Stammheim

Die Frischvermählten zanken wie ein altes Ehepaar

An der ersten Gemeindeversammlung von Stammheim wurde heiss diskutiert. Es ging um den Ausbau des Gemeindehauses.

Löste eine lange Debatte aus: Das Gemeindehaus Unterstammheim, wo ab 1. Januar die zentrale Gemeindeverwaltung der Fusionsgemeinde Stammheim ihren Sitz haben wird.

Löste eine lange Debatte aus: Das Gemeindehaus Unterstammheim, wo ab 1. Januar die zentrale Gemeindeverwaltung der Fusionsgemeinde Stammheim ihren Sitz haben wird.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einem goldenen Glöcklein läutete Martin Farner, Gemeindepräsident von Oberstammheim, den Saal zur Ruhe und die erste Gemeindeversammlung der Gemeinde Stammheim ein. Die Fusion der Gemeinden Waltalingen, Ober- und Unterstammheim tritt per 1. Januar 2019 in Kraft. Bereits jetzt bereitet eine Steuerungsgruppe den Zusammenschluss aber vor und berief dazu eine ausserordentliche Versammlung ein. Es wurde eine lange und hitzige.Thema war am Mittwochabend der Baukredit für den Um- und Ausbau des Gemeinde- und des Zehntenhauses in Unterstammheim, wo die neue Zentralverwaltung im Januar ihre Arbeit aufnimmt. Rund 1,66 Millionen Franken werden für das Projekt benötigt. 228 Stimmbürger versammelten sich im Schwertsaal Oberstammheim und hörten den Ausführungen von Martin Zuber von der Steuerungsgruppe und Architekt Florian Stegemann zu.

Das Projekt sieht vor, dass die Gemeindeverwaltung nicht nur provisorisch, sondern längerfristig in Gemeinde- und Zehtenhaus ihren Sitz haben wird. Es sind deshalb diverse Umbauarbeiten nötig, um die Infrastruktur und die Arbeitsplätze auf den heute arbeitsrechtlich geforderten Stand zu bringen und eine kundenfreundliche Umgebung zu schaffen. «Als Gemeinde sind wir Dienstleister», sagte Zuber.

«Den Fusionsstart haben wir uns anders vorgestellt.»Werner Straub, 
Mitunterzeichner 
Rückweisungsantrag

Das Projektteam stiess aber auf Widerstände und offene Fragen. «Dem Zusammenschlussvertrag haben wir zugestimmt. Den Fusionsstart haben wir uns aber anders vorgestellt», sagte Werner Straub, der zusammen mit weiteren Bürgern einen Rückweisungsantrag stellte. Es war das erste Votum von vielen weiteren kritischen.

«Fuss vom Gas nehmen»

Bemängelt wurde unter anderem das hohe Tempo, welches das Bauprojekt verlange. Bereits am 1. Januar soll ein grosser Teil der Umbauten abgeschlossen sein. «Ich befürchte, dass wir bei diesem Tempo kaum lokale Handwerker berücksichtigen können. Und dass wir den Offerten Kompromisse machen müssen, die zu höheren Kosten führen können», sagte eine Anwesende. Diese Befürchtung teilte die Rechnungsprüfungskommission, die das Projekt zwar zur Annahme empfahl, aber auch ihrerseits der Steuerungsgruppe empfahl «den Fuss vom Gas zu nehmen» und einen Plan auszuarbeiten, für den Fall, dass am 1. Januar im Gemeindehaus noch nicht alles für die neue Verwaltung bereit sei.

«Wir sind keine Schulbuben. Personen mit viel Erfahrung haben das Projekt geplant.»Martin Zuber,
Steuerungsgruppe 

Kritisiert wurden zudem die je nach Auslegung zu tiefe oder hohe Anzahl Arbeitsplätze, dass das Archiv zu klein sei, dass im Vergleich zur Variante Neubau die Arbeitsplätze mit den Fenstern im Rücken eben doch nicht optimal seien, dass für die Sammlung Deringer und das Weinbaumuseum noch keine definitive ideale Lösung gefunden worden ist, dass die Vergabe an das Architekturbüro Meyer Stegemann ohne Projektwettbewerb stattgefunden habe und dass man mehr mit bestehender Infrastruktur hätte arbeiten können. «Ich spüre viele Unmut, Unstimmigkeiten und offene Fragen hier im Saal. Und gleichzeitig stehen hier vorne drei Männer, die mir sagen, es sei alles gut. Das verunsichert mich recht», brachte eine Brügerin in ihrer Wortmeldung die Stimmung im Saal auf den Punkt.

Geheime Abstimmung

Den Kritikern gegenüber standen Befürworter, die mahnten, dass die Fusion eine beschlossene Sache sei: «Wir haben zu dieser Hochzeit ja gesagt. Der Abstimmungskampf ist vorbei.» Und Zuber sagte: «Wir sind keine Schulbuben. Personen mit viel Erfahrung haben das Projekt geplant.» Gut eine Stunde wurde hitzig debattiert. Um halb zehn Uhr waren die Anwesenden dann aber zur Abstimmung bereit. Zuerst wurde über den Rückweisungsantrag abgestimmt, der abgelehnt wurde. Aber auch in der Hauptabstimmung, die auf Antrag geheim stattfand, war es noch möglich, das Projekt abzulehnen. Stimmzettel wurden verteilt, in einer Urne gesammelt und ausgezählt.

Kurz nach zehn Uhr dann konnte Farner das Ergebnis bekannt geben: 136 Stimmberechtigte befürworteten das Projekt, 84 waren dagegen, 5 enthielten sich. Viel Lärm um nichts also? Farner bilanzierte die erste Gemeindeversammlung von Stammheim in seinem Schlusswort anders: «Diese Debatte war ein schönes Zeichen für gelebte Demokratie.» (Landbote)

Erstellt: 14.06.2018, 17:08 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!