Marthalen

Der kurze Weg zum Endlager führt ans Ziel

Die Nagra gab gestern bekannt, dass das Weinland und das aargauische Bözberg als mögliche Endlagerstandorte in Frage kommen. Warum dabei der Transport des Atommmülls ein nicht unwesentlicher Faktor spielt.

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Ein wichtiger Entscheid ist gefallen: Die Nagra hat gestern das Zürcher Weinland und den aargauischen Bözberg als mögliche Endlagerregionen vorgeschlagen. Das Weinland, das schon 2002 schier zum ungewollten Handkuss gekommen war, wurde stets mit der Aussage ruhiggestellt, dass es ja sechs solche Regionen gebe und daher noch gar nichts entschieden sei.

Nun aber reibt man sich die ­Augen – auf einen Schlag wurden aus sechs nur noch zwei Regionen. Die Nagra hatte den Auftrag für den sogenannten 2x2-Vorschlag, das heisst: Sie musste für schwach und mittel radioaktive Abfälle einerseits und für hoch radioaktive Abfälle andererseits je mindestens zwei Regionen vorschlagen. Also mindestens deren vier, maximal sechs – ­würde man meinen.

Untergrund wird noch vertiefter untersucht

Denn 2 mal 2 ergibt nicht zwingend 4. Im Weinland und Bözberg stecken wie in einer russischen Holzpuppe gleich zwei Endlagertypen: eines für stark sowie eines für schwach und mittelstark strahlenden Atommüll. Das ist aber weder eine böse Überraschung, noch wurde es von der Nagra je verheimlicht.

Der Rauch der rechnenden Köpfe wird sich verziehen und die Sicht wieder freigeben auf die ­alles entscheidende Frage: In welcher Region können die ­atomaren Abfälle am sichersten ­gelagert werden? Die Nagra wird den geologischen Untergrund im Weinland und Bözberg nun noch vertiefter untersuchen. Und die Ergebnisse werden von einer Heerschar von Experten und ­Behörden durchleuchtet.

Atommülltransporte bergen Risiken

Doch bei aller Tiefgründigkeit droht der Transport des Atommülls an der Oberfläche vergessen zu gehen. Bereits im letzten Juni wies der «Landbote» darauf hin, dass die Castor-Züge vom ­nationalen Zwischenlager zum Weinländer «Tor zum Endlager» mitten durch das Herz von Winterthur rollen würden. Im Bözberg hingegen kann von einem Transportweg kaum die Rede sein: Das Tor in den Untergrund würde in Sichtdistanz zum Zwischenlager liegen – verbunden sogar durch einen Tunnel. Kommt hinzu, dass auch die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Leibstadt nicht weit entfernt sind.

Unfallgefahr, Gleisblockaden oder sogar terroristische Anschläge: Atommülltransporte quer durch die Schweiz bergen Risiken. Wenn die Nagra die ­beiden Regionen Weinland und Bözberg auch weiterhin als «sehr geeignet» bewertet, dann ist es ein Gebot der Sicherheit, das Endlager im Bözberg zu bauen – und nicht im Weinland. Denn die Sicherheit muss das oberste Ziel sein, auch beim Transport – und an dieses Ziel führt nur der kürzere Weg. (Landbote)

Erstellt: 06.04.2015, 13:33 Uhr

Markus Brupbacher, Redaktor Region.

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