Andelfingen

Die Lindenmühle kann bald wieder mahlen

Fachleute haben das alte Wasserrad der Lindenmühle möglichst genau nachgebaut. Das einmalige Andelfinger Kanalsystem wird so um eine Attraktion reicher.

Die Achse für das neue Wasserrad wird in Position gehievt.

Die Achse für das neue Wasserrad wird in Position gehievt. Bild: Enzo Lopardo

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Peter Bretscher wirkt freudig aufgeregt, fast ein bisschen aus dem Häuschen. Der Besitzer der Lindenmühle sieht dabei zu, wie Fachleute ein schweres Teil mit einem Hebekran in Position rücken, es ist die sogenannte Hauptwelle. Später soll daran ein Wasserrad befestigt werden, das den Mühlstein im Innern des ­Gebäudes wieder antreiben kann, so, wie das früher der Fall war.

Bretscher weiss genau, wie es aussehen wird, sobald der unscheinbare Mühlebach das Rad in Bewegung versetzt. Der Historiker hat sich bis ins letzte Detail mit dem Vorgang beschäftigt und anhand alter Pläne und mit grossem Einsatz einen möglichst originalgetreuen Nachbau des Wasserrads möglich gemacht.

Metzger nutzte Wasserkraft

Einfach war der Nachbau nicht. Denn die Lindenmühle, die ganz in der Nähe der Kirche Andelfingen am Mühlebach liegt, wurde «nur» bis 1898 als Mühle betrieben. Später nutzte ein innovativer Metzger die Wasserkraft, um damit Kühlaggregate mit Energie zu versorgen. Das ist wohl der Grund, weshalb manche Räder und Bänder in der Lindenmühle bis heute erhalten geblieben sind.

Bald soll das Wasserrad das Räderwerk im Innern des Gebäudes in Bewegung setzen. Bild: Enzo Lopardo

Die Begeisterung von Peter Bretscher, der im gleichen Gebäude oberhalb der Mühle wohnt, wirkt ansteckend. Auch Gemeindeschreiber Patrick Waespi, Gemeinderat Peter Müller sowie zwei Vertreter von der Denkmalpflege freuten sich am gestrigen Medienanlass über das Projekt. «Es ist sensationell, wie liebevoll Peter Bretscher die Lindenmühle saniert hat», sagt Christian Muntwyler von der Denkmalpflege. Sie seien aber nicht nur wegen der Lindenmühle hier. Das ganze Andelfinger Kanalsystem sei einmalig. Entlang des Mühlebachs reihte sich eine historische Mühle an die andere, sagt Muntwyler weiter: «Wie an einer Perlenschnur.» Das Andelfinger Kanal­system mit seinen sechs Mühlen werde in das kantonale Schutzinventar aufgenommen.

Keine Attrappe mehr

Der originalgetreue Nachbau des Wasserrads sei für die Gemeinde ein wichtiger Meilenstein, sagt Gemeindeschreiber Patrick Waes­pi. Die Gemeinde und der Kanton teilen sich die Kosten von 130 000 Franken. Deutlich günstiger wäre die Variante gewesen, welche die Gemeinde 1981 wählte. Damals wurde das Wasserrad zwar nachgebaut, aber nur als Attrap­pe. Es drehte sich mit dem Wasser, die Energie verpuffte aller­dings ins Leere. Das ändert sich jetzt. Das Wasserrad wird den nach wie vor vorhandenen Mühlstein im Innern des Gebäudes aber nur zu Demonstrationszwecken bewegen können. Eine dauerhafte Nutzung ist nicht vorgesehen und auch nicht möglich, da die Rechte dafür fehlen.

Für Ortsführungen soll der Raum regelmässig zugänglich sein. Am 30. Juni ist ein Einweihungsfest geplant – und rund ein Jahr später, am Tag der Mühle, ein Aktionstag. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2018, 08:55 Uhr

Peter Bretscher (Bild: Enzo Lopardo)

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