Andelfingen

Die Beruhigungspille wirkt nicht mehr so

Nach dem jüngsten Vorschlag der Nagra schwindet in der Weinländer Regionalkonferenz die Hoffnung, dass das Endlager anderswo gebaut wird.

Werden weiterhin damit beruhigt, dass noch nichts entschieden sei: Die Mitglieder der Weinländer Regionalkonferenz.

Werden weiterhin damit beruhigt, dass noch nichts entschieden sei: Die Mitglieder der Weinländer Regionalkonferenz. Bild: Heinz Diener

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Das Luzerndeutsch hat etwas Behäbiges, Beruhigendes – so auch jenes von Franz Schnider, Vize­direktor des Bundesamtes für Ener­gie­ (BFE). An der 14. Vollversammlung der Weinländer Regionalkonferenz vom Samstag wurde er nicht müde zu betonen, dass es sich erst um einen Vorschlag der Nagra handle, nur noch das Weinland (Zürich Nordost) und den Bözberg (Jura Ost) für ein mög­liches Atomendlager vertieft zu untersuchen.

«Es ist noch keine einzige Region definitiv ausgeschieden», sagte Schnider. Der Nagra-Vorschlag von Ende Januar wurde von vielen Seiten als voreilig kritisiert. Die gebetsmühlenartige Wiederholung dieser Aussage wirkt bei mehreren Mitgliedern der Regionalkonferenz immer weniger beruhigend. Denn ausgerechnet die nachvollziehbare Begründung der Nagra, weshalb sie vier Regionen nicht weiter untersuchen will, verstärkt die Skepsis, dass diese Regionen eines Tages doch wieder für ein Endlager infrage kommen sollten. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie», sagte ein Konferenzmitglied.

Zentrale Nachteile bekannt

Eine Aussage von Markus Fritschi von der Nagra nährte diese Skepsis zusätzlich. Das Mitglied der dreiköpfigen Geschäftsleitung war am Samstag der einzige Referent, der keine verbalen Beruhigungspillen verteilte. Auf die ­Frage, weshalb bisher einzig im Weinland dreidimensionale seismische Messungen des Untergrunds durchgeführt wurden, antwortete er ohne Umschweife: «Die Opalinustonschicht wird dadurch nicht dicker, und auch die Tiefenlage dieser Schicht ändert sich nicht.» Sprich: Die Daten, die zum Ausschluss der vier Regionen Nördlich Lägern, Südranden, Jurasüdfuss und Wellenberg geführt haben, sind bereits bekannt und verbessern sich auch nicht durch solche Messungen. Die eindeutigen Nachteile sind laut Fritschi also bekannt. Das zeige doch gerade, sagte eine Votantin, wie unwahrscheinlich es sei, dass zurückgestellte Regionen ins Rennen zurückkehren. «Die Leute werden in der Hoffnung gehalten, dass das Weinland durch eine spätere Konkurrenz als Standort­region entlastet werden könnte», kritisierte sie.

Fritschi gab ihr recht, dass eine Rückkehr eher unwahrscheinlich sei, «sofern wir gut gearbeitet haben» und die Behörden und Experten zum gleichen Ergebnis kämen. Franz Schnider vom BFE sagte, dass der Nagra-Vorschlag nun «auf Herz und Nieren» geprüft werde und es eben nicht ausgeschlossen sei, dass dabei die Beurteilung anders ausfällt.

«Jenseits von Gut und Böse»

Das Weinland, der aargauische Bözberg und das Gebiet nördlich der Lägern eignen sich sowohl für die Lagerung schwach- und mittelradioaktiver als auch für hochradioaktive Abfälle. Doch im direkten Vergleich gibt es Unterschiede zwischen den Regionen. «Nördlich Lägern fällt ge­gen­über Zürich Nordost und Jura Ost klar ab», sagte Nagra-Geschäftsleitungsmitglied Piet Zuidema. Das Hauptproblem dort ist, dass die geeignete Opalinustonschicht, in welcher der Atommüll gelagert werden könnte, mit bis zu 800 Metern zu tief unter der Erdoberfläche liegt. Der Bergdruck wäre dort so gross, dass der Opalinuston um die Hohlräume beschädigt und seine Barrierewirkung beeinträchtigt würde. Dort ein Lager zu bauen, «wäre jenseits von Gut und Böse», sagte Zuidema. Im Standortgebiet Jurasüdfuss ist der Opalinuston weniger dick. Zudem grenzt er an eine spröde Kalkschicht, welche die Barrierewirkung verringert. Im Südranden entstanden in der letzten Eiszeit tiefe Rinnen, die neue Gletscher wieder freilegen würden. Und im Wellenberg schliesslich ist das Gestein, ein spröder Mergel, weniger geeignet für ein Endlager. ()

Erstellt: 06.04.2015, 13:08 Uhr

Stellungnahme des zürcher Regierungsrates

Regierungsrat Markus Kägi nahm an der Regionalkonferenz Stellung zum Vorschlag der Nagra von Ende Januar. «Ich bin hier als Zürcher und somit auch als Zürcher Weinländer», sagte der Baudirektor zu Beginn. Die so frühe und so starke Einschränkung von sechs auf zwei Endlagerstandorte habe ihn erstaunt. Doch Gewissheit für alle sechs Regionen herrsche erst ab dem Bundesratsentscheid von 2017. Alle Regionen müssten gleich behandelt werden, weil es ausschliesslich um die Sicherheit gehe. «Vor der Sicherheit sind wir alle gleich.» Sie habe oberste Priorität, «koste es, was es wolle, meine Damen und Herren». Dabei sei Transparenz wichtig, aber auch, dass die Regionen wirklich ernst genommen werden. Das Suchverfahren habe nur so lange eine Zukunft, wie die Beteiligten fair behandelt würden. Kägi will den Nagra-Vorschlag nun durch seine eigenen Fachleute durchleuchten lassen.

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