Hitzesommer

Die Kühle kehrt sachte zurück in den Rhein

Der Wasserstand im Rhein ist zwar nachwie vor sehr tief. Doch die zu hohe Temperatur des Flusses im August ist zurückgegangen – ein Segen für viele Fischarten.

Ein Schwarm junger Barben letzten Sonntag zwischen Ellikon am Rhein und Rheinau. Auch diese Fischart litt im Sommer unter der hohen Wassertemperatur im Rhein.

Ein Schwarm junger Barben letzten Sonntag zwischen Ellikon am Rhein und Rheinau. Auch diese Fischart litt im Sommer unter der hohen Wassertemperatur im Rhein. Bild: Markus Brupbacher

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Zum Baden ist der Rhein noch angenehm warm – aber nicht mehr so warm, dass die Fische darin leiden. Allerdings ist der Wasserstand des Flusses noch immer ausserordentlich niedrig, was an den grossen, trockengefallenen Kiesbänken an beiden Ufern gut zu sehen ist.

«Es hat extrem wenig Wasser.»

Auch in den Bächen der Region habe es immer noch viel zu wenig Wasser, sagt Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Zum Pegelstand im Rhein sagt er: «Es hat extrem wenig Wasser.» Gerade einmal um die 220 Kubikmeter Wasser fliessen aktuell pro Sekunde den Rhein hinunter, «das ist wirklich wenig».

Vor einem Jahr waren es gut 500 Kubikmeter. Zwischen dem 20. und 31. August sank dieser Wert heuer unter 200 Kubikmeter, der Tiefstand wurde vom 25. bis 27. August mit 194 Kubikmeter erreicht.

An der Chuetränki zwischen Ellikon am Rhein und Rheinau führt der Fluss derzeit wenig Wasser, erkennbar an den ausgedehnten Kiesbänken an beiden Ufern. Im Film ist zu sehen, wie Grundwasser aus dem kiesigen Untergrund an die Oberfläche quillt und als Bächlein in den Rhein fliesst. Während des Hitzesommers sorgte dieses kühlere Wasser von unter 20 Grad Celsius für Abkühlung für die gestressten Fische im Rhein, der im August über 27 Grad warm wurde.

Fangverbot steht bevor

Entspannt hat sich wie erwähnt die Situation bei der Wassertemperatur. Diese liegt im Rhein derzeit um die 21 Grad Celsius. «Das ist für die Fische erträglich, wenn auch immer noch warm», sagt Philipp. Denn Fische mögen lieber kühleres Wasser. Am 6. August hatte die Temperatur des Rheins mit 27.5 Grad den diesjährigen Spitzenwert erreicht.

Rund drei Tonnen tote Fische wurden eingesammelt – doch diese Menge entsprach bloss einem Bruchteil aller verendeten Fische

Zu dem Zeitpunkt setzte im Rhein ein Fischsterben ein, betroffen waren vor allem die wärmeempfindlichen Äschen. Aber auch tote Barben, Aale und einzelne Forellen wurden aus dem Fluss gefischt. Rund drei Tonnen tote Fische wurden damals aus dem Zürcher, Schaffhauser und Thurgauer Rhein eingesammelt. Laut Philipp entsprach diese Menge aber nur einem Teil der gesamthaft verendeten Fische.

Mit einem einjährigen Fangverbot wollen die Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich den reduzierten Beständen der Äsche und teils der Forelle die Möglichkeit geben, sich zu erholen.

Ganz in der Nähe der Chuetränki: Aufnahme eines grossen Fischschwarms, vorwiegend junge Barben. Jetzt, wo sich der Rhein langsam abkühlt, fühlen sich auch diese Fische wieder wohler.

Laut Philipp wird der Kanton Zürich das Verbot voraussichtlich in rund zwei Wochen per Verfügung erlassen. Und zwar wohl nur für die Äsche, die sonst ab dem 1. Oktober wieder gefangen werden dürfte. Auch die deutsche Seite sei gebeten worden, Fangverbote am Rhein zu erlassen. «Die Anfrage ist platziert», sagt Philipp. Weil es sich dabei um eine internationale Angelegenheit handelt, ist diese beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) hängig.

Der Verlust an Äschen sei dieses Jahr zwar nicht so hoch gewesen wie im Hitzesommer 2003, sagt Philipp weiter. Allerdings habe die Population dieser Fische seither auch nie mehr die gleiche Grösse erreicht wie vor 2003.

Keine Äschen in der Aufzucht

Seit mehreren Jahren schon hält der Kanton Zürich in der Fischaufzuchtanlage in Dachsen eine genetische Reserve an Äschen. Etwa 30 000 Fischchen, sogenannte Sömmerlinge, werden dort jeweils aus dem Laich wild gefangener Äschen in Becken aufgezogen und im Herbst in den Rhein ausgesetzt. Doch laut Philipp gibt es dieses Jahr in der Dachsemer Anlage keine jungen Äschen. Denn im Frühling sei es nicht gelungen, Äschen mit Laich im Bauch zu fangen. Wieso, sei unklar.

«Hunderte Fische auf wenigen Quadratmetern schwammen dort»

Aussterben wird der Fisch deswegen aber nicht, da er sich grundsätzlich gut in freier Natur vermehrt. Wie viele Äschen nach diesem heissen Sommer noch im Rhein leben, das muss erst noch abgeklärt werden. Dafür suchen die Fachleute nächsten Frühling bekannte Laichplätze von Äschen auf und führen Probefänge durch.

Sie zählen die Äschen vor Ort, erfassen mit einem standardisierten Verfahren die geschlüpften Äschen in bestimmten Rheinabschnitten und ziehen die Erfahrungswerte aus den Vorjahren hinzu: So können sie den Äschenbestand hochrechnen respektive ungefähr abschätzen.

Am Zürcher Rhein wurden diesen Sommer an einigen Orten Plakate aufgestellt und Uferbereiche für Badende teilweise abgesperrt. Der Grund: An solchen Stellen fliesst kühleres Wasser von Seitenbächen in den Rhein. Oder es quillt kaltes Grundwasser aus dem Untergrund, wie etwa an der sogenannten Chuetränki zwischen Ellikon am Rhein und Rheinau. «Hunderte Fische auf wenigen Quadratmetern schwammen dort», erzählt Philipp.

In sandigen Mulden bei der Chuetränki sieht man, wie das Grundwasser direkt aus dem Untergrund an die Oberfläche dringt.

Die Wassertemperatur lag an der Stelle teils unter 20 Grad, während es im übrigen Rhein wie erwähnt über 27 Grad warm wurde. Das Absperren der Kühle spendenden Chuetränki habe sich «sehr bewährt». Der Hitzesommer 2018 wird laut Philipp nun «sauber aufgearbeitet». So soll geprüft werden, welche Massnahmen für die Fische nützlich waren und welche weniger. Aus der Analyse heraus sollen dann vielleicht zusätzliche Massnahmen für die Zukunft entwickelt werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.09.2018, 12:09 Uhr

Es gibt immer mehr Welse im Rhein

Anders als die Äsche oder die Forelle kommt der Wels gut zurecht mit warmem Flusswasser. Im Rhein nimmt die Zahl der Welse sogar zu.

Kurz nach Ellikon am Rhein steigt der Uferweg an. Zuoberst auf dem Strickboden beträgt der Höhenunterschied hinunter zum Rhein gut 15 Meter. Im Schatten der Flussströmung, neben einem ins Wasser gestürzten Baum, ist ein langer, dunkler Schatten zu sehen – und er bewegt sich leicht. Es ist ein Wels, geschätzte eineinhalb Meter lang. Gemächlich bewegt er seinen Schwanz, um sich in der Strömung des Rheins an Ort halten zu können. Nach einer Weile schwimmt er zügig weg hinaus in den Fluss und ist nicht mehr zu sehen.

Diese Beobachtung ist gut zwei Wochen her. Wie viele Welse es in diesem Rheinabschnitt gibt, weiss man laut Urs Philipp, dem Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, nicht. Aber aufgrund von Fängen lässt sich feststellen: «Der Bestand hat stark zugenommen.» Offenbar finde der grosse Raubfisch in diesem Flussabschnitt, in den er vermutlich einst ausgesetzt wurde, sehr gute Lebensbedingungen vor.

Der Wels kommt zudem besser zurecht mit dem warmen Flusswasser als andere Fischarten. Entsprechend wurden diesen Sommer auch keine toten Welse am Rhein gefunden. Bis fast zwei Meter grosse Exemplare seien im Rhein schon gefangen worden, erzählt Philipp. Das Fleisch des Fisches sei fest und schmecke gut – sofern man die Fettlappen zuvor entferne.

Allerlei Geschichten

Über den Wels allgemein sind etliche Gruselgeschichten im Umlauf. Im Internet tauchen regelmässig Bilder auf, auf denen Angler mit riesigen gefangenen Exemplaren posieren. Es soll sogar einst Welse von fünf Metern Länge und über 300 Kilogramm Gewicht gegeben haben. Und am Rhein hört man ab und zu Erzählungen über Enten, die plötzlich von der Wasseroberfläche verschwunden seien – eingesaugt von einem Wels.

Filmisch dokumentiert und belegt ist allerdings ein Verhalten von Welsen an einem Fluss in Südfrankreich. Welse jagen dort vom Wasser aus Tauben am Flussufer. Dabei gelangen die jagenden Welse teilweise und vorübergehend aus dem Wasser.

Der Wels ist der grösste Süsswasserfisch Europas. (Bild: Vladimir Vitek)

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