Rheinau

Debatte über das Erbe des Dorfchronisten

An der Rheinauer Gemeindeversammlung entbrannten Diskussionen darüber, wofür und über welchen Zeitraum das 1,7-Millionen-Franken-Erbe von Stefan V. Keller, dem verstorbenen Lokalhistoriker, verwendet werden soll.

Wie eine Postkarte: Blick auf die Klosterinsel Rheinau mitten im Rhein.

Wie eine Postkarte: Blick auf die Klosterinsel Rheinau mitten im Rhein. Bild: Marc Dahinden

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Mit Bibliothek oder ohne und auf 30 oder 50 Jahre ausgelegt - oder doch ganz offen? Das nur zwei Seiten und sechs Artikel umfassende Reglement, das der Rheinauer Gemeinderat zur Verwendung des Stefan-V.-Keller-Fonds erarbeitet hat, weckte die Diskussionsfreude der 58 anwesenden Stimmbürger der Gemeindeversammlung vom Dienstagabend.

Stefan V. Keller verstarb im April 2016 und hat den grössten Teil seines Erbes der Gemeinde vermacht. Es besteht hauptsächlich aus Liegenschaften. Das Wohnhaus «Heidenhof» wurde bereits veräussert, die beiden Rustici im Tessin hätten einen ernsthaften Interessenten, sagte Gemeindepräsident Andreas Jenni. Die Erbschaft beläuft sich auf rund 1,7 Millionen Franken - das Testament des Verstorbenen sei «rudimentär». Sicher sei, dass Stefan V. Keller davon ausgegangen sei, dass die Gelder in die Fortführung seines Lebenswerks investiert werden. «Die Frage ist, was dies bei einer solch vielschichtigen Person ist?», so der Gemeindepräsident. Aus dem Leben und Wirken gehe aber klar hervor, dass Keller das Bewahren und Pflegen des kulturellen und historischen Erbes des «Städtchens Rheinau» am Herzen gelegen seien. Und genau so wird auch Artikel 1, der Zweck der Fonds-Gelder, definiert.

Wer und wie lange?

Aus der Gemeindeversammlung wurde gefordert, dass auch die Bibliothek einen Batzen erhalten soll. Der Gemeindepräsident insistierte, dass das Geld nicht für laufende Kosten wie Löhne verwendet werden soll. Jemand merkte an, im Artikel 2 würden «Beiträge an öffentliche Institutionen» erwähnt, was die Bibliothek einschliesse. Der Antrag, die Bibliothek explizit im Reglement zu nennen, wurde schliesslich mit grossem Mehr abgelehnt.

Zustimmung erhielt ein Rheinauer betreffend den 5. Artikel. Festgehalten war, dass die Fondsmittel so zu vergeben sind, dass sie «mindestens 50 Jahre» ausreichen. Nach einigen Wortmeldungen hatten die Anwesenden über vier Anträge abzustimmen – die Mehrheit entschied sich für eine Reduktion auf 30 Jahre. Geregelt ist ausserdem, dass Rheinau – und nur Rheinau, auch wenn es zu einer Fusion kommen sollte – von den Geldern profitiert.

Martin Jaun verabschiedet

Einigkeit herrschte vor und nach diesem Traktandum: Das Budget 2020 der Einheitsgemeinde Rheinau wurde einstimmig angenommen. Und im inoffiziellen Teil der Versammlung erhielt der scheidende Gemeinderat Martin Jaun einhelligen Applaus. Er war 2002 in die Schulpflege eingetreten und seit 2010 als Gemeinderat tätig. Andreas Jenni nannte ihn einen «angenehmen und kompetenten Behördenkollegen, der sich vehement für seine Anliegen eingesetzt hat».

Martin Jaun verglich auf humorvolle Art die Gemeinde mit einer Firma, der Gemeinderat sei der Verwaltungsrat – und er habe während seiner Tätigkeit in der Behörde eine CEO-Ausbildung genossen. Aber, und das sagte er mehrmals: «Etzt isch gnueg.»

Erstellt: 04.12.2019, 12:23 Uhr

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