ebenso vielen Betreuungspersonen, die im Rahmen eines Ferienprojekts für die Entwicklung und die Aufführung eines Theaterstücks zusammengefunden haben.

Der Revisor lässt grüssen

Nach dem gemeinsamen Aufwärmen arbeiten die Jugendlichen in Gruppen an ihren Szenen, und Projektleiterin Conni Stüssi hat Zeit für ein Gespräch. «Das dramaturgische Gerüst für unsere Theaterprojekte kommt immer vom Leitungsteam», erklärt sie. «Dabei lassen wir uns aber von Themen inspirieren, die bei den Jugendlichen gerade aktuell sind – etwa Biodiversität oder Klimawandel.» So stehe dieses Jahr die Revitalisierung eines zubetonierten Gemeindehausparkplatzes im Zentrum; ein bisschen schwinge aber auch Gogols «Revisor» mit. «Mit dieser Grundidee machen wir jeweils im Vorfeld mit den künftigen Teilnehmenden einen Impro-Tag», erzählt sie. «Da merken wir schnell, ob unsere Ideen bei ihnen auf fruchtbaren Boden fallen.» Zudem kämen von den Jugendlichen bald auch eigene Inputs, und während der Probenarbeit werde das Stück ohnehin noch gemeinsam weiterentwickelt.

Wer ist der Spion?

Doch zurück zur Handlung: Der Bund hat für die Revitalisierung öder Parkplatzflächen viel Geld gesprochen, und obwohl die Gemeinden den Geldsegen aus Bern natürlich noch so gern entgegennehmen, hält sich die Begeisterung über den obrigkeitlichen Beschluss in Grenzen. Mehr noch: Die Gemeinderätinnen – endlich mal eine Gemeinde, die nur von Frauen regiert wird – legen die Sache zu ihren eigenen Gunsten aus und richten sich mit dem Geld lieber ihre privaten Gärtchen ein. Schon bald zirkuliert allerdings das Gerücht, dass eine Kontrolle aus Bern unterwegs sei – was bei den Fehlbaren für Aufregung sorgt. Und als dann eine holländische Touristin, samt Tandem und Butler, auftaucht, glauben alle, das sei die gut getarnte Kontrolleurin. Also setzen hektische Bestrebungen ein, einen «gefälschten» Park hinzustellen; dabei kommt eine Gruppe von jungen Künstlerinnen und Künstlern gerade recht: Sie soll quasi über Nacht eine Parklandschaft hinzaubern. Doch natürlich kommt alles anders. Und auch wer der wirkliche Spion aus Bern ist, stellt sich erst ganz zum Schluss heraus. Für Spannung und Heiterkeit ist also gesorgt.

Theater zum Mitwandern

Inzwischen wird an den verschiedenen Schau- und Spielplätzen im Städtchen (das Publikum wird samt den Sitzbänkli von Ort zu Ort mitwandern) gearbeitet: Vor dem Gemeindehaus trifft soeben die exzentrische Holländerin ein. Ihr Wunsch, «mal wieder ganz einfach und unkompliziert zu reisen», erfüllt sich – indem ihr Butler schwitzend auf dem Tandem strampelt und auch sonst einiges schleppen muss. Derweil probiert die «Künstlergruppe» im Schatten der Kastanien vor dem Schulhaus gerade aus, wie sich aus Abfall Musik machen lässt, und auf dem Pausenplatz üben die «Gemeinderätinnen», wie sie ihre Machenschaften vertuschen und die Künstler übertölpeln wollen. Sehr vielversprechend!

EingeschmiertEin Freilufttheater mit Tempo, Musik, Biss und Witz. Samstag, 20. Juli (Premiere) und Sonntag, 21. Juli, jeweils 19.30 Uhr, Gemeindehaus Elgg. Ab 18 Uhr: Speis und Trank. Eintritt frei. Weitere Infos: www.fahrwerk-oe.ch 079 444 02 83

Erstellt: 20.07.2019, 10:07 Uhr

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