Henggart

Deponie ja, aber bitte nicht bei uns

Die Firma Toggenburger sieht im Gebiet Egg viele Vorteile für den Bau einer Deponie. Das Gebiet sei kaum einsehbar, gut erschlossen und könne renaturiert werden. Die Argumente stossen im Dorf aber auf wenig Verständnis.

Auf diesem Gebiet soll die Deponie entstehen.

Auf diesem Gebiet soll die Deponie entstehen. Bild: Madeleine Schoder

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Für den Gemeinderat ist der Fall auch nach der Informationsveranstaltung vom Mittwochabend klar: «Wir sind dagegen, dass die letzte grosse Grünfläche in Henggart einer Abfalldeponie zum Opfer fällt», sagte Gemeindepräsident Hans Bichsel, nachdem das Projekt in der Wylandhalle präsentiert worden war. Wertvolle Fruchtfläche und eine harmonische Landschaft gingen verloren. Betroffen seien ein Wildtierkorridor und auch die Schützen, die dort einen Schiessstand betreiben.

«Henggart ist klein und dicht besiedelt. Wie kommt der Kanton nur auf die Idee, so etwas hier zu planen?»Vote aus dem Publikum

Unterstützung erhielt der Gemeindepräsident aus dem rund 80-köpfigen Publikum. «Henggart ist klein und dicht besiedelt. Wie kommt der Kanton nur auf die Idee, so etwas hier zu planen?», sagte ein Mann und erntete für sein Votum Applaus.

«Leider Gottes braucht es
Deponien.»
Balthasar Thalmann, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft und Betriebe Kanton Zürich

Dabei hatte sich Truls Toggenburger von der Firma Toggenburger alle Mühe gegeben, Bedenken zu zerstreuen. Er fand auf die zahlreichen Fragen sachliche Antworten und versprach, in der Planungsphase auf Einwände aus der Bevölkerung einzugehen. Einem Waldbesitzer versicherte er gar, für Schäden im Wald (die er nicht erwartet) persönlich geradezustehen. Auch Balthasar Thalmann von der kantonalen Baudirektion versuchte, Ruhe hineinzubringen. «Ich weiss, Sie sind nicht begeistert», sagte er. «Aber leider Gottes braucht es Deponien. Und der Kanton hat die Aufgabe, geeignete Standorte zu finden.» Schon aus geologischer Sicht sei die Auswahl ziemlich beschränkt. Immer wieder wurde auf lange administrative Abläufe, genaue Kontrollen und strenge gesetzliche Vorgaben hingewiesen.

Keine Fahrten durchs Dorf

Eine wichtige Rolle spielt bei solchen Vorhaben der Umweltverträglichkeitsbericht. Darin wird abgeklärt, ob die Umweltvorschriften eingehalten werden. Denn die Auswirkungen wären erheblich: Von der Deponie betroffen wäre eine Fläche in der Grösse von bis zu 13 Fussballfeldern. In die Tiefe gegraben würde ausser bei den Sondierbohrungen aber nicht. Vielmehr soll die leicht badewannenförmige Landschaft mit Bauschutt und leicht verunreinigtem Aushubmaterial aufgefüllt werden.

Die Firma Toggenburger sieht im Standort Egg Vorteile. Die geplante Mulde wäre über die Autobahn gut erschlossen. «Es gäbe keine Lastwagenfahrten durchs Dorf», versprach Martin Weidmann von Toggenburger. Die Deponie wäre kaum einsehbar und fast einen halben Kilometer vom Dorf entfernt. Später sind ökologische Aufwertungen vorgesehen und die Landwirtschaftsfläche könnte wieder beackert werden.

Ja, es gibt Lärm

Die Firmenvertreter zählten aber nicht nur Vorteile auf, sie schenkten reinen Wein ein. So bestätigten sie, dass es Lärm geben werde. «Bagger und Dozer arbeiten nicht geräuschlos», sagte Truls Toggenburger. Auch gab er zu, dass Ausnahmebewilligungen für Nacht- oder Wochenendarbeiten denkbar wären und dass an die Grundeigentümer Geld fliesse. Doch erst müssen geologische Untersuchungen zeigen, ob das Gebiet für eine Bauschuttdeponie geeignet ist.

Erstellt: 11.07.2019, 16:30 Uhr

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