Henggart

Debatte über die Kosten für die Dorfjugend

Als letzte von sechs Gemeinden gibt auch Henggart grünes Licht für den Sek-Jugendtreff. Die Kosten gaben allerdings zu reden.

An der Gemeindeversammlung in Henggart gab der Jugendtreff des Sekundarschulkreises in Andelfingen zu reden. Die Kosten betragen für Henggart 21 500 Franken.

An der Gemeindeversammlung in Henggart gab der Jugendtreff des Sekundarschulkreises in Andelfingen zu reden. Die Kosten betragen für Henggart 21 500 Franken. Bild: Nathalie Guinand

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Wie so oft und wie anderswo auch diskutierten an der Henggarter Gemeindeversammlung vorwiegend ältere Herren. Auffällig war dies am Mittwochabend, weil es diesmal um die abwesende Jugend ging. Genauer um den Jugendtreff des Sekundarschulkreises in Andelfingen. Zu diesem Kreis gehören die sechs Gemeinden Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim an der Thur. 48 Stimmberechtigte nahmen an der Versammlung teil. Der Treff für die Sek-Schüler befindet sich in einem Keller unterhalb der Post beim Bahnhof Andelfingen. Im Dezember 2016 startete der zweijährige Testbetrieb. Fünf der sechs Gemeinden haben dem definitiven Betrieb des Jugendtreffs bereits zugestimmt. Anders als in Henggart lag der dafür benötigte wiederkehrende Kredit in der Ausgabenkompetenz des jeweiligen Gemeinderates. In Henggart liegt die Schwelle für jährlich wiederkehrende Ausgaben bei 20 000 Franken. Der Henggarter Kostenanteil für den Andelfinger Sek-Jugendtreff liegt mit 21 500 Franken leicht darüber.

«Jugendarbeit muss fundiert, sicher sein.»Hans Bichsel, Gemeindepräsident

Unscheinbar, keine unmittelbare Nachbarn und gut mit dem ÖV erreichbar: Das Lokal sei «sehr gut», sagte Gemeinderätin Angelika Müller. Pro Abend besuchten 20 bis 40 Jugendliche den betreuten Treff. Wie in anderen Weinländer Gemeinden auch werden die Leistungen vom kantonalen Zentrum Breitenstein in Andelfingen eingekauft. «Je mehr Treffs es gibt, desto günstiger wird es pro Gemeinde», sagte Müller. Und: «Präventionsarbeit lässt sich nicht messen, schon gar nicht in Zahlen.»

Doch genau die Zahlen gaben anschliessend zu reden. So stellte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) der Versammlung einen Gegenantrag. Das Angebot selber stelle man nicht infrage, sagte RPK-Präsident Felix Stüdle. Ein Fragezeichen setzten die Rechnungsprüfer aber hinter die 30 bis 60 Franken pro Treff-Besuch für einen Henggarter Jugendlichen. Im Vergleich dazu seien die Angebote von Vereinen «wesentlich günstiger». Daher schlug die RPK vor, den Kredit von gut 20 000 Franken vorerst nur bis Ende 2021 zu bewilligen. Bis dahin sollten Alternativen geprüft werden, so etwa die Anstellung eines Jugendarbeiters statt des Einkaufs der Leistungen.

Gegenantrag der RPK

Die Debatte dauerte rund zehn Minuten, in der es sieben Wortmeldungen gab. Eine Bürgerin nannte das Angebot eine «sinnvolle Sache», weil so viele Gemeinde mitmachten. Und sie sei nicht sicher, ob eine private Trägerschaft günstiger wäre. Stüdle sagte daraufhin, dass etwa Pfungen mit der Anstellung eines Jugendarbeiters «deutlich günstiger» gefahren sei als mit dem Zentrum Breitenstein.

«Präventionsarbeit lässt sich nicht messen, schon gar nicht in Zahlen.»Angelika Müller, Gemeinderätin

Gemeindepräsident Hans Bichsel wandte ein, dass man die beiden Situationen so nicht vergleichen könne. Bei bis zu 40 Jugendlichen bräuchte es in Andelfingen zudem zwei Sozialarbeiter. Und: «Jugendarbeit muss fundiert, sicher sein.» Daher plädierte Bichsel für Breitenstein. RPK-Mitglied Patrick Ruepp erinnerte daran, dass es beim Antrag seiner Behörde nicht um eine Privatisierung des Jugendtreffs gehe. Es gehe einzig darum, den Kredit befristet für zwei Jahre zu bewilligen, um dann die ganze Sache nochmals zu beurteilen. Bichsel versprach, dass der Gemeinderat wegen der Kosten genau hinschauen werde. Der Rat habe bewiesen, dass er einen nicht funktionierenden Treff auch schliessen könne. Dies geschah letztes Jahr in Henggart mit dem Treff für die Primarschüler, der zu wenig genutzt worden war.

Für den Antrag des Gemeinderates stimmten 23 Personen, für jenen der RPK 19. In der Schlussabstimmung votierten dann 38 für den Gemeinderat, Gegenstimmen gab es keine mehr.

«Nicht unter den Vogt»

Ebenfalls ohne Nein-Stimmen genehmigt wurden die Jahresrechnung 2017 sowie vier Einbürgerungsgesuche. Am Schluss der Versammlung wurden mehrere zurücktretende Behördenmitglieder verabschiedet, so auch Gemeinderat Ulrich Pfister. Er war 16 Jahre im Rat und sagte zum Schluss nur dies: «Ich hoffe, dass Henggart eigenständig bleibt und nicht unter den Vogt von Andelfingen kommt.» So etwas in diese Richtung habe er von ihm schon noch erwartet, sagte Bichsel schmunzelnd. Mit bloss 33 Stimmen Unterschied hatten die Henggarter am 15. April Ja gesagt zu Fusionsabklärungen mit fünf Nachbargemeinden.

(Landbote)

Erstellt: 14.06.2018, 14:47 Uhr

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